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09.07.1948 | Südkurier

Neue Phase: Flugzeuge bringen Kohle

Berlin: Obwohl es den Anschein hatte, als ob die Lage in Berlin sich langsam entspannte, sind die Maßnahmen der westlichen Alliierten gegen die von den Sowjets mit technischen Schwierigkeiten motivierte Isolation der Viermächtestadt weiter im Gange. Seit kurzem sind viermotorige Transportmaschinen dafür eingesetzt, auf dem Luftwege Steinkohle nach Berlin zu bringen. Am vergangenen Mittwoch landete der erste amerikanische "Skymaster" mit 8 Tonnen Steinkohle an Bord. Man rechnet damit, daß bereits am ersten Tag der Kohlenversorgung Berlins aus der Luft vierhundert Tonnen Kohle herangeschafft werden können. Die Berliner Westsektoren benötigen aber täglich etwa 2000 Tonnen Kohlen.

Spezialisten der Eisenbahndirektion Magdeburg erklären, es bestünden keine Bedenken, die vierzig Kilometer lange Strecke Magdeburg-Marienborn für den uneingeschränkten Verkehr wieder freizugeben. Durch Sonderbefehl der sowjetischen Transportbehörde sei der Eisenbahndirektion jedoch die Verfügungsberechtigung aus den Händen genommen worden. Gegenwärtig fänden nur die üblichen Überholungsarbeiten, wie sie auch bisher ohne Unterbrechung des Fahrbetriebes auf der Strecke durchgeführt wurden, statt.

Staatsminister Mac Neil erklärte vor dem britischen Unterhaus, die britische Beteiligung an der Luftversorgung Berlins koste täglich etwa 6000 Pfund Sterling. Wer die zusätzlichen Kosten bezahlen wird, könne er noch nicht sagen. Der Minister gab bekannt, daß zu normalen Zeiten die Transportkosten für die Versorgung Berlins zu Lasten der deutschen Wirtschaft gegangen seien.

Versuch in elfter Stunde

Telegramm unseres A.G.-Korrespondenten

Berlin. Man sieht hier mit äußerster Spannung der russischen Antwort auf die Noten der drei Westalliierten entgegen, bei denen es sich um die schärfsten Proteste handeln soll, welche die westlichen Alliierten bisher gegen Sowjetrußland erhoben haben. Bis heute ist keinem Punkt eine Änderung der sowjetischen Politik gegenüber den Westmächten eingetreten. Im Gegenteil, in einem Protestschreiben werfen die russischen Behörde der amerikanischen Besatzungsmacht Verletzung der Flugsicherung vor, während der britischen Besatzungsmacht mitgeteilt wurde, daß das Wassern der Flugboote auf der Havel verboten sei, da sämtliche Gewässer in und um Berlin der sowjetischen Kontrolle unterstehen. Die Antwort Moskaus auf die Protestnoten bleibt abzuwarten. Sie stellen einen Versuch in elfter Stunde dar, doch noch zu einer friedlichen Lösung zu kommen. Die russisch-lizenzierte "Berliner Zeitung" schreibt: "Der Verstand scheut sich, an eine offene Katastrophenpolitik zu glauben. Will man noch den Frieden, so gibt es nur eins: Verhandeln, und zwar nicht nur isoliert über Berlin, sondern über die gesamte deutsche Frage. Ein Gespräch unter den Großmächten muß wieder in Gang kommen, um mit dem Frieden für das deutsche Volk, auch der ganzen Menschheit Frieden zu geben."

Quellenangaben

Quelle: Südkurier
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Kohle, Kosten
Aktualisiert am: 06.02.2006
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