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Artikel

22.08.1948 | Berliner Zeitung

"Kohlentag" im Bezirk Mitte

Seit Donnerstag Brikettausgabe / Auch das Holz im Anrollen

Die kleine Gasse zwischen dem Theater am Schiffbauerdamm und den Friedrichstadt-Palast hatte in dieser Woche ihren ,,Kohlendonnerstag". 300 t Briketts füllten seit Juli den Lagerplatz der Kohlenhandlung Kopka. Schon lange hatten die Passanten sich den Kopf zerbrochen, warum sie die Winterkohlen erst im schlechten Herbstwetter holen sollten, während sie doch offenbar schon bei sommerlichem Sonnenschein zur Verteilung bereitlagen. Sie hatten die Befürchtung, es würde ihnen noch einmal so gehen wie im März. Da hatte Herr Mückenberger, damaliger Leiter der Zentralen Kohlenorganistion, für die von der sowjetischen Kommandantur angeordnete fünfte Winterzuteilung an Hausbrand auf einmal 50 000 t Manko, 50 000 t Kohlen für die waren unter der Hand verschwunden und der Magistrat schwieg, zuckte die Achseln und deckte einen Parteifreund, dessen Mißwirtschaft Millionen Berliner traf. Jetzt endlich ist Herr Mückenberger von der sowjetischen Kommandantur zur Verantwortung gezogen worden.

Aber genug der alten Geschichten. Rund 100 Kunden sind auch am Freitag bei Hundriesa in der Brunnenstraße mit prallen Säcken davongezogen, und alles in allem haben allein hier von Donnerstag bis Sonnabend 500 Zentner Briketts ihren Verwitterungsprozeß unterbrechen müssen, um bei 250 Familien als wohlgehütete Reserve für kalte Tage in Keller oder Wohnung eingelagert zu werden. Eine kurzfristige Unterbrechung der Ausgabe über das Wochenende wegen formaler Schwierigkeiten bleibt allerdings ein kleiner Schönheitsfehler. Aber in Kürze geht es laufend weiter.

Ja, der Abschnitt 32 der vierten Ausgabe des Haushaltsausweises hat es in sich. Nur die Bewohner der Westsektoren haben über ihn bereits anderweitig verfügen müssen. Wie kommen sie zu ihren Kohlen ? Unser Vorschlag: Bei der Anmeldung der Westberliner für September wird auch der Haushaltsausweis umgetauscht. Dann hat der Kunde aus dem Westen wieder den Abschnitt 32 und könnte in jedem Kohlengeschäft des Ostsektors für 1,80 DM ,,Winterwärme" auf Vorrat kaufen, ganz abgesehen davon, daß er sie wegen des praktischen Zusammenbruchs der Gasversorgung im Westen wahrscheinlich für Kochzwecke im Monat viel nötiger gebraucht.

Die zentrale Kohlenorganisation wird hier entsprechende Anordnungen zu treffen haben. Und dann kann es weitergehen mit der Ausgabe der Winterkohlen für ganz Berlin und mit der Verteilung des Brennholzes, das auf Lastkähnen, LKWs und in Waggons täglich angefahren wird.

Aus sozialen Gründen hat die sowjetische Kommandantur vorerst die kinderreichen Familien mit Brennmaterial bedacht. Doch so, wie die SMA bereits die Kochtöpfe aller Berliner füllt, die sich nicht auf die Luftbrücke verlassen wollen, so wird sie auch dafür sorgen, daß diese Lebensmittel auch gekocht und im Winter in einer warmen Stube gegessen werden können.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Alltag, Mensch
Aktualisiert am: 06.02.2006
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