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Artikel

25.06.1948 | Berliner Zeitung

Schwarzhändler völlig kopflos

Das große Rennen nach der neuen Währung

Die ersten beiden Tage des Geldumtauschs sind laut Befehl 111 zugleich die letzten beiden Tage des alten Geldes. Während dieser beiden Tage kann man sie für den zehnten Teil ihres Wertes noch als Zahlungsmittel benutzen. Will einer seine reformierte Währung schonen, so muß er, ohne gegen den Preisstopp zu verstoßen, für die "Berliner Zeitung" eine Reichsmark auf den Tisch des Zeitungshändlers legen.

Mein Freund Walter übergibt dem Zeitungshändler im britischen Sektor einen Zweimarkschein ohne Kupon und verlangt eine Zeitung für 15 Pfennig. "Kleingeld haben Sie nicht?" fragt der Händler. Walter kramt in der Hosentasche, zieht zwei Pfennige hervor, bedauert. Da zählt ihm der Händler brummend fünf Groschen vor und händigt ihm die gewünschte Zeitung aus. Warum rennt denn der Walter plötzlich so? Er gerät ja förmlich außer Atem. Ja, das ist eben eine währungsreförmliche Atemlosigkeit. Bei Walter ist nämlich der Groschen schneller gefallen als bei dem Zeitungshändler. Er fürchtet, dem Manne könne das Geschäft noch leid werden. Zwei unreformierte Reichsmark gelten soviel wie 20 Pfennig. Für diese 20 Pfennig hat er eine Zeitung für 15 Pfennig erstanden und außerdem noch 5 Groschen zurückerhalten. Nun gelten im britischen Sektor 5 Groschen aber nur 5 Pfennig, insofern liegt also weder ein Irrtum noch ein Betrug vor. Wenn aber der Zeitungshändler nicht nur Westzeitungen gelesen hätte, sondern auch Zeitungen des Ostsektors, dann wüßte er, daß Walter nur in den Ostsektor zu laufen braucht, um damit die fünf Groschen aufzuwerten, um aus dem Nennwert von 5 Pfennig wieder volle 50 Pfennig zu machen.

Mit diesen 50 Pfennig kann sich Walter, falls er sich beispielsweise auf den Alexanderplatz begibt, allerlei leisten. Denn dort sind Scheidemünzen im Augenblick hoch begehrt. Eine Ami-Zigarette kostete gestern noch 10 Groschen, heute braucht man nur noch 4 Groschen zu berappen. Eine deutsche Zigarette liegt mit 2 Groschen im Rennen, und für 5 Groschen gibt es schon einen Riegel Schokolade. Diese Wertschätzung hat der Groschen natürlich nicht seiner Hartgeldeigenschaft zu verdanken, sondern seiner Zugehörigkeit zur neuen Währung. An dem großen Rennen der Schwarzhändler nach der neuen Währung kann man deren Wert erkennen. Ein Brot kostet in der Ostwährung 1,50 Mark bis 2,50 Mark und ein Pfund Butter 8 Mark.

Es herrscht völlige Kopflosigkeit auf dem schwarzen Markt. Niemand kennt die genauen Kurse der einzelnen Schwarzmarktwaren. Alles ist in der Schwebe. Nur eines steht fest; die Preise sind niedrig.

"Ach, man findet sich selbst nicht mehr zurecht," stöhnte ein Silbermann und verkaufte 20 RM für eine reformierte Mark.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, Autor: Pc.
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Blockade, Teilung, Sektor, Währung, Währungsreform, Geldumtausch, Preis, Kosten, Zeitung, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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