Ohne Fahrkarte geht nichts!
- Eine Fahrt im
Kohlenwaggon
Ich war vermutlich einer der ersten - und
zwar illegalen - Eisenbahnbenutzer auf dieser Transitstrecke.
"Ende Oktober / Anfang November 1945
wollte ich von Berlin zurück in den Westen - natürlich ohne
jedwede Reiseerlaubnis-Papiere. Ich hatte jedoch erfahren,
daß auf dem Bahnhof in Berlin-Niklassee oder -Grunewald Kohlenzüge
standen, die nach der Entleerung zurück in den Westen fahren
sollten. Dorthin begab ich mich des Abends mit meinem Rucksack
und kletterte in einen der leeren Waggons. Ich versteckte
mich unter einen Berg leerer Kohlensäcke und freute mich als
der Zug 'gen Westen abfuhr.
Unterwegs gab es einige Halts, und dabei
wurde mein Waggon auch inspiziert. Einen Mitfahrer fand man,
holte ihn aus dem Waggon und nahm ihn mit. Mich fand man nicht.
Morgens erwachte ich auf dem Braunschweiger
Güterbahnhof. Ich kletterte aus dem Waggon. Ein deutscher
Eisenbahner hielt mich an und fragte nach dem Woher und Wohin.
Er fragte nach der Eisenbahnfahrkarte. Welch groteske Frage
an einen Menschen, der aus einem leeren Waggon kletterte!
Eine Fahrkarte hatte ich natürlich nicht. Und so mußte ich
bei jenem Eisenbahner eine solche nachträglich kaufen. Dann
konnte ich anstandlos weiterziehen.
Eine solche Szene ist eigentlich nur
in Deutschland denkbar. Da klettert jemand aus einem leeren
Waggon und hatte nicht einmal eine Fahrkarte! Das ging nicht."