EisenbahnEpoche VI - Eisenbahngeschichte | Finden
 

Geschichte der deutschen Eisenbahn

Epoche VI : ab 1992 - Privatisierung
  Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und den damit verbundenen gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen wurde der Weg zu Vereinigung der beiden Eisenbahnsysteme frei und die daran anschließende Privatisierung der staatlichen Bundesbahn. Die neue Unternehmensform einer AG (deren Aktien zunächst weiter von Staat gehalten werden) stellt die Eisenbahn in die freie Konkurrenz mit allen anderen Verkehrsträgern, vor allem dem PKW-Verkehr im Personenbereich und dem LKW-Verkehr im Gütertransport.
  Der zunächst bestehende Modernisierungsstau in den neuen Bundesländern soll durch eine Anzahl auch die Eisenbahn betreffende Verkehrsprojekte beseitigt werden (vgl. Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 1, die Eisenbahnstrecke Lübeck - Bad Kleinen). Inzwischen wurden zahlreiche Bahnhöfe renoviert und Strecken neu ausgebaut und elektrifiziert.
  Parallel dazu wurde mit großen finanziellen Aufwand die Modernisierung des Fernverkehrs mit dem Neubau von ICE-Strecken und neuen Entwicklungen bei den Zügen vorangetrieben werden. Diese Fernzüge ermöglichen Gewinne und sollen in einem entsprechenden attraktiven Umfeld als neuer "Erlebnisraum" eingebettet werden. Hierzu gehört auch der Neu- bzw. Umbau von vielen größeren Bahnhöfen, insbesondere solchen an den erfolgreichen Fernstrecken (vgl. Duismann: Bahnhöfe als neue Stadttore).
 

Während die Fernstrecken ökonomisch nützlich sind und Gewinne abwerfen, können diese im Regionalverkehr nicht erwirtschaftet werden. Dieser Regionalverkehr wird zur gemeinsamen Aufgabe der Region (Bundesländer) und der Bahngesellschaft gemacht, dabei steht die Deutsche Bahn AG jedoch in zunehmender Konkurrenz zu anderen privatwirtschaftlichen Eisenbahnen, die zum Teil mit ausländischer Finanzbeteiligung in diese Marktsegmente eindringen. Besondere - aber eher lokale und nicht ökonomisch motivierte - Beachtung finden dabei kleine Bahn-Unternehmen, die neue Formen des Verkehrs anbieten. Beim Pokern um Kosten stehen selbst solche Strecken vermehrt zur Disposition, die sich nicht annähernd mit Gewinn betreiben lassen, aber regionalpolitisch als bedeutsam eingeschätzt werden. Der poltisch-ökonomische Spagat zwischen der gesellschaftlichen Forderung nach wirtschaftlichem Betrieb und nach Betrieb auch unrentabler Strecken sorgt immer wieder für heftige Diskussionen.

 

Ein Sonderfall der Eisenbahnentwicklung um die Jahrhundertwende ist in dem Vorhaben der Realisierung des Transrapid zu sehen. Mit dieser Hochgeschwindigkeitstechnolgie sollte eine neue Epoche des schienengebundenen Verkehrs eingeleitet werden. Die Planung der Strecke Hamburg - Berlin war schon weit gediehen, als die Kosten der Planung und des Baues so rasch wuchsen, dass die bereits vertragliche Finanzierung zusammenbrach. Die neue Bundesregierung wollte die Mehrkosten nicht mehr allein tragen - die deutsche Industrie und die Bahn wollten sich an den Mehrkosten nicht beteiligen - so stoppte die Regierung deshalb die Planungen im Frühjahr 2000.

 

Die weitere Entwicklung der Bahnen und ihre Rolle im gesamten Verkehrsgeschehen, ihre Rolle im gesellschaftlichen Schlüsselproblem Transport und Verkehr, befinden sich in einem andauernden Schwebezustand. Der Ausgang dieser Entwicklung ist kaum mittelfristig vorauszusehen. Es bleibt eine spannende und gesellschaftlich bedeutsame Aufgabe die Entwicklung zu verfolgen und auf der einen oder anderen Ebene sich auch als Nutzer der verschiedenen konkurrierenden Verkehrssysteme durch sein Verhalten so oder so gestaltend an der zukünftigen Entwicklung zu beteiligen.

  Quellen
 

Weigelt, Horst:
Epochen der Eisenbahngeschichte.
Eine faktenreiche, übersichtliche Darstellung mit 190 Abbildungen
Darmstadt: Hestra 1985
Eine systematisch Geschichte der Eisenbahn, die die Vorläufer in einer Übersicht erfaßt und einen technisch orientierten Zugang ermöglicht. Dabei werden aber auch ökonomische Aspekte kritisch berücksichtigt. (Der Autor war ab 1960 als Ingenieur leitend am Aufbau des Hamburgischen S-Bahnverkehrs beteiligt).

Eisenbahntycoon - Strategiespiel für Computer
Es handelt sich bei diesem Spiel (es gibt mehrere Varianten) um eine Wirtschaftssimulation. Der Spieler bzw. die Spielerin können Eisenbahnlinien nach unterschiedlichen Kriterien aufbauen und betreiben. Das Ziel ist es, von einem Grundstock aus ein umfassendes profitables Eisenbahnimperium aufzubauen. Das Spielziel ist es, möglichst erfolgreich gegenüber Konkurrenten zu sein und dabei viel Geld zu verdienen.
 

Weitere
Epochen
  Epoche Zeitraum  
1. Epoche der deutschen Eisenbahngeschichte I bis 1840 Beginnphase der Eisenbahn
2. Epoche der deutschen Eisenbahngeschichte II 1840
bis 1880
Landerschließung, die Eisenbahn wird durchgesetzt
3. Epoche der deutschen Eisenbahngeschichte III 1880
bis 1920
Länderbahnen
4. Epoche der deutschen Eisenbahngeschichte IV 1920
bis 1945
Reichsbahnzeit
5. Epoche der deutschen Eisenbahngeschichte V 1945
bis 1992
Bundesbahnzeit (BRD), Reichsbahnzeit (DDR)
6. Epoche der deutschen Eisenbahngeschichte VI ab 1992 Privatisierung der Bundesbahn zur Deutsche Bahn AG
  Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Schienenverkehr, Geschichte, Historische Entwicklung, Ökonomie, Besitzverhältnisse, Privatisierung, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Berlin


       
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aktualisiert: 29.10.2003
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