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Artikel

01.07.1948 | Die Neue Zeitung

Nur noch Luftbrücke nach Berlin offen

Marshall und Bevin bleiben fest

München (NZ). - Zur Lage in Berlin wurden am 30. Juni wichtige Erklärungen des amerikanischen Außenministers George C. Marshall und des britischen Außenministers Ernest L. Bevin bekanntgegeben. Außenminister Marshall erklärte: "Wir befinden uns in Berlin als Ergebnis von Übereinkommen zwischen den Regierungen über die Besetzungszonen in Deutschland, und wir beabsichtigen, in Berlin zu bleiben. Der Sowjetversuch, die deutsche Zivilbevölkerung Berlins zu blockieren, wirft grundlegende Fragen von ernster Bedeutung auf, mit denen wir uns prompt zu beschäftigen gedenken. Inzwischen wird der Maximalgebrauch von Lufttransporten gemacht werden, um die Zivilbevölkerung zu versorgen. Nach einem Studium der Lage wurde festgestellt, daß die Tonnage an Lebensmitteln und anderen Gütern, die auf dem Luftwege befördert werden kann, größer ist, als zuerst angenommen worden war." Außenminister Bevin erklärte im britischen Unterhaus, die Westmächte handeln nunmehr in Deutschland als "Partner" und seien nicht gewillt, sich einer sowjetischen Diktatur zu beugen. Wörtlich hieß es in der Erklärung weiter: "Wir haben nicht die Absicht, die Fassade einer Vier-Mächte-Verwaltung aufrechtzuerhalten, denn ein weiteres Zusammengehen mit dem Sowjets würde tatsächlich bedeuten, daß nur eine Macht die Kontrolle ausübt." Diese Tatsache sei die fundamentale Schwierigkeit, der sich die Westmächte gegenübersähen.

Der britische Außenminister machte das Unterhaus in feierlichem Ton darauf aufmerksam, daß die Entscheidung der westlichen Alliierten, in Berlin zu bleiben, "eine ernsthafte Situation herbeiführen könne". "Sollte sich eine solche Lage ergeben", so betonte Bevin, "dann werden wir das Haus auffordern müssen, ihr ins Auge zu sehen. Andernfalls würde es für die Regierung seiner Majestät und die westlichen Alliierten nur noch die Möglichkeit der Kapitulation geben und keiner von ihnen kann sich zu einer Kapitulation bereit finden."

Nach Meldungen aus Washington und London stehen die Außenminister der Westmächte in dauernder Fühlung, um wirksame Maßnahmen zur Behebung der Berliner Krise zu beraten. Das amerikanische Außenministerium hat am 29. Juli erklärt, es halte den Zeitpunkt nicht für gekommen, um die Berliner Frage den Vereinten Nationen vorzulegen. Großbritannien und Frankreich haben sich diesem Standpunkt angeschlossen.

Nach ein AP-Meldung aus Washington vom 29. Juni rechnet man dort mit einem baldigen diplomatischen Schritt der Vereinigten Staaten, durch den Sowjetrußland zu einer Änderung seiner Haltung aufgefordert werden solle. Der britische Außenminister Ernest L. Bevin hat, wie aus London am 30. Juni verlautet, die Dominien aufgefordert, alle entbehrlichen Transportflugzeuge zur Versorgung der Berliner Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.

Berlin zunächst nicht vor UN

Kolumbien hat, wie AP aus Lake Success meldet, am 29. Juni den Sicherheitsrat der UN aufgefordert, Maßnahmen zur Beendigung der Berliner Krise zu ergreifen. Dieser Antrag erfolgte als Antwort auf die Anfrage des Generalsekretärs der UN, Trygve Lie, wie sich die im Sicherheitsrat vertretenden Mächte zu einer Beratung der Berliner Lage stellen würden. Die Vereinigten Staaten haben mitgeteilt, daß sie zunächst Verhandlungen auf direktem Wege vorziehen, "sie schätzen jedoch die Rolle, die die UN bei einer Verschlechterung der Berliner Situation spielen könnten, hoch ein. Allgemein wird damit gerechnet, daß Sowjetrußland sich jedem Versuch widersetzen würde, die Berliner Krise vor dem Sicherheitsrat zu behandeln.

Der dänische Außenminister, Gustav Rasmussen, bestätigte, einer AP-Meldung aus Kopenhagen zufolge, am 29. Juni, daß die Berliner Stadtverordnetenversammlung die dänische Regierung um Vermittlung in der gegenwärtigen Lage gebeten habe. Eine Entscheidung der dänischen Regierung sei noch nicht erfolgt. Gerüchte, daß der britische Militärgouverneur in Deutschland, General Robertson, anläßlich eines privaten Aufenthaltes in Kopenhagen am 28. Juni einen dänischen Vermittlungsschritt in der Berliner Frage bei den Vereinten Nationen angeregt habe, wurden von London dementiert.

Pariser Meinung geteilt

Ein Sprecher des britischen Außenministeriums bestätigte am 28. Juni, daß der britische Botschafter in Moskau, Sir Maurice Peterson, in kurzem nach London kommen werde. Bisher unbestätigte Agenturmeldungen behaupten, daß er durch den bisherigen Generalgouverneur von Indien, Earl Mountbatten, ersetzt werden solle.

In französischen Regierungskreisen ist, wie UP aus Paris meldet, die Meinung über die weitere Haltung der Westmächte geteilt. Während die überwiegende Mehrheit der Regierungsparteien für volle Solidarität der Westmächte in der Berliner Frage eintrete, warne ein Teil der Radikalsozialisten zusammen mit den Kommunisten vor der Gefahr, daß Frankreich durch solche Politik in einen neuen Krieg verwickelt werden könne.

Die Bevölkerung der Sowjetunion werde, wie UP aus Moskau meldet, durch die sowjetische Presse über die politische Spannung in Berlin völlig unzureichend unterrichtet. Es werde lediglich behauptet, daß die Deutschlandpolitik der Westmächte zu einem Wiedererstarken der militärischen Macht Deutschlands führe.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung, Autor: Seite 1
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Teilung, Sektoren, Blockade, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Lebensmittel, Berlin, Hessen, Frankfurt, Logistik, Verkehrswerkstatt, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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