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Artikel

04.07.1948 | Die Neue Zeitung

Westmächte werden protestieren

Dreier Note an UdSSR gegen Blockade Berlins wird erwartet

München (NZ). - Übereinstimmende Meldungen aus Washington, London und Paris lassen erkennen, daß in kurzem ein gemeinsamer Protest der Westmächte in Moskau gegen die sowjetische Blockade Berlins zu erwarten ist. Nach Mitteilung Pariser diplomatischer Kreise dränge, wie Dena/INS berichtet, die Sowjetunion auf baldige Zusammenkunft des Außenministerrates der vier Großmächte, um das Deutschlandproblem zu erörtern. Die Westmächte bestünden aber darauf, daß vorher die Berliner Frage geregelt werde.

Das britische Unterhaus hat sich mit Ausnahme der Kommunisten geschlossen hinter die Erklärung des Außenministers Ernest L. Bevin vom 30. Juni gestellt. Die dänische Regierung hat am 2. Juli das Ersuchen des Berliner Magistrates vom 28. Juni abgelehnt, in der Berliner Krise bei den Vereinten Nationen zu intervenieren.

Laut Mitteilung des Staatssekretärs für das Heer im amerikanischen Verteidigungsministerium, General William H. Draper, auf einer Pressekonferenz soll Berlin im Rahmen des Europäischen Wiederaufbau-Programms (ERP) wirtschaftliche Hilfe erhalten. Im einzelnen liegen folgende Meldungen vor:

Das amerikanische Kabinett unter Vorsitz von Präsident Harry S. Truman hat am 2, Juli. Reuter zufolge, die Lage in Berlin erörtert und einen eingehenden Bericht des Außenministers George C. Marshall über die letzte Entwicklung entgegengenommen. Anschließend gab Marshall auf einer Pressekonferenz bekannt, die Blockade Berlins durch die Sowjets sei vom Außenministerium mit den Führern des Kongresses beraten worden. Die Washingtoner Regierung stehe in ständiger Fühlungnahme mit der britischen und französischen Regierung, um geeignete Gegenmaßnahmen zu beschließen. Im übrigen seien diplomatische Besprechungen mit den Partnern des Brüsseler Fünf-Mächte-Paktes (Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg) im Gange, um ein Anfangsdatum für die Erörterung einer etwaigen amerikanischen Teilnahme an einem westeuropäischen Verteidigungsbündnis festzusetzen.

Die britische Regierung gab, laut Dena/INS, am 2. Juli bekannt, daß die Westmächte übereingekommen seien, infolge der verschlechterten Lage in Berlin direkte Fühlung mit der Moskauer Regierung aufzunehmen. UP zufolge beabsichtige man, eine Protestnote abzusenden, über deren Formulierung zur Zeit beraten werde. Die gemeinsamen Notmaßnahmen der Westmächte für die Versorgung Berlins werden nach einer Reutermeldung aus London jetzt von einem ständigen "Ausschuß für die Lage in Berlin" koordiniert, dem der amerikanische Botschafter in London, Lewis Douglas, der französische Botschafter René Massigli sowie der britische Unterstaatssekretär Sir William Strang angehören. Die der britischen Regierung gehörige Luftverkehrsgesellschaft "British European Airways" hat am 1. Juli ihre Flugzeuge für die Versorgung der Berliner Westsektoren zur Verfügung gestellt. Vom 5. Juli ab werden sie täglich über Hamburg nach Berlin fliegen.

Die niederländische Regierung hat, wie BBC meldet, in London mitgeteilt, sie sei bereit, für die Westsektoren Berlins Schokolade, Zucker, Butter, Käse und Eier zur Verfügung zu stellen. In dem Angebot heißt es, daß diese Lebensmittel in Holland selbst knapp seien und daß ihre Lieferung ein Opfer für die niederländische Bevölkerung bedeute.

Nach einem Bericht des Pariser Korrespondenten der "Neuen Zeitung", Francois Gérard, gab der Staatssekretär für die deutschen Angelegenheiten im französischen Kabinett, Pierre Schneiter, am 2. Juli vor der britisch-amerikanischen Presse in Paris der Hoffnung Ausdruck, daß die Berliner Krise nicht zu einem offenen Konflikt führen werde. Das sei auch aus wirtschaftlichen Gründen notwendig, denn die Alliierten könnten zwar ihre Berliner Sektoren mit Lebensmitteln auf dem Luftwege versorgen, nicht aber mit Wirtschaftsgütern.

Die sowjetrussische Presse hat am 2. Juli über den Abzug der Sowjets aus der alliierten Kommandantur in Berlin nichts berichtet und auch nicht erwähnt, daß die Vier-Mächte-Kontrolle der Stadt ein Ende gefunden hat.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Alliierte, Luftbrücke, Protest, Aufbau, Hilfe, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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