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27.06.1948 | Berliner Zeitung

Abzug in Erwägung gezogen

Bidault zu Verhandlungen über Berlin mit Moskau bereit / Ungewißheit in London

Berlin (AP). Der französische Außenminister Bidault erklärte vor dem Außenpolitischen Ausschuß der Nationalversammlung, Frankreich sei bereit, mit der Sowjetunion auf dem Verhandlungswege eine Lösung der Berliner Krise anzustreben, wie am Sonnabend verlautete.

Diplomatische Beobachter in Paris erklärten, ihrer Ansicht nach würden die westlichen Alliierten nur noch eine begrenzte Zeit in Berlin bleiben, weil "sie wegen Berlin keinen Krieg auf sich zu nehmen wünschten".

London (ADN/DPD/AP). Nach der britischen Kabinettssitzung am Freitag wurde von unterrichteter Seite gesagt, die Attlee-Regierung sei sich darüber klargeworden, daß sie entweder mit der Sowjetunion über die weitere Besetzung Berlins zu einem Kompromiß kommen oder die Stadt räumen müsse. Man wisse nicht, ob und wie die Berliner Bevölkerung in ihren Sektoren versorgt werden könne. Weiter wurde erklärt, daß die Berliner Krise nicht zu trennen sei von der Warschauer Konferenz. Mit dieser Konferenz und ihrem Kommunique, das Viermächtebesprechungen fordert, sei den Sowjets ein "diplomatischer und propagandistischer Sieg" gelungen.

Die Wirkung der Mitteilungen über die Kabinettssitzung in der Weltöffentlichkeit, insbesondere in Berlin, führte dazu, daß das Foreign Office sich am Sonnabend zu einer Erklärung veranlaßt sah, in der es seine Kommentare vom Vortage großenteils zurücknahm. Es bestritt, daß die britische Regierung schon Mittel und Wege in Erwägung ziehe, um sich aus Berlin zurückzuziehen. Derartige Behauptungen seien "von der wirklichen Haltung der britischen Regierung entfernt". Wie diese "Haltung" aussieht, wurde jedoch nicht gesagt, sondern darauf verwiesen, daß man mit Paris und Washington in ständiger Fühlung stehe. Inzwischen hat Frankreich schon seine Verhandlungsbereitschaft zu erkennen gegeben.

Washington (DPD). Zur Lage in Berlin wurde in Regierungskreisen erklärt, daß alle nur möglichen Schritte unternommen würden, um die Stellung der westlichen Alliierten in Berlin zu halten. Es sei aber nicht sicher, bis zu welchen Grade es möglich sein werde, vor allem wegen der Versorgungsfrage. Eine " gewisse Ernüchterung" habe unter den Anhängern eines unbedingten Verbleibens in Berlin die nachträgliche Abschwächung einer Äußerung Generals Clay hervorgerufen, daß nur ein Krieg die Alliierten aus Berlin vertreiben könne. Clay habe hinzugefügt, so wurde hinterher gesagt: "Wenn die USA-Regierung nicht das Wohlergehen des deutschen Volkes ins Auge fassen müßte."

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, Autor: Seite 1
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Alliierte, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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