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Artikel

20.06.1948 | Berliner Zeitung

Berlin muß Konsequenzen ziehen

Weder eine Doppelwährung noch "Bärenmark" / Neuorientierung der Berliner Wirtschaft

Berlin (Eig. Ber.). "Es ist die Aufgabe des Magistrats von Groß-Berlin, die Interessen von 3,3 Millionen Berlinern zu schützen und alles zu tun, um die Einführung von zwei Währungen für Berlin zu verhindern. Der Anschluß an die Westwährung würde die Gefahr der großen Massenarbeitslosigkeit mit sich bringen. Auch die verschiedentlich propagierte Einführung einer Sonderwährung für Groß-Berlin, der sogenannten Bärenmark, ist eine Utopie und würde Berlin wirtschaftlich völlig isolieren. Nachdem die Westwährung geschaffen und eine Sonderwährung für Berlin unmöglich ist, gibt es für Berlin keine andere Aufgabe, als durch intensive Handelsbeziehungen mit der sowjetischen Besatzungszone eine Neuorientierung unserer Wirtschaft herbeizuführen. Alle Pläne, die westlichen Sektoren Berlins in die separate Westwährung einzubeziehen, würden auch die Zerreißung Berlins und die wirtschaftliche Katastrophe bedeuten. Berlin ist keine Insel, sondern geographisch mit der sowjetischen Besatzungszone umgeben und mit zahlreichen Fäden wirtschaftlich und kulturell mit dieser Zone verbunden. Die Maßnahmen des Magistrats haben diese Tatsache zu berücksichtigen."

Diese Erklärung wurde von den der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands angehörenden Mitgliedern des Berliner Magistrats in der gestrigen außerordentlichen Magistratssitzung abgegeben und am Abend in der ebenfalls außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung von Stadtrat Waldemar Schmidt verlesen, der unter Hinweis auf die separate Währungsreform im Westen bemerkte, "daß aus dieser ungewöhnlichen Situation auch gewisse politische Konsequenzen gezogen werden müssen." Mit dieser Erklärung distanzierten sich die SED-Mitglieder des Berliner Magistrats von der von Frau Oberbürgermeister Louise Schroeder dargelegten Stellungnahme der Magistratsmehrheit zur Währungsreform. Frau Schroeder hatte ihrem "tiefen Bedauern" Ausdruck gegeben, "daß eine gesamtdeutsche Währungsreform unter Einschluß von Berlin nicht zustande gekommen ist" und gleichzeitig von einer "in Kürze zu erwartenden Geldreform in Berlin" und vom "Inkrafttreten einer neuen Währungsreform" gesprochen. Sie schloß ihre umfangreichen Darlegungen mit der seltsamen Bemerkung, daß durch die westzonale Spaltungsreform "der politische Charakter Berlins als einer den vier Mächten unterstellten Stadt nicht beseitigt ist" und sprach sogar die Bitte aus, an "diesem Charakter der Stadt festzuhalten".

Gegen diese Formulierung hatte sich bereits in der Magistratssitzung Bürgermeister Dr. Acker entschieden gewandt und darauf hingewiesen, daß man nicht ohne weiteres darum bitten könne, den Viermächtestatus für Berlin aufrechtzuerhalten, nachdem die Viermächteabmachungen über Deutschland von den Westmächten gebrochen worden seien.

In der Stadtverordnetenversammlung wurde dieser Standpunkt von dem Stadtverordneten Maron namens der Fraktion der Sozialistischen Einheitspartei unterstützt.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Währung, Währungsreform, Geldumtausch, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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