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Artikel

24.07.1948 | Die Neue Zeitung

Sokolowskij-Interview verblüfft

Wird eine unmittelbare Regelung in Berlin möglich?

Berlin (UP). - Marschall Wassilij Sokolowskij, der sowjetische Militärgouverneur für Deutschland, äußerte in einem zwanglosen Gespräch mit dem amerikanischen Korrespondenten John B, McDermott, die sowjetische Blockade Berlins würde aufgehoben werden, wenn "die amerikanische Zone den sowjetischen Vertretern ungehindert zugänglich gemacht werde". Sokolowskij führte in dieser Unterredung, die auf einem Empfang der polnischen Militärmission in Berlin stattfand, als neuen, bisher von den Sowjets noch nicht genannten Grund für die Blockade Berlins an, daß sie eine Vergeltungsmaßnahme gegen die amerikanische Bestimmung sei, derzufolge alle sowjetischen Vertreter, die in die amerikanische Besatzungszone Deutschland reisen wollen, eine besondere Einreisegenehmigung haben müßten. Auf die Frage, ob die Aufhebung der sowjetischen Blockade unter der von Sokolowskij gemachten Voraussetzung sich auf die Freigabe des Eisenbahnverkehrs zwischen den Westzonen und Berlin beziehen würde, zuckte Sokolowskij lediglich mit den Schultern und blieb die Antwort schuldig.

McDermott habe aber den Eindruck, daß Sokolowskij persönlich an eine friedliche Lösung der Berliner Probleme glaube.

Der stellvertretende amerikanische Militärgouveneur, Generalmajor George P. Hays drückte am 23. Juli, wie AP meldet, seine Überraschung über die Erklärung Sokolowskijs aus, nach der die sowjetische Blockade eine Maßnahme gegen die amerikanische Verfügung sei, daß die US-Zone von den Sowjets nicht ohne einen besonderen Paß bereist werden dürfe. Die Äußerung Sokolowskijs beziehe sich offenbar auf eine amerikanische Anordnung vom 5. Mai dieses Jahres, die jedoch erst verhängt worden sei, nachdem sowjetischerseits ähnliche Befehle ergangen waren. Hays fügte hinzu, es sei immer der Wunsch der amerikanischen Militärregierung gewesen, eine möglichst weitgehende Freiheit im Interzonenverkehr sicherzustellen.

Washington (UP). - Ein hoher Beamter des amerikanischen Kriegsministeriums erklärte zu dem Gespräch des UP-Korrepondenten mit Marschall Sokolowskij, die Vereinigten Staaten könnten das ungehinderte Betreten der amerikanischen Besatzungszone nicht gegen das Recht auf Benutzung der internationalen Verbindungswege nach Berlin aushandeln. Um die amerikanische Zone allen sowjetischen Staatsangehörigen zu öffnen, müsse erwartet werden, daß auch den amerikanischen Staatsangehörigen das gleiche Recht für die sowjetische Zone gewährt werde.

Wie hierzu weiter von UP aus Washington gemeldet wird, hat der republikanische Senator Kenneth Wherry darauf hingewiesen, daß der Berliner Konflikt sicherlich geregelt werden könne, wenn er tatsächlich in einer Kontroverse über das Recht sowjetischer Staatsangehörige, die amerikanische Zone zu betreten, seinen Ursprung haben sollte.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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