Bautechnik
Lastwagen
Ziehen und Schieben
Eisenbahn
Flugzeuge
Zurück | Drucken

Artikel

24.07.1948 | Die Neue Zeitung

US-Regierung ist zuversichtlich

Truman: "Chancen für Frieden ausgezeichnet" - Neue Note vorbereitet

Washington (SDP). - Präsident Harry S. Truman erklärte am 22. Juli auf seiner Pressekonferenz, er halte die Chancen für den Weltfrieden für ausgezeichnet. Der Präsident sagte, er werde weder die internationale Lage noch die Berliner Frage in seiner Botschaft zur Eröffnung der Sondersitzung des Kongresses in der nächsten Woche erwähnen. Weiter bekräftigte er die Äußerung Außenminister George C. Marshalls vom Vortage, der erklärt hatte, die Vereinigten Staaten würden sich zu nichts zwingen lassen, aber sie würden durch diplomatische Mittel und Verhandlungen eine annehmbare Lösung der Berliner Frage zu erzielen suchen, um der Welt die Tragödie eines Krieges zu ersparen.

Die überragende Bedeutung der Berliner Krise, die Vorrang vor allen Problemen der amerikanischen Innenpolitik genießen müsse, hob auch der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses, Charles A. Eaton, hervor. Thomas E. Dewey, der Präsidentschaftskanditat der Republikanischen Partei, und der führende republikanische Politiker Harold E. Stassen wiesen, laut UP, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz darauf hin, daß der geringste Fehler der USA-Regierung bei der Behandlung der Berliner Krise unabsehbare Folgen haben könne.

Wie Reuter von zuverlässiger Seite erfahren hat, ist eine neue Protestnote gegen die sowjetische Blockade Berlins bereits von britischen, französischen und amerikanischen Stellen ausgearbeitet worden. Ihre endgültige Fertigstellung hänge von der Bildung der neuen französischen Regierung ab. Einem Südena-AFP-Bericht zufolge soll die Note nach Zurückweisung der sowjetischen Argumente Viererbesprechungen über Berlin, aber auch gewisse gesamtdeutsche Fragen vorschlagen und die Möglichkeit offenlassen, daß die Besprechungen durch die Außenminister selbst geführt werden. Als "Rückzugslinie" soll der "Versöhnungsmechanismus" der Vereinten Nationen vorgesehen sein.

Clay soll dem Kongreß berichten

General Lucius D. Clay, der amerikanische Militärgouverneur für Deutschland, der mit Botschafter Robert D. Murphy, seinem politischen Ratgeber, am 21. Juli in Washington eintraf, erstattete am folgenden Tage Präsident Truman und dem Nationalen Sicherheitsrat, der aus Außenminister Marshall und den militärischen Chefs besteht, über die Berliner Lage Bericht. General Clay wird auf Einladung Eatons am 23.Juli vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses sprechen und hofft, noch am gleichen Tage nach Deutschland zurückfliegen zu können.

Eine autorisierte Stelle in Washington hat die gegenwärtige Situation wie folgt analysiert: 1. Die Vereinigten Staaten seien entschlossen, sich nicht gewaltsam aus Berlin vertreiben zu lassen. 2. Die Vereinigten Staaten seien entschlossen, durch Erschöpfung aller diplomatischen Mittel und Fühlungnahme zwischen den höchsten Stellen zur Beseitigung der Schwierigkeiten eine friedliche Lösung zu suchen. 3. Solange die britisch-amerikanische Luftbrücke erfolgreich ausgebaut werden könne, sollte in Taten und Worten Zurückhaltung geübt werden, um die Lage nicht durch Zwischenfälle zu verschärfen.

Bedingung: Ende der Blockade

London (AP). - "Solange die Verbindung mit den britischen Truppen in Berlin und mit der Zivilbevölkerung, die von den Westmächten ernährt werden muß, nicht wiederhergestellt ist, ist es für einen britischen Staatsmann unmöglich, mit einem sowjetischen Staatsmann zu konferieren", erklärte Außenminister Ernest Bevin am 22. Juli vor dem Unterhaus. Wenn die " technischen Schwierigkeiten" für den Verkehr mit Berlin überwunden seien, könne nichts mehr sofortige Verhandlungen aufhalten. Winston Churchill, der Führer der konservativen Opposition, brachte im Verlauf der Debatte den Entschluß der Opposition zum Ausdruck, die Außenpolitik der Labour-Regierung weiterhin zu unterstützen.

Wie Dena meldet, hat das britische Kabinett am 22. Juli über die Berliner Lage und die Konferenz der Westeuropäischen Union in Den Haag beraten.

Auch in London, wo der Entwurf für die neue Note der Westmächte von dem britisch-amerikanisch-französischen Ausschuß für die Berliner Frage ausgearbeitet worden sein soll, rechnet man nach verschiedenen Berichten damit, daß die Westmächte Viererbesprechungen anstreben, die - als Entgegenkommen an die Sowjetunion - auf gesamtdeutsche Themen ausgedehnt werden könnten. Ähnliche Pläne sollen in Den Haag besprochen worden sein.

Aus dem britischen Außenministerium verlautet, daß die Westmächte die Luftversorgung Berlins weiter verstärken wollen. Ein britischer Sprecher betonte, daß auf das sowjetische Angebot hin, Lebensmittel für ganz Berlin zu liefern, die Lufttransporte weder beendet noch verringert würden.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
Zurück | Drucken