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Der
Knochendurchschüttler und seine Nachfolger |
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1906
von Anton Daul |
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Ein
oder zwei Jahre später produzierte Pierre Lallemant, ein Maschinist,
welcher in den Diensten der Firma Michaux & Co. in Paris stand,
eine Maschine von zwei Rädern mit Kurbeln an dem Vorderrade, ganz
so wie an dem Chelsea-Velozipede. Und so kam der „Knochenerschütterer“
(Boneshather) ans Tageslicht. |
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Die
Franzosen haben im verflossenen Jahre Lallemant als dem Erfinder des
Zweirades ein Denkmal gesetzt, obwohl es doch erwiesen ist, daß dem
Schottländer Mac Millan diese Ehre gebührt. |
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Im
Jahre 1889 brachte ein Mann, Namens Turner aus Paris, welcher Agent
eines Nähmaschinenfabrikanten in Coventry war, eine dieser Maschinenfabrikation
und der von jener Firma auch zugleich mit betriebene Bänderhandel
schlecht ging, erschien den Leuten dort das Fahrrad als ein Retter
in der Not und gab nicht nur dem Unternehmungsgeiste der Fabrikanten
neuen Anlaß, sondern auch den Arbeitern wieder Beschäftigung und Brot.
In kurzer Zeit erhielt denn auch die „Machinists Co.“ zu Coventry
einen Auftrag auf 100 solcher Maschinen, wobei James Stanley in Verbindung
mit anderen erfinderischen Köpfen alles mögliche taten, um nur das
Beste dieser Art, was möglich war, zu liefern. |
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Um dem Zweirade in allen Phasen seiner Entwicklung
bis auf die neueste Zeit zu folgen, würde die Beschreibung unzähliger
technischer Einzelheiten erfordern, und es ist hier nur möglich,
eine kurzgehaltene Erwähnung seiner Haupterscheinungen zu geben.
Dem „Knochenerschütterer“ folgte Stanleys „Ariel“
(Schutzgeist), und dann der „Spider“ (die Spinne). In jeder dieser
Maschinen war das Hinterrad kleiner als das Vorderrad, und in manchen
Fällen war es so klein, daß es fast dem des „ordinären“ oder hohen
Zweirades glich.
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In
der Folge mußten dann auch die hölzernen Radkränze und Radspeichen
dem sogenannten „Suspension-Wheel“ (Schweberad) und den Antifriktionslagern
(nicht Reibung erzeugenden Lagern) weichen, worauf die Radkränze von
Gummi folgten. Auch stand jahrelang das sogenannte „ordinäre“ oder
hohe Fahrrad im Gebrauche, das sich in seiner Größe lediglich nach
dem Gefallen seines Eigners richtete, aber sonst in nichts anderem
sich unterschied. Nur die Länge der Glieder des Radfahrers gaben,
wenn alle anderen Dinge gleich waren, das Maß, den Ausschlag in den
Dimensionen des „ordinären“ oder hohen Rades. Je länger daher die
Beine des Radfahrenden waren, desto größer wurde das Rad, und je größer
das Rad, desto weiter die Strecke des Bodens, welche bei jeder Umdrehung
desselben bedeckt war. |
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Aber
mit dem Gebrauche des „Ordinären“ waren unleugbar viele und schwere
Gefahren verbunden. So leicht war das Gleichgewicht auf dem hohen
Rade gestört, daß ein Kiesel schon hinreichte, den Fahrenden kopfüber
über die Handstange hinweg von seinem Sitze weiter zu schleudern.
Anderer Unfälle mancher Art gar nicht zu denken. |
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Die
deshalb angeregten Bemühungen, eine sichere Form des Fahrrades herzustellen,
hatten endlich das Erscheinen des „Facile“ (Leichten oder Willigen)
zur Folge. Ihm folgte das „Extra ordinary“ (Besonders ordinäre). Gegen
Ende des Jahres 1879 erschien dann Lawsons „Safety“ (Sichere), von
dem hier eine Abbildung gegeben ist. Und wenn es auch nicht lange
anhielt und sich nicht lange behaupten konnte, so war diese Erfindung
unbestritten doch der Vater des später herausgekommenen Sicherheitsrades,
welches nun überall im Gebrauche steht; wenn es auch ganz anders ausgesehen
hat und die Kurbeln durch Hebel, und nicht durch eine Kette in Tätigkeit
gesetzt wurden. Aber das „Safety“ führte zur Herstellung von Stanleys
famosem „Rover“ (heißt eigentlich „Wanderer“, ist hier aber wohl mit
einer gewissen Art „Pfeil“ gemeint), wovon hier ebenfalls eine Abbildung
folgt. Bei einem auch nur |
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oberflächlichen Vergleiche dieser Maschine mit dem modernen „Sicherheitsrade“,
wie es hier abgebildet ist, findet man leicht heraus, daß sie schon
die wesentlichen Bestandteile desselben in sich schließt. Denn die
Räder an dem „Rover“ waren niedrig |
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und einander fast von gleicher Größe.
Und zum ersten Male wurde an ihm eine lange Kette gebraucht. Es
ist wahr, daß auch eine andere Zweiraderscheinung, der „Kangaroc“
(nach dem australischen Beuteltier Känguruh so genannt), schon eine
Doppelkettenverbindung hatte, die aber kurz und an das Vorderrad
angebracht war. In manchen Konstruktions-Einzelheiten unterscheidet
sich das moderne „Sicherheitsrad“ vom „Rover“ zwar beträchtlich,
aber das Prinzip des Triebwerkes ist doch ein und dasselbe, und
allem Anscheine nach bestimmt, auch dasselbe zu bleiben. Die allerneuesten
Formen von mit Zahnräderwerk versehenen Vorderrädern, solche wie
die „Crypto“ (Geheimen) und „Bantam“ (so wird eine kleine Hühnerart
genannt), hatten sich einen gewissen Grad von Beliebtheit selbst
nach der Vervollkommnung des Hinterrades erworben, was aber auch
wieder vorüberging.
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1906 - Anton. Daul: Die Erfindung und
Entwicklung des Fahrrades bis zum modernen Sicherheits-Rade |
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1906 - Anton Daul: Das erste kurbelgetriebene
Zweirad |
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1906 - Anton Daul: Der Knochendurchschüttler
und seine Nachfolger |
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1906 - Anton Daul: Das Tricycle oder
Dreirad |
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1906 - Anton Daul: Die moderne Maschine |
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1906 - Anton Daul: Das Fahrradbauen
als eine Wissenschaft |
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1906 - Anton Daul: Der wohltätige
Einfluß des Fahrradbaues auf andere Mechanismen |
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1906 - Anton Daul: Die ersten
Verbesserungen an dem jetzigen Fahrrade |
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1906 - Anton Daul: Der pneumatische
Radkranz |
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1906 - Anton Daul: Ein Hand-
und Fußrad |
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1906 - Anton Daul: Ein Fußfahrrad |
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1906 - Anton Daul: Fahrradantriebe
vor Erfindung der Kettentransmission |
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zitiert
nach: Anton Daul: Illustrierte Geschichte der Erfindung des Fahrrades
und der Entwicklung des Motorfahrradwesens. Dresden: Verlag von R.
Creutz 1906, S. 1-16 |
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SW: Verkehr,
Transport, Individualverkehr, Fahrrad, Alltag, Erfindung, Geschichte,
Unterricht, Bildung, Schule, Arbeitslehre, Sachunterricht, Technik,
Nahverkehr, Verkehrsgeschichte, Technikgeschichte, Medienerziehung,
Quelle, Dokument, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt |
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aktualisiert: 06.02.2006 |