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Artikel

11.07.1948 | Die Neue Zeitung

Westmächte erwarten Antwort auf Berlin-Noten

Wortlaut der drei Noten veröffentlicht

Washington (NZ). - Nachdem die Protestnoten der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs an die Sowjetunion wegen der Hungerblockade Berlins am 10. Juli veröffentlicht worden sind, wird die Antwort der Moskauer Regierung in Washington, London und Paris mit Spannung erwartet. Diplomatische Kreise rechnen damit, daß sie innerhalb der nächsten 24 Stunden zu erwarten sei.

Die Noten bringen übereinstimmend die Bereitschaft der Westmächte zum Ausdruck, das Berliner Problem mit der Sowjetunion unter der Bedingung zu erörtern, daß diese vorher die Blockade über Berlin aufhebt. Die drei Westmächte stellen erneut fest, daß sie sich weder durch Drohung noch durch Druck oder andere Mittel aus Berlin verdrängen lassen werden. Sie verweisen auf die ernste internationale Lage, die die Sowjetunion durch die Blockade Berlins geschaffen habe, und fordern sofortige Wiederherstellung der Verbindung zwischen Berlin und den westlichen Besetzungszonen, da die Versorgung der über zwei Millionen zählenden Zivilbevölkerung der Berliner Westsektoren ernstlich gefährdet sei. Auf Grund des Vier-Mächte-Abkommens über die Besetzungszonen Deutschlands vom 5. Juni 1945 könne nicht geduldet werden, daß eine der Besatzungsmächte eine Blockade über die Berliner Bevölkerung verhänge. (Für den Wortlaut der US-Note siehe Seite 2 dieser Ausgabe).

Berlin vor Sicherheitsrat?

London (AP). - Die britische Regierung steht in dauernder Fühlung mit den Regierungen in Washington und Paris. Die neuen sowjetischen Anordnungen zur Erschwerung des Automobilverkehrs von und nach Berlin werden von der Britischen Presse im Sinne einer ungünstigen Entwicklung der Lage gedeutet. Ein Sprecher des britischen Außenamtes gab am. 8 Juli bekannt, daß alle Reparationslieferungen aus den Westzonen an Sowjetrußland vorläufig eingestellt seien. Bei Aufhebung der sowjetrussischen Transportsperre würden sie wieder aufgenommen werden.

Der Führer der konservativen Opposition, Winston Churchill, warnte am. 10 Juli in einer Parteiversammlung in Woodford die westlichen Alliierten davor, dem Moskauer Druck in Berlin nachzugeben, weil sie dadurch die beste Gelegenheit zerstören würden, einen dritten Weltkrieg zu vermeiden. Man dürfe niemals vergessen, daß man es beim Umgang mit Sowjetrußland nicht mit einer freien Nation zu tun habe, sondern mit 13 Männer im Kreml, die sich selbst zu Herren des russischen Volkes gemacht hätten und es weit diktatorischer regierten als jemals irgendein russischer Zar. Niemand könne sagen, was diese Tyrannen tun würden. Die Zeit des Wartens auf die sowjetische Antwort bezeichnete Churchill als "bange Stunde".

Die englische Presse deutet an, daß das Berliner Problem, falls die Moskauer Antwort unbefriedigend ausfalle, dem Weltsicherheitsrat unterbreitet werden solle. Sie rechnet aber überwiegend mit grundsätzlicher Verhandlungsbereitschaft der Sowjets und geht in diesem Zusammenhang auf Gerüchte ein, wonach die Vertreter Polens und der Tschechoslowakei auf der kürzlichen Konferenz mit dem sowjetrussischen Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow in Warschau gegen den Plan des Kremls opponiert hätten, als Antwort auf die Londoner Empfehlungen der Westmächte einen ostdeutschen Staat zu errichten.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Alliierte, Protest, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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