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Artikel

20.06.1948 | Die Neue Zeitung

Berlin ist enttäuscht

Altes Geld bleibt Zahlungsmittel

Berlin (NZ). - Während man in den Ostsektoren Berlins die "separate Währungsreform in Westdeutschland" scharf angreift, ist die Bevölkerung im allgemeinen darüber enttäuscht, daß keine Vier-Mächte-Einigung in dieser für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt entscheidenden Frage zustande gekommen ist.

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung ist am 19. Juni zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten, um eine Erklärung des Magistrats über die Situation Berlins entgegenzunehmen. Die amtierende Oberbürgermeisterin, Frau Louise Schröder, erklärte, daß "bis zu einer für Berlin maßgebenden Währungsreform selbstverständlich wie bisher die Reichsbanknote und die Marknote der Alliierten Militärregierung alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel bleibt".

Wenn es auch zu bedauern sei, daß eine gesamtdeutsche Währungsreform nicht zustande gekommen ist, so "möchte ich doch betonen" erklärte die Berliner Oberbürgermeisterin abschließend, "daß dadurch der politische Charakter Berlins als einer den vier Mächten unterstellten Stadt nicht beseitigt ist. Wir bitten dringend, an diesem Charakter der Stadt festzuhalten und die Stadtverwaltung nicht in eine so außerordentlich schwierige Lage zu bringen." Die Fraktionen der SPD, CDU und LPD erklärten sich gegen die Stimmen der SED mit der Stellungnahme des amtierenden Oberbürgermeisters einverstanden.

Gleichzeitig nahmen sie gegen die Stimmen der SED einen von ihnen gemeinsam eingebrachten Beschluß an, indem es heißt, "die Stadtverordnetenversammlung stellt fest, daß Berlin einer Vier-Mächte-Verwaltung untersteht. Sie lehnt deshalb mit Entschiedenheit eine einseitige und schematische Eingliederung des Berliner Gebietes in die Währungsreform einer einzelnen Zone ab."

Die nicht-kommunistischen Parteien werden zusammen mit dem Magistrat alles tun, um "an der Aufrechterhaltung des Vier-Mächte-Statuts mitzuwirken."

Das Blatt der Berliner Regierungspartei (SPD) "Sozialdemokrat" schrieb in seinem Leitartikel am 19. Juni: "Wir weigern uns zu glauben, daß der Weg zu einer nachträglichen Einigung aller vier Besatzungsmächte endgültig verschüttet ist." Die westlichen Alliierten könnten mit dem gleichen Recht, mit dem Marschall Sokolowski die sowjetische Währungshoheit in Berlin beanspruche, das gleiche Recht zumindest für die Westsektoren der Stadt in Anspruch nehmen. Es müsse erwartet werden, daß die britische und amerikanische Militärregierung aus ihrer politischen Stellung in Berlin auch die währungspolitischen Konsequenzen ziehen werden. Die unabhängige Zeitung der Berliner CDU-Opposition "Der Tag" meint, daß mit der westdeutschen Währungsreform eine Entscheidung gefallen sei, die so notwendig sie auch scheinen möge, keinen Deutschen erfreuen könne. Jenseits der Zonengrenze sei nun Devisenausland. Ein Übel sei durch ein anderes abgelöst worden. Der erste Akt der Währungsspaltung sei die einseitige und totale Sperre der Bank- und Sparkassenkonten in der Ostzone nach dem sowjetischen Einmarsch gewesen.

Der stellvertretende sowjetische Kommandant von Berlin, Oberst Alexander Jelisarow, hat die Einladung des französischen Kommandanten, General Ganeval, zu einer Sitzung der vier Kommandanten am 19. Juni, auf der die Währungsreform in den Westzonen Deutschlands debattiert werden sollte, abgelehnt. "Sie können sich vorstellen, Herr General", so schrieb Jelisarow an Ganeval, "wie sehr ich bedaure, daß ich - aus Ihnen bekannten Gründen in Anspruch gekommen - der Möglichkeit beraubt bin, Ihre liebenswürdige Einladung anzunehmen." Die Meinung der sowjetischen Kommandantur über die Währungsreform sei bekannt. Die Sowjets sehen darin eine Aktion, die die Potsdamer Beschlüsse und das Abkommen über den Kontrollmechanismus verletze.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Lebensmittel, Personen, Flughafen, Eisenbahn, Militär, Zonengrenze, Grenze, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Abgeordnetenversammlung
Aktualisiert am: 06.02.2006
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