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Artikel

24.06.1948 | Berliner Zeitung

Geldumtausch beginnt heute

Vorbereitungen getroffen / Kundgebungen für einheitliche Währung in Berlin und Ostzone

Berlin (Eig. Ber.). Heute Donnerstag beginnt der Umtausch der alten Geldscheine gegen neue in der Ostzone und in Groß-Berlin. Er erfolgt gegen Vorlage der Lebensmittelkarte vom Monat06.. Im sowjetischen Sektor Berlins werden Kassenstellen zum Umtausch geöffnet. Der Umtausch ist nicht an den zuständigen Wohnbezirk gebunden. Eine Bekanntgabe der Umtauschstellen steht unmittelbar bevor.

Der Vorsitzende der Deutschen Wirtschaftskommission, Heinrich Rau, erklärte am Mittwoch in einer Pressekonferenz, die Clay-Mark werde in Berlin nicht zugelassen werden. Sollte der Versuch gemacht werden, eine separate Währung in den Westsektoren einzuführen, so müßten diese Teile Berlins als Ausland mit allen sich daraus ergebenden Folgen betrachtet werden. Dies würde zweifellos einen unmöglichen Zustand für die Berliner Wirtschaft und die Berliner Bevölkerung herbeiführen. Die Einführung einer separaten Währung im Berliner Westen würde die DWK zu wirksamen Abwehrmaßnahmen veranlassen, die eine Versorgung der westlichen Betriebe Berlins aus Westdeutschland in Frage stellen würden. Betriebsstillegungen in diesen Teilen Berlins würden die unvermeidliche Folge sein.

Die Bemerkungen Raus bezogen sich auf die Anordnung der drei Militärkommandanten der Westmächte, in den westlichen Sektoren Berlins die D-Mark einzuführen. Ein entsprechender Befehl wurde am Mittwochfrüh erlassen. Ebenso ergingen Weisungen der drei westlichen Militärgouverneure an den amtierenden Berliner Oberbürgermeister, Frau Schroeder.

Die Mißstimmung und Erregung der arbeitenden Bevölkerung Berlins fanden ihren Ausdruck in Demonstrationen vor dem Berliner Stadthaus in der Parochialstraße, in dem für 16 Uhr eine Außerordentliche Stadtverordnetensitzung anberaumt war. Dem Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr wurden Proteste gegen die Einführung der Westmark in Berlin von über 50 Betrieben überreicht, darunter Daimler-Benz, Aschinger, Berliner Gaswerke, Städtischer Vieh- und Schlachthof usw. Verschiedene Resolutionen enthielten die Androhung eines Streiks, falls der Befehl Marschall Sokolowskijs nicht in ganz Berlin Anwendung finden sollte.

Im Stadthaus selbst war der Andrang der Demonstranten auf den Treppen und zur Tribüne so gewaltig, daß eine Kontrolle unmöglich war. Dr. Suhr erklärte, mit der Sitzung des Magistrats nicht eher beginnen zu wollen, bis das Haus geräumt sei. Auch dei Bemühungen Frau Schroeders, die Demonstranten zum Verlassen des Saales zu bewegen, blieben erfolglos.

Der erste Vorsitzende des FDGB, Roman Chwalek, der später zu den Demonstranten sprach und sie schließlich zum Verlassen des Sitzungssaales veranlaßte, machte die Mitteilung, es bestehe die Absicht, die Sitzung der Stadtverordneten vom Stadthaus nach dem Schöneberger Rathaus zu verlegen, um dort unter dem Schutz der "anderen Kräfte" zu tagen. Unter dem Gesang der Internationale verließen die Demonstranten den Saal.

In der um einige Stunden verspäteten Sitzung des Stadtparlaments erklärte die Oberbürgermeisterin, Frau Louise Schroeder, daß sie den Befehl Marschall Sokolowskijs, in ganz Berlin eine einheitliche Währung einzuführen, nicht durchzuführen gedenke. Der Magistrat wolle in Verhandlungen mit den vier Kommandanten Berlins eine Angleichung der Währung innerhalb der Stadt und mit den Verschiedenen Zonen suchen. In der Debatte führte der Stadtverordnete Maron (SED) aus, die Einführung einer separaten Währung für Berlin müsse zum wirtschaftlichen Chaos führen. "Wer diese separate Währung annimmt, verliert die Grundlage seiner Existenz", sagte Maron. Die außerordentliche Sitzung endete mit der Annahme eines Vertrauensantrags für den Magistrat, der von SPD, CDU und LDP eingebracht worden war.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Blockade, Teilung, Sektoren, Währung, Währungsreform, Geldumtausch, Militär, Beratung, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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