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1816:
Die Laufmaschine von Freiherr von Drais |
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1816
von Freiherr von Drais |
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In
einem Prospekt beschreibt Freiherr von Drais die Eigenschaften in
französischer Sprache. Eine zeitgenössische Übersetzung
dazu lautet: |
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"Beschaffenheit
und Eigenschaften.
Diese Erfindung ist aus dem einfachen Gedanken entstanden, einen auf
zwei Rädern befestigten Sitz mittels der Füsse fortzubewegen. |
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1.)
Berg auf geht die Maschine, auf guten Landstrassen, so schnell, als
ein Mensch in starkem Schritt. |
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2.)
Auf der Ebene, selbst sogleich nach einem starken Gewitterregen, wie
die Staffetten der Posten, in einer Stunde 2. |
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3.)
Auf der Ebene, bei trockenen Fusswegen, wie ein Pferd im Galopp, in
einer Stunde gegen 4. |
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4.)
Berg ab, schneller als ein Pferd in Carrière.
Beispiele davon in der Carlsruher Zeitung, No. 211., in der Allgemeinen
No. 204. und in vielen anderen Blättern. |
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Zur
Grundlage meiner Theorie bediente ich mich des sehr bekannten Mechanismus
des Rades und wendete dasselbe in einfachster Weise auf den Gang des
Menschen an. Mit Bezug auf die Kraftersparniss kann man also diese
Erfindung mit der (sehr alten) Erfindung der gewöhnlichen Wagen
vergleichen. Gerade wie das Pferd vermittelst eines gut gebauten Wagens
mit grösster Leichtigkeit sowohl des Wagens, als auch die darauf
befindliche Last ziehen kann, obwohl es die Ladung allein auf dem
Rücken nicht tragen könnte, so kam auch der Mensch mittels
des Velocipeds (dessen Gestell und Naben sehr leicht sind) seinen
Körper leichter befördern, als wenn das ganze Gewicht auf
den Füssen desselben ruht. Diese Tatsache ist umsomehr unbestreitbar,
als man mit dem Velociped, welches nur in einer Spur läuft, fast
immer die besseren Theile des Weges benutzen kann. Auf einem harten,
festen Weg gleicht die Geschwindigkeit des Velocipeds ungefähr
der eines geübten Schlittschuhläufers, wie denn beide Bewegungen
im Princip dieselben sind. |
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Das
Velociped läuft thatsächlich, während der Fahrer sich
kurze Zeit ausruht, mit derselben Geschwindigkeit, als wenn die Füsse
in der grössten Bewegung bleiben, und bergab schlägt es
die besten Pferde um eine bedeutende Strecke, ohne dass man dabei
häufigen Unglücksfällen ausgesetzt ist, weil man unabhängig
von der Bremse, welche sich durch die Bewegungen eines Fingers anwenden
lässt, stets in der Lage ist, seine Maschine mittelst der Füsse
anzuhalten. |
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Erklärung
der Theile des Velociped. |
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a)
Die Lenkstange,
b) das Gestell für die Räder,
c) Nieten,
d) Wappen des Erfinders,
e) Lehne,
f) Stützen,
g) Balancierbrett,
h) Sitz,
i) Gestell und Stütze zum Tragen eines Koffers,
j) die Räder,
k) die Naben,
l) die Bremsschnur. |
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Handhabung
des Velocipeds. |
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Nachdem
man sich über dasselbe, ähnlich wie auf dem nebenstehenden
Bilde gestellt hat, die Ellenbogen nach aussen und den Körper
etwas nach vorn gehalten, stütze man die Arme auf das Balancierbrett
und versuche das Gleichgewicht zu halten, indem man leise auf das
Brett nach der Seite drückt, auf welcher sich dasselbe zu heben
beginnt. Die leicht bewegliche Lenkstange wird mit beiden Händen
gehalten, und dient dazu, dem Velopciped die Richtung ganz nach Wunsch
angeben zu können, jedoch muss dies so geschehen, dass die Räder
soviel wie möglich in einer geraden Linie laufen. Das Lenken
ist nur mit den Händen auszuführen, weil die Arme bis zum
Ellenbogen nur das Gleichgewicht zu halten haben, während die
Hände die Richtung angeben. Man muss versuchen, sich ein richtiges
Gefühl für die Schwankungen des Velocipeds anzueignen. |
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Alsdann
stelle man die Füsse leicht auf den Boden, und mache in der Richtung
der nach vorn laufenden Räder grosse Schritte. Im Anfang mache
man langsame Schritte und achte darauf, die Hacken nicht zu sehr nach
innen zu nehmen, damit sie nicht in das Hinterrad gerathen. Um nach
und nach die sich entgegenstellenden Schwierigkeiten zu überwinden,
mache man die ersten Versuche auf einer glatten Strasse, oder noch
besser einem Platz von genügender Ausdehnung. Erst nachdem man
die vollkommene Fertigkeit im Halten des Gleichgewichts und im Lenken
des Velocipeds erreicht hat, darf man versuchen, die Bewegung der
Füsse zu vergrössern, und dieselben häufig in der Luft
zu halten (während die Maschine mit grosser Geschwindigkeit rollt),
um sich ausruhen zu können. |
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Bemerkungen. |
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Soweit
ich konnte habe ich alles vorgesehen, sowohl mit Rücksicht auf
Dauerhaftigkeit und Leichtigkeit, als auf Eleganz. |
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Was
Bequemlichkeit betrifft, so suche ich soviel wie möglich den
Wünschen der Amateure entgegen zu kommen. Auf Wunsch von Auftraggebern
lasse ich, abgesehen von dem einfachen Velociped, welches hierin beschrieben
wird, anfertigen: |
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a)
dieselbe Maschine, versehen mit einer Schrauben-Einrichtung, um den
Sitz um mehrere Zoll höher oder niedriger zu stellen, je nach
der Grösse der Personen, die sie benutzen; |
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b)
eine andere Maschine mit 2 hintereinander befindlichen Sitzen, und
mit derselben Schrauben-Einrichtung, wodurch zwei Personen, welche
das Gleichgewicht zu halten gut gelernt haben, im Stande sind, sich
abwechselnd auszuruhen; |
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c)
schliesslich 3-oder 4rädrige Velocipeden mit einem gewöhnlichen,
bequemen Sitz zwischen den Vorderrädern und einem anderen hinter
dem ersten und zwar so eingerichtet, dass ein Pferd vorgespannt werden
kann; obwohl diese letzte Gattung weder so bequem noch so praktisch
als die erste ist, so vereinigt sie sich in den dreifachen Vortheil,
dass man erstens beim Fahren auf öffentlichen Plätzen und
Promenaden Damen mitnehmen kann, wie bei Schlittenfahrten, dass man
in keiner Weise von dem Staub der Pferde belästigt wird, und
drittens, dass man unter freiem Himmel die schönste Aussicht
auf die ganze Umgebung geniessen kann. |
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Die
Ausschmückung und Ausstattung der Velocipeden als: Sonnen-oder
Regenschirm, eine Art Segel, um einen günstigen Wind auszunutzen,
Lampen, Vergoldung und andere beliebige Verzierung hängt von
dem Geschmack und den besonderen Wünschen eines jeden Amateurs
ab.
Ich hoffe, dass jeder Kunstfreund bereit sein wird, sich durch eine
unparteiische Untersuchung von der Wahrheit des Gesagten zu überzeugen
und sich mir anschliessen wird, um zum Wohle der Menschheit zu einem
praktischen Förderungsmittel zu gelangen. |
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zitiert
nach: Freiherr Charles von Drais
Forstmeister S.Kgl. H. des Grossherzogs von Baden,
Mitglied mehrerer literarischer Gesellschaften. |
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(Original
der zeitgenössischen Übersetzung im Generallandesarchiv
Karlsruhe) |
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1814 - Mathias Pereth: Spektakel
durch Muskelkraftwagen |
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1814 - Freiherr von Drais: Über
die Erfindung des Muskelkraftwagen |
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1813: Gutachter lehnen Patentantrag
von Drais ab |
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1816: Die Laufmaschine von Freiherr
von Drais |
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SW: Verkehr,
Transport, Individualverkehr, Fahrrad, Alltag, Erfindung, Geschichte,
Unterricht, Bildung, Schule, Arbeitslehre, Sachunterricht, Technik,
Nahverkehr, Verkehrsgeschichte, Technikgeschichte, Medienerziehung,
Quelle, Dokument, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt |
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aktualisiert: 06.02.2006 |
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