Lastwagen
Hochbahn
Eisenbahn
Bautechnik
Fahrrad
Zurück | Drucken

Artikel

26.06.1948 | Berliner Zeitung

Westmächte kürzen Strom

Transportverbot der Briten führt zu schweren Schäden

Berlin (ADN/Eig. Ber.). Die Weigerung der britischen Besatzungsbehörden, Ruhrkohle nach Berlin zu transportieren, führt in den westlichen Sektoren Berlins zu Betriebsstillegungen und starken Unannehmlichkeiten der Bevölkerung. Auf Anordnung der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungsbehörden wurden für die Berliner Westsektoren mit sofortiger Wirkung erhebliche Einschränkungen für den Stromverbrauch eingeführt. Bis auf weiteres werden die Zuteilungen für Industriezwecke auf 25% herabgesetzt. Der Haushaltsverbrauch für Kochzwecke wird um 25% und für Beleuchtungszwecke um 50% der gegenwärtigen Kontingente gekürzt. Beim U- und Straßenbahnverkehr erfolgt eine 50%ige Einschränkung der Stromzuteilung.

Die Industrie im amerikanischen Sektor kommt zum größten Teil zum Erliegen. Viele größere Werke und auch Kleinbetriebe sind geschlossen. Die Telefunken-Werke in Lichterfelde haben ihre Arbeiter mit der Begründung "Strommangel" auf unbestimmte Zeit nach Hause geschickt. Die Blaupunkt-Werke in Friedenau haben ihre Fertigung ebenfalls vorübergehend eingestellt. Die in Zehlendorf gelegene größte Spinnstoffabrik Berlins, im Volksmund "Spinne" genannt, wurde geschlossen. Den Arbeitern wurde gesagt, "tauscht erst euer Geld ein, dann werden wir schon weitersehen".

Die im Zusammenhang mit der Einführung der "Clay-Mark" in den Berliner Westsektoren aufgetretenen unhaltbaren Zustände haben dazu geführt, daß der französische Sektor Berlins in vieler Beziehung fast lahmgelegt wurde. Großbetriebe, wie das AEG-Werk in der Osloer Straße, haben geschlossen, während das Osram-Werk B heute die Arbeit einstellen wird. Die zahlreichen im Maschinenbetrieb arbeitenden Klein- und Mittelbetriebe dieses Sektors haben, da die Besitzer mit einer längeren Arbeitsruhe rechnen, die Betriebsferien vorverlegt oder die Arbeiter nach Hause geschickt.

Aus Kreisen der Wirtschaftskommission wurde zur Unterbindung der Zufuhr aus Westdeutschland nach der Ostzone erklärt, diese Zufuhr sei bisher so gering gewesen, daß ihr Ausbleiben die Wirtschaft der Ostzone nicht zu spüren vermöge, wohl aber empfindliche Störungen im wirtschaftlichen Leben der Berliner Westsektoren hervorrufen werde.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Blockade, Sektor, Teilung, Versorgung, Alliierte, Folge, Energie, Kohle, Strom, Stromausfall, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Güter, U-Bahn, S-Bahn, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
Zurück | Drucken