Flugzeuge
Hochbahn
Pferdefuhrwerke
Bautechnik
Fahrrad
Zurück | Drucken

Artikel

24.06.1948 | Berliner Zeitung

Berlin darf nicht gespalten werden

Westmächte wollen die Zweiteilung der Hauptstadt

Der Plan der drei westlichen Militärregierungen, sich der Durchführung einer einheitlichen, im Interesse der Wirtschaft und der gesamten Bevölkerung liegenden Währungsreform für Berlin und die Ostzone zu widersetzen, ist geeignet, große Gefahren und Schäden für unsere Wirtschaft und für alle Bewohner der Hauptstadt heraufzubeschwören. Größter Ernst, höchstes Verantwortungsbewußtsein und Entschlossenheit aller Berliner sind erforderlich, um diesen Gefahren zu begegnen und die Schwierigkeiten zu überwinden.

Es kann in Berlin nur eine Währung geben. Jeder Versuch, zwei getrennte und miteinander konkurrierende Währungen einzuführen, muß Chaos und Ruin bewirken. Auch die Schaffung einer Sonderwährung für Berlin ist eine Unmöglichkeit und von verheerenden wirtschaftlichen Folgen. Berlin ist mit den die Stadt rings umgebenden Ländern der sowjetischen Besatzungszone durch tausend Fäden verknüpft. Mit der Schaffung einer Sonderwährung für Berlin würden diese Fäden gewaltsam durchschnitten und die Zone würde für uns zum Devisenausland und umgekehrt. Die Einführung von zwei Währungen in Berlin aber trennt die Hauptstadt nicht nur von seiner natürlichen Umgebung, sondern spaltet darüber hinaus es selbst noch in zwei Teile.

Niemand, dem es um das Wohl der Bevölkerung und um die Einheit Berlins und darüber hinaus unserer ganzen deutschen Heimat ernst ist, kann eine solche Entwicklung fördern wollen. Diejenigen, die sich jetzt der Durchführung einer einheitlichen Währungsreform für Berlin und die Ostzone widersetzen, handeln daher unverantwortlich und verbrecherisch. Sie treiben ein übles und schändliches Spiel mit dem Leben und der Wirtschaft unserer Hauptstadt. Die Westmächte, die nicht davor zurückschreckten, mit der Durchführung der separaten Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands die Spaltung unserer Nation zu vollenden, sind jetzt auch dazu übergegangen, Berlin in zwei Teile zu zerreißen. Sie haben damit eine Situation heraufbeschworen, die für die gesamte Bevölkerung unerträglich ist.

Für alle Folgen, die sich aus dieser Situation ergeben, tragen daher die westlichen Besatzungsmächte die volle Verantwortung. Sie haben alle Bemühungen, für ganz Deutschland eine einheitliche Währungsreform zustande zubringen, zum Scheitern gebracht. Heute ist es für jedermann klar, daß sie dies getan haben, weil sie Deutschland spalten und im Westen einen völlig ihrer Gewalt ausgelieferten Separatstaat errichten wollten, um dieses Gebiet uneingeschränkt und ungehindert ausplündern zu können. Wie auf dem Territorium dieses separaten Weststaates jeder soziale Fortschritt unterdrückt wird, so sind die Bestrebungen der Westmächte auch darauf gerichtet, den auf der Basis sozial-fortschrittlicher Maßnahmen erfolgenden demokratischen Aufbau in der sowjetischen Besatzungszone zu stören und zu sabotieren. Aus diesem Grunde wollen sie die Bevölkerung Berlins, das in der sowjetischen Besatzungszone liegt, nicht zur Ruhe kommen lassen. Sie wollen Berlin nicht teilhaben lassen an einer gesunden wirtschaftlichen und politischen Entwicklung, zu der in der Ostzone alle Voraussetzungen geschaffen worden sind.

Ohne Zweifel wäre es den Westmächten nicht möglich, diese systematische Spaltungs- und Sabotagetätigkeit durchzuführen, wenn sie sich dabei nicht such auf deutsche Parteien und Politiker stützen könnten, die sich zu ihren willigen Hilfswerkzeugen erniedrigt haben. Diese Parteien und Politiker tragen für die Nöte und Schwierigkeiten, die sich aus der gegenwärtigen Lage in Berlin ergeben, eine nicht geringere Verantwortung als ihre ausländischen Auftraggeber. In der gestrigen außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung haben de Sprecher der drei Mehrheitsparteien kein einziges Wort der Verurteilung des schändlichen Anschlages gefunden, der durch den Versuch der Durchkreuzung der einheitlichen Währungsreform für Berlin und die Ostzone von den Westmächten verübt wird. Der Magistrat, statt mutig und entschlossen für die Einheit Berlins zu kämpfen, hat Anweisungen erteilt, deren Ausführung zur Zerreißung der Stadt führen müßten. Er hörte nicht auf die Stimmen der Berliner Werktätigen, die sich gestern im Stadthaus versammelten, sondern gehorchte den Aufträgen fremder Kräfte, denen das Wohl der Bevölkerung völlig gleichgültig ist und die nur ihre eigenen dem gesamtdeutschen Interesse diametral entgegengesetzten Interessen verfolgen.

Die Einwohner Berlins, von ihrem gewählten Magistrat im Stich gelassen, müssen jetz aus eigener Initiative den Weg finden, um die Zerreißung der Stadt durch die Einführung von zwei Währungssystemen zu verhindern. Für ganz Berlin und nicht nur für einige Sektoren kann es nur eine Währung geben, die keine andere sein kann als die Währung der sowjetischen Besatzungsmacht, in der Berlin liegt und ohne die es nicht leben kann. Wenn die westlichen Besatzungsbehörden den Umtausch des alten Geldes in ihren Sektoren gegen die neuen Scheine der sowjetischen Besatzungsmacht zu unterdrücken suchen, so wird es im sowjetischen Sektor der Stadt genügend Möglichkeiten geben , damit auch die Bevölkerung der Westsektoren den Umtausch hier vollziehen kann.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, Autor: A. B.
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Blockade, Teilung, Sektoren, Währung, Währungsreform, Geldumtausch, Militär, Beratung, Kommentar, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
Zurück | Drucken