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Der Luftschiffer Blanchard in Frankfurt am Main im Jahre 1785
  1850 von Belli Gontard
  Wie gewaltig die, obgleich noch unvollkommene Erfindung der Luftschifffahrt alle Gemüther in Frankfurt am Main in Anspruch genommen, beweisen die vielen Anzeigen darüber in den Zeitungen und Anzeigeblättern ...
  Unter den Deutschen haben sich Professor Reichhard und seine Gattin als Luftschiffer einen Namen gemacht, unter den Franzosen Blanchard und Garnerin.
  Im Jahre 1785 kam Blanchard hieher (nach Frankfurt). Die Stadt war mit Fremden überfüllt, um dies nie gesehene Wunder zu beschauen. Am 27. September war die Luftfahrt an dem Grindbrunnen bestimmt. Der Erbprinz von Darmstadt und ein französischer Officier, Namens Schweizer, wollten mit in die höheren Regionen steigen. Der erste Platz für die Zuschauer kostete einen Carolin, der zweite die Hälfte, und der letzte einen französischen Thaler. Sie waren alle gleich stark besetzt. Um den Verschlag war das Volk versammelt, welches auf 100,000 Menschen geschätzt wurde. Der Ballon war gefüllt. Der Prinz, Schweizer und Blanchard sassen schon in der Gondel, nur die Stricke waren noch zu lösen, als aus einem Hinterhalte, wahrscheinlich von dem Maine, mit einer Windbüchse in den Ballon geschossen wurde, welcher einen Riss bekam und durch das Ausströmen der Luft zusammensank. Blanchard hatte anfänglich aus Schreck die Sprache verloren. Die getäuschte Menschenmasse wurde unruhig und wollte ihn zur Rechenschaft ziehen. Es gelang, Blanchard in dem Wagen des Fürsten von Weilburg mit starker Militärbegleitung in seine Wohnung im goldenen Löwen in der Fahrgasse zurück zu bringen. Am 3. Oktober hatte Blanchard eine zweite Fahrt angekündigt, jedoch wollte er sie nun ohne Begleitung vornehmen. Diesmal stieg er auf der Bornheimer Heide majestätisch in den reinen Himmelsäther, begrüsst von tausendstimmigem Jubel. An der Bockenheimer Warte liess er in einem Fallschirm seinen Hund herunter mit einem Schreiben, welches die Bitte aussprach, denselben in seiner Wohnung abzugeben. Ein starker Wind trieb ihn schnell, und er erreichte eine Höhe von 6500 Fuss und legte 14 Stunden (7 Meilen) in 39 Minuten zurück. In der Nähe von Weilburg liess er sich nieder, blieb über Nacht dort und fuhr anderen Tages mit einem herrschaftlichen Wagen wieder hieher zurück. Hier besuchte er das Theater und wurde mit Pauken und Trompeten empfangen. Die Schauspieler waren alle festlich gekleidet und bei dem Aufziehen des Vorhanges begrüssten sie Blanchard mit einem französischen Gedichte. Seine Büste war auf dem Theater aufgestellt, und zwei Schauspieler setzten derselben unter grossem Beifall des Publikums einen Lorbeerkranz auf. Der Russische Gesandte nahm den Künstler nach der Vorstellung mit zur Abendtafel. Den folgenden Tag war von den ersten Personen der Frankfurter Gesellschaft ein Mittagessen im Römischen Kaiser dem kühnen Schiffer gegeben worden. Eine Menge Menschen hatte sich vor dem Gasthofe versammelt, und um Blanchard ein Vergnügen zu machen, wurde Geld unter dieselben geworfen. Abends erneuerten sich die Scenen im Theater, nur mit dem Unterschiede, dass er von dem Volke statt von Pferden gezogen wurde. Den folgenden Morgen war Rathssitzung. Blanchard machte seine Aufwartung und wurde mit grosser Auszeichnung empfangen; es wurde ihm gemeldet, dass die Stadt alle seine Unkosten übernähme und ihm ein Geschenk von 50 doppelten Krönungsthalern überreicht.
  Noch nie war ein Sterblicher hier so ausgezeichnet worden.
 

(Leben in Frankfurt am Main. Frankf. 1850.)

  Quelle: Stammbuch der neueren Verkehrsmittel. Eisenbahnen, Dampfschiffe, Telegraphen und Luftschiffe. Eine Sammlung von Liedern und Gedichten, Aufsätzen und Schilderungen.Herausgegeben von C. Löper. Lahr: Verlag Moritz Schauenburg 1881.
  SW: Verkehr, Transport, Geschichte, Unterricht, Bildung, Schule, Arbeitslehre, Sachunterricht, Technik, Eisenbahn, Schienenverkehr, Lokomotiven, Bahnhöfe, Nahverkehr, Fernverkehr, Berufe, Augenzeugen, Industrialisierung, Eisenbahngeschichte, Verkehrsgeschichte, Technikgeschichte, Medienerziehung, Quelle, Dokument, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt

 

 


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aktualisiert: 29.10.2003

 

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