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Artikel

02.07.1948 | Südkurier

Sokolowski begrüßt Luftversorgung Berlins

Berlin. Zum ersten Male seit dem 24. Juni traf Mitte der Woche wieder ein Postzug, der Berlin mit Zustimmung der sowjetischen Behörden verlassen hatte, über die Strecke Stendal-Oebisfelde in der britischen Zone ein. In einem Schreiben, das Marschall Sokolowski an General Robertson richtete, heißt es, daß der Befehl zur Schließung der Grenzen, der im Zusammenhang mit der Währungsreform gegeben wurde, bereits wieder zurückgezogen worden ist. Der Marschall äußerte dann sein Bedauern, daß er den Kraftwagen-Verkehr auf der Autobahn Berlin-Helmstedt noch nicht wieder genehmigen könne. Die Unterbrechung der Strecke Berlin-Helmstedt sei auf technische Schwierigkeiten zurückzuführen und sowjetische Eisenbahntruppen seien bemüht, die Strecke sobald wie möglich wieder befahrbar zu machen. Marschall Sokolowski gab sodann seiner Genugtuung Ausdruck, daß zur Versorgung der Stadt eine Luftverkehrsverbindung eingerichtet wurde. Er fügt hinzu, die Berliner Vorräte seien für einige Wochen ausreichend und man hoffe, daß bis dahin die Eisenbahnverbindung wieder hergestellt werden könnte. Diese, in einem höflichen Ton abgefaßte Antwort Sokolowskis auf einen Brief Robertsons läßt darauf schließen, daß sich die Lage in der Viermächtestadt langsam wieder entspannt.

Die Lufttransporte sind inzwischen weiterhin in steigendem Maße im Gange. West-Berlin braucht täglich nach amerikanischen Schätzungen an die 2000 t Lebensmittel. Von den 100 amerikanischen Flugzeugen, die anfangs der Woche eingesetzt waren, wurden 100 t herangeführt. Der Kommandant des britischen Sektors, General Herber, kündigte an, daß von Mitte der Woche an 500 Maschinen eingesetzt sein werden.

Berlin hat zum Ankauf von Lebensmitteln einen Kredit von 57 Millionen DM gewährt bekommen, der von den Ländern der Westzone aufgebracht werden muß. Als Gegenleistung für die Lieferungen aus dem Westen sollen die amerikanischen Versorgungsflugzeuge auf dem Rückfluge Erzeugnisse der Berliner Industrie nach den Westzonen bringen. Im Laufe der Woche sind von New York aus 35 viermotorige Transportflugzeuge aufgestiegen, die vorher in Alaska, auf Hawaii und den karibischen Inseln stationiert gewesen waren.

In London wird die gewisse Entspannung der Lage in Berlin begrüßt, man ist jedoch der Ansicht, daß die Russen ihre auf lange Sicht eingestellte Politik, durch dauernden Druck die Westmächte aus Berlin zu vertreiben, nicht fallen lassen werden.

Der Präsident der Eisenbahndirektion von Berlin, Kreikemeyer, dementierte die Meldung von einem Angriff auf seine Person. Er erklärte, es sei wohl ein Attentat auf ihn geplant gewesen, dieses sei jedoch gescheitert. Der amerikanische Rundfunk, der die Nachricht brachte, habe dies nicht beizeiten erfahren.

"Niemandsland des Völkerrechts"

In der französischen Presse spricht man im Zusammenhang mit dem Fall Berlin von einem Danzig ohne Korridor. "Le Monde" schreibt, es erhebe sich die Frage für die Westmächte, welche Interessen die ungeheuren Anstrengungen rechtfertigen könnten, die der Versuch, die ungünstige Stellung in Berlin zu halten, kosten. Das Blatt stellt die Frage, ob es nicht das einzig richtige sei, diese Ruinenstadt, die man ohnehin eines Tages verlassen müßte, heute gegen tatsächliche Entschädigungen aufzugeben, und ob ein dem General König zugeschriebener Vorschlag einer Berichtigung der interzonalen Grenze um den Preis der Aufgabe Berlins nicht vernünftiger sei, als die Halsstarrigkeit des Generals Clay. Die "Epoque" schreibt im gleichen Zusammenhang, die Abmachungen von Yalta, Teheran und Potsdam, die bisher wenigstens theoretisch die Deutschland-Politik der Siegermächte bestimmt hätten, seien nun ebenso entwertet, wie die Reichsmark, um die sich Ost und West stritten. Deutschland werde nun zum Niemandsland des Völkerrechtes.

Alliierte Kommandantur aufgelöst

Auf einer Sitzung der alliierten Stabschefs der Berliner Kommandantur gab der sowjetische Vertreter, Oberst Kalinin, eine mündliche Erklärung ab, wonach die Russen nicht mehr an den Vierersitzungen der verschiedenen Dienststellen der Kommandantur der Stadt Berlin teilnehmen werden. Oberst Kalinin weigerte sich, diese Erklärung schriftlich abzugeben.

Quellenangaben

Quelle: Südkurier
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Logistik, KFZ, Transport, Eisenbahn, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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