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Gegenblockade
wirkt sich aus
Ostbesucher wollen Lockerung erreichen |
| Die Neue Zeitung |
10. März 1949 |
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| Frankfurt (UP). - Mit großer
Aufmerksamkeit werden die Reisen von nichtkommunistischen Politikern
der Ostzone nach Westdeutschland in amtlichen amerikanischen Kreisen
beobachtet, so erfährt der UP-Korrespondent Robert Häger, weil angenommen
wird, daß diese Politiker eine Lockerung der die Ostzonenwirtschaft
stark belastenden Gegenblockade erreichen sollen. Vier dieser Ostzonenpolitiker
besuchten in den vergangenen Wochen Westdeutschland, weitere werden
folgen. Keiner von ihnen ist Kommunist und alle kamen "inoffiziell".
Aber jedem politischen Beobachter ist klar, daß diese Männer ohne
Genehmigung zuständiger sowjetischer Stellen niemals nach Westdeutschland
gelangen konnten. |
| Die Besucher
aus der Ostzone haben ihre Interessen während ihres Aufenthaltes im
Westen auf wirtschaftliche Maßnahmen konzentriert und angedeutet,
wie notwendig die Wiederaufnahme des Handels zwischen Ost- und Westdeutschland
sei. Keiner der Besucher unternahm es ernstlich, westdeutsche Politiker
von der Bildung einer westdeutschen Regierung abzuhalten. In alliierten
Kreisen wird dies als ein Beweis dafür angesehen, so erklärt Häger,
daß man sowjetischerseits gegenwärtig keine Hoffnung hegt, die Durchführung
dieses Planes der Westmächte aufhalten zu können. |
| Die wichtigsten ostdeutschen
Besucher waren Rudolf Nadolny, ehemaliger deutscher Botschafter in
Moskau, Otto Nuschke, Vorsitzender der Ostzonen-CDU, Josef Rambow,
CDU Bürgermeister von Leipzig, und Dr. Bernhard Singer, Leipziger
Stadtverordneter der CDU. In der kommende Woche wird Georg Dertinger,
CDU-Sekretär, in Westen eintreffen. Nuschke teilte außerdem mit, daß
weitere Besucher aus Ostdeutschland zu erwarten seien. |
| Der bedeutendste Mann unter
der Besuchern war zweifellos Nadolny, der demnächst wieder kommen
will, um in Königstein Beratungen zu führen. Er hat 90 leitende deutsche
Politiker und Industrielle zu einer Zusammenkunft eingeladen. Den
letzten Informationen des UP-Korrespondenten zufolge haben diese Politiker
zwar abgesagt, aber mindestens sechs maßgebliche Industrielle haben
sich bereit erklärt, nach Königstein zu kommen. |
| Alle Besucher haben freimütig
zugegeben, daß die wirtschaftliche Situation in der Ostzone äußerst
schwierig ist. Nuschke schätzt, daß zwei Drittel der Maschinen der
ostdeutschen Industrie bald stillegen werden, da Ersatzteile fehlen
und nur aus Westdeutschland zu beschaffen sind. Rambow, der als Wirtschaftsberater
bei der sowjetischen Militärverwaltung tätig war, erörterte während
seines Aufenthaltes in Westdeutschland fast ausschließlich die Möglichkeit
der Wiederaufnahme des Handels zwischen Ost- und Westzonen. Singer
interessierte sich in erster Linie für Medikamente und medizinische
Geräte. |
| Im Gegensatz zu diesen
Bemühungen wird laut Dena von alliierter Seite zur Zeit eine weitere
Verschärfung der Gegenblockade erwogen. Es gelangen nämlich noch immer
Waren über die amerikanische Zone, die Tschechoslowakei und Polen
in die Sowjetzone, und auch auf dem Schiffswege über die Ostseehäfen
kann die Gegenblockade umgangen werden. Allerdings können auf diesen
Wegen sich nur solche Güter der Kontrolle entziehen, die einen geringen
Transportraum benötigen. Welche Entscheidungen getroffen werden, um
"die Löcher in der Gegenblockade" zu stopfen, läßt sich laut Dena
noch nicht voraussagen. |
| Im Harz sollen zur Verstärkung
der Grenzkontrolle an der britisch-sowjetischen Zonengrenze nach und
nach bis zu 800 Grenzpolizisten eingesetzt werden. Im Durchschnitt
sind für jeden Kilometer der Grenze zehn Beamte vorgesehen, während
bisher auf jeden Kilometer nur ein Grenzpolizist kam. |
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Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik,
Teilung, Sektor, Blockade, Alltag, Versorgung, Gegenblockade, Handel,
Transport, Ökonomie, Ostzone, Westzone, Grenze, Zonengrenze, Polizei,
Grenzpolizist, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt |
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aktualisiert: 29.12.2005 |
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