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Über die Erfindung des Muskelkraftwagen
  1814 von Freiherr von Drais
  "Die neue Erfindung ist ein Wagen auf vier Rädern, der ohne Pferde läuft, zwey bis vier Personen fortbringt, keines aufzuziehenden Uhrwerks mit Zeitverlust und Gebrechlichkeit bedarf, sondern durch den leichten Druck des Fusses (oder, wenn man es dazu richten will, der Hand) eines insitzenden Menschen, vermöge des einfachen und desto dauerhaftern Maschinenwerks, vor- und rückwärts sich mit Pferdeschnelle treiben, seitwärts aber noch leichter als ein Gespann, wegen seiner mehrern Kürze, sich lenken und wenden lässt; der auch mässige Hügel im Hinauffahren bezwingt und im Hinabfahren von ihnen, angehalten werden kann.
  Zwar gab es schon frühere Versuche, um ein Gefährd durch Maschinerie vorwärts zu bewegen; aber diese war schwerfällig in Überwältigung der Friktion, complicirt, und daher noch nie für einen merklichen praktischen Gebrauch tauglich. Wenn der jetzige Erfinder eines andern Triebwerks einiges eigene Verdienst ansprechen darf: so möge es in der Nützlichkeit und Annehmlichkeit der Sache gegründet seyn.
  1. Wenn der Wagen nur gleich-schnell, als mit einem Pferde, läuft: so können mit ihm wohlfeilere, auch weite Reisen gemacht werden. Gesetzt, man kommt an steile Anhöhen, oder auf eine sonst zu schlimme Bahn: So nimmt man dort, wie es auch die Fuhrleute thun, ein Pferd zum Vorspann auf ein Stück Wegs - wo dann die Directionsstangen, die der Fahrende gewöhnlich in den Händen hat, nur vorgeschlagen zu werden brauchen, um als Deichsel-Gabel zu dienen.
  2. Neben der ungemeinen Ersparnis hängt man nicht von dem Mangel oder der Unpässlichkeit, vom Scheuwerden oder der Trägheit eines Pferdes, noch vom Unglück mit dem Thiere ab.
  3. Sollte es dem Erfinder, wie er zu hoffen Ursache hat, gelingen, die Maschine noch so zu verstärken, dass sie sogar geschwinder als ein angespanntes Pferd laufe: so wäre die Allgemeinheit des Gebrauchs nur noch mehr geborgen; aber es bedarf nicht einmal dieser höhern Aussicht, um die Sache schon sehr vorteilhaft zu nennen.
  4. Zu Spazierfahrten auf der Ebene, im Sommer, ist der Wagen vorzüglich geeignet. Wohlhabende Städter, die ihn in Gestalt eines eleganten Cabriolet ausmachen lassen, können z.B. eine oder zwey vorn sitzende Damen wie im Schlitten führen.
  5. Das erste, noch rohe Muster, das der Erfinder in der Geschwindigkeit gebaut hat, soll nur den Beweis der praktischen Ausführbarkeit seiner Hauptidee anschaulich für Jedermann machen.
  6. Nicht nur Lohnkutscher, sondern auch Posthalter, werden sich, neben ihren Pferden, einige solcher Wägen bald anschaffen.
  7. In Kriegszeiten, wo die Pferde und ihr Futter oft rar werden, mag ein kleiner Vorrath solcher Wägen bey jedem Corps, zumal für kürzere Versendungen und für Kranke, wichtig werden. Indessen ist hier der friedliche Gebrauch zum ersten Gesichtspunkt genommen.
  Wird der Erfinder in der Anwendung seines, ihm zur Zeit noch nothwendigen Geheimnisses - da dessen Abkauf sich nicht wohl berechnet - durch Monopol in grössern Reichen, für seine und für weniger Associés Lebenszeit in der Sache des wahrscheinlichen Gemeinwohls unterstützt seyn - alsdann will er seinen streng-mathematischen Beweis, warum der Wagen gut und dauerhaft gehen muss, der öffenthlichen Beurtheilung unterwerfen."

 

zitiert nach: Januar 1814: Muskelkraftwagen, beschrieben von Freiherr von Drais im "Badischen Magazin"

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  1814 - Freiherr von Drais: Über die Erfindung des Muskelkraftwagen
1813: Gutachter lehnen Patentantrag von Drais ab
1816: Die Laufmaschine von Freiherr von Drais
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aktualisiert: 06.02.2006
 
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