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Artikel

04.07.1948 | Die Neue Zeitung

Vierer-Treffen blieb ergebnislos

Sokolowski gab keine Zusicherung an Westgouverneure

Berlin (NZ). - Ein offizieller Sprecher der amerikanischen Militärregierung gab am Abend des 3. Juli bekannt, daß der sowjetische Militärgouverneur, Marschall Wassilij Sokolowski, in einer Unterredung mit den drei westlichen Militärgouverneuren sich geweigert hätte, irgendwelche Zusicherungen über die Wiederaufnahme des normalen Verkehrs zwischen Berlin und den Westzonen zu machen. Die westlichen Militärgouverneure erklärten Marschall Sokolowski gegenüber, daß die Blockade Berlins eine ernste Situation schaffe. Sie forderten von ihm die Zusicherung, daß die Grenzsperren behoben werden und verlangten gleichzeitig, daß die Wiederaufnahme des normalen Verkehrs sehr bald erfolge. Infolge der Ablehnung Sokolowskis, so erklärte der Sprecher der US-Militärregierung, bliebe aber die Lage unverändert. General Lucius D. Clay erklärte, daß die Luftbrücke zwischen Berlin und den Westzonen aufrechterhalten und verstärkt werden würde. Er erinnerte dabei daran, daß während des Krieges die Vereinigten Staaten die Luftverbindung zwischen Indien und China mehr als ein Jahr lang sicherten.

Die Unterredung zwischen den vier Oberbefehlshabern wurde am Morgen des 3. Juli von den Generalen Clay, Sir Brian Robertson und Roger J. Noiret beantragt und fand um 17 Uhr des gleichen Tages in Sokolowski's Villa in Babelsberg, außerhalb Berlins, statt. Anwesend waren die Militärgouverneure, ein sowjetischer Offizier, zwei westliche und zwei sowjetische Dolmetscher. Nach der Ablehnung Sokolowskis, irgendwelche Zusagen bezüglich der Aufhebung der Blockade Berlins zu geben, wurde die Sitzung um 17.30 Uhr beendet. Wie der amerikanische Sprecher erklärte, war die Atmosphäre bei der Zusammenkunft "höflich, korrekt und nicht unfreundlich".

Wie weiter bekannt wurde, hatten die westlichen Militärregierungen die Besprechung anberaumt im Einverständnis mit - aber nicht auf Befehl oder auf Anweisung - ihrer Regierung. Am Abend des 3. Juli erstatteten alle drei ausführlich Bericht an ihre Regierungen.

Der Unterredung zwischen den vier Militärgouverneuren ging eine schriftliche Aufforderung General Robertsons voraus, den Landverkehr zwischen den Westzonen und Berlin die sowjetische Zonengrenze wieder passieren zu lassen. Nach Abschluß der Reform könne die Währung der Ostzone nach seiner Auffassung durch den Verkehr auf der Autobahn von Helmstedt nach Berlin nicht mehr gefährdet werden. Im Zusammenhang mit der Versorgung Berlins wird nun erwogen, Kohle aus großen Transportflugzeugen über Berlin abzuwerfen, um die Stromversorgung im größeren Umfange wieder aufnehmen und die Wasserversorgung endgültig sicherstellen zu können. Das Olympiastadion soll als einer der Plätze benutzt werden, über dem britische und amerikanische Flugzeuge Kohle tonnenweise abwerfen werden. Laut BBC soll das "Kohlenbombardement" den ganzen Tag andauern. In der Nacht soll dann die Kohle von den durch Scheinwerfer erleuchteten Depots abtransportiert werden.

Die Krise in der alliierten Zusammenarbeit bei der Verwaltung Berlins ist durch die einseitige sowjetische Erklärung, daß die Sowjets die Alliierte Kommandantur als nicht mehr existent betrachten, erneut verschärft worden. Die Westmächte wiesen darauf hin, daß die Alliierte Kommandantur durch einen Vier-Mächte-Beschluß konstituiert worden sei und daher durch die einseitige Stellungnahme einer Besatzungsmacht nicht aufgelöst werden könne.

Trotz dieser verwaltungstechnischen und materiellen Schwierigkeiten scheinen für die Berliner Bevölkerung, wie unser Korrespondent meldet, die ersten ruhigeren Stunden seit dem 20. Juni bevorzustehen. Da nach allgemeiner Auffassung die Spannung zwischen den Sowjets und den Westmächten nur noch auf internationaler Ebene gelockert werden kann, haben Magistrat, Parteien und Bevölkerung zum erstenmal seit Ausbruch der Berliner Krise ihre Arbeit am Wochenende für 36 Stunden unterbrochen. Die Berliner haben nun Muße, sich darüber zu amüsieren, daß die SED-Presse die angloamerikanischen Versorgungsflugzeuge "Rosinenbrummer" nennt. Die Bevölkerung wird von der SED weiter darauf aufmerksam gemacht, daß die Kupons, die als Zeichen der Ostwährung auf die alten Reichsmarkscheine geklebt wurden, "die Neigung zeigen, sich abzulösen". Bei einiger Aufmerksamkeit und "vorsichtiger Behandlung" könne jedoch jeder Verlust dieser "unersetzlichen Marken" vermieden werden. Die SED fügte allerdings nicht hinzu, daß die Kupons nach wie vor auf dem Schwarzen Markt in beliebigen Mengen zu haben sind.

München (NZ). - Die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder haben, um ihre Verbundenheit mit Berlin zu betonen, die amtierende Oberbürgermeisterin, Louise Schröder, zu ihrer für den 8. und 9. Juli anberaumten Konferenz eingeladen, in der sie die Vorschläge der Militärgouverneure über westdeutsche Verfassung, Besatzungsstatut und Ländergrenzen diskutieren werden. Die Einladung geht davon aus, daß, wie der hessische Ministerpräsident Christian Stock erklärte, Berlin die einzige demokratische Oase außerhalb der Westzonen sei. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold, meinte: "Wir streben zu einem ungeteilten Deutschland. Außer den Westzonen ist im Osten Deutschlands Berlin der einzige Bezirk, der heute in der Lage ist, Abgeordnete zu Beratungen über den Neubau eines deutschen Staates zu entsenden." Die Einladung solle weiterhin den Respekt zum Ausdruck bringen, den Westdeutschland der Bevölkerung von Berlin für ihren entschlossenen Kampf um die Freiheit und die Menschenrechte entgegenbringe.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Währung, Währungsreform, Flugzeug, Kohle, Geldumtausch, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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