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Friedrich List und die Idee eines deutschen Eisenbahn-Netzes
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  1850 von Ludwig Häusser
 

Damals (in den Dreissiger Jahren) stand jede Eisenbahn-Speculation in den Augen eines grossen Theils der deutschen Nation ungefähr auf derselben Linie, wie heutzutage etwa die Luftschifffahrt, und man hatte sich noch nicht gewöhnt, ohne Schreck und Schauder an die bewegende Kraft des Dampfes zu denken; Explosionen, Ersticken, Ueberfahrenwerden galt in den Augen der Mehrzahl noch als eine unvermeidliche lebensgefährliche Beigabe alles Eisenbahnwesens. Musste List gegen solch kindische Vorstellungen noch ankämpfen, so liess sich wohl denken, mit welchen Augen man Anfangs seine Idee eines Eisenbahnnetzes ansah, das sich über ganz Deutschland verbreiten sollte. Er hatte der Schrift („Ueber ein sächsisches Eisenbahnsystem als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnsystems, und insbesondere über die Anlegung einer Eisenbahn von Leipzig nach Dresden“ 1834) ein Kärtchen beigegeben, auf dem die künftigen Linien verzeichnet waren; wir finden da die Linie von Basel nach Frankfurt, von Frankfurt nach Cassel, Hannover und Bremen, sowie nach Gotha, Leipzig und Berlin, das einerseits über Magdeburg, Braunschweig und Hannover mit Minden und Cöln in Verbindung gesetzt ist, andererseits seine Eisenbahnarme nach Pommern, Westpreussen und Schlesien aussendet. Leipzig selbst steht da mit Dresden und Prag, mit Berlin, Halle, Magdeburg und durch eine grosse Bahnlinie, die von Thüringen über Bamberg, Nürnberg, Augsburg, München nach Lindau führt, mit dem deutschen Süden in Verbindung. Wie Viele mochten damals in diesen Entwürfen nichts als Schwindeleien sehen, und wie viele Hindernisse standen in Deutschland entgegen, wo der Unternehmungsgeist erschlafft war, die Regierungen und Bevölkerungen von der unruhigen Rührigkeit der Britten und Nordamerikaner nichts in sich fühlten, wo die Kleinstaaterei und die Kirchthurmspolitik hundert Schwierigkeiten bereitete. Und trotz aller dieser Schwierigkeiten ist jenes Netz, wie es List damals entwarf, nach kaum 15 Jahren vollendet gewesen – gewiss die schlagendste Rechtfertigung gegen alle damaligen Neider und Zweifler.

(Friedrich List’s Leben. S. 199 u. folg.)

  Quelle: Stammbuch der neueren Verkehrsmittel. Eisenbahnen, Dampfschiffe, Telegraphen und Luftschiffe. Eine Sammlung von Liedern und Gedichten, Aufsätzen und Schilderungen.Herausgegeben von C. Löper. Lahr: Verlag Moritz Schauenburg 1881.
  SW: Verkehr, Transport, Geschichte, Unterricht, Bildung, Schule, Arbeitslehre, Sachunterricht, Technik, Eisenbahn, Schienenverkehr, Lokomotiven, Bahnhöfe, Nahverkehr, Fernverkehr, Berufe, Augenzeugen, Industrialisierung, Eisenbahngeschichte, Verkehrsgeschichte, Technikgeschichte, Medienerziehung, Quelle, Dokument, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt

 

 


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aktualisiert: 29.10.2003

 

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