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Artikel

28.07.1948 | Die Neue Zeitung

West-Note an Kreml fertiggestellt

Wortlaut dient als Grundlage für mündlichen Protest

London (UP). - Die ausgedehnten Besprechungen amerikanischer Diplomaten mit dem britischen Außenminister Ernest L. Bevin, die am 26. Juli begannen, sind als abgeschlossen zu betrachten. Die amerikanischen Botschafter in London und Moskau, Lewis Douglas und Walter Bedell Smith, sowie der Rußlandsachverständige des amerikanischen Außenministeriums, Chaules Bohlen, haben mit den Vertretern Großbritanniens und Frankreichs den Textentwurf der neuen Note an die Sowjetunion - wie in unterrichteten Kreisen verlautet - fertiggestellt.

Man rechnet damit, daß die Durchführung der Beschlüsse sich noch um einige Tage verzögern kann, weil die Zustimmung der neuen französischen Regierung noch eingeholt werden muß. Es soll beabsichtigt sein, die Vorstellungen der drei Westmächte dem sowjetischen Außenminister mündlich vorzutragen und den Inhalt dieser Ausführungen dann in schriftlicher Form zu übergeben. Ein direkter Appell an Joseph Stalin sei nicht beabsichtigt, um die Lage nicht zu verschärfen.

Wie in diplomatischen Kreisen erklärt wird, bezogen sich die Londoner Verhandlungen nicht nur auf den vorgesehenen neuen Schritt in Moskau, sondern bestanden außerdem in der Festlegung der Politik der Westmächte gegenüber der Sowjetunion auf lange Sicht. Douglas, Smith und Bohlen hatten am 25. Juli in Berlin mit dem gerade aus Washington zurückgekehrten amerikanischen Militärgouverneur in Deutschland, General Lucius D. Clay, konferiert.

Bereit zu Währungsgespräch

Wie ein Sprecher des britischen Außenministeriums erklärte, identifiziert sich Großbritannien mit der Erklärung General Lucius D. Clays, daß die Westmächte zu Besprechungen über eine neue gesamtdeutsche Währungsreform bereit seien, vorausgesetzt, daß sie an ihrer Kontrolle beteiligt würden und daß die Sowjets die Blockade Berlins aufhöben.

Die besondere Bedeutung der Londoner Besprechungen wird von den Kommentatoren darin erblickt, daß sie durch die Teilnahme Bevins und Boblens auf "gehobener Ebene" stattfinden. Ein Sprecher des britischen Rundfunks berichtete, daß sich in Großbritannien und in USA eine Neigung zu vorsichtigem Optimismus hinsichtlich der Berliner Frage entwickelt habe, wenn auch die feste Haltung der Westmächte keine Garantie dafür biete, daß der gegenwärtige tote Punkt in der Entwicklung rasch überwunden werde.

Wie AP meldet, hat die britische Regierung beschlossen, die für den 28. Juli angesagte außenpolitische Debatte in beiden Häusern des Parlaments abzusagen, da die dort gehaltenen Reden einen ungünstigen Einfluß auf die internationale Lage haben könnten.

Es ist möglich, daß Bevin auf der letzten Sitzung des Unterhauses am 30. Juli eine kurze außenpolitische Erklärung abgeben wird. Inzwischen verlautet, daß eine Verstärkung der Kohlentransporte nach Berlin durch britische Flugzeuge vorbereitet wird.

Dr. Herbert Evatt, der stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister Australiens. Traf am 26. Juli in London ein, um sich mit der britischen Regierung über die deutsche Frage und den Friedensvertrag mit Japan zu beraten.

Keine Begegnung Truman - Stalin

Washington (SPD). - Entgegen Gerüchten, wonach die Staatsoberhäupter der vier Großmächte oder wenigstens Präsident Harry S. Truman und Stalin zusammentreffen würden, erklärte der Sekretär Trumans, Charles G. Ross, am 26. Juli, daß kein offizieller Vorschlag für eine solche Begegnung gemacht worden sei. Der Präsident würde jedoch weiterhin Stalin jederzeit gern in Washington empfangen.

Thomas E. Dewey, der Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei, der am 23. Juli mit General Dwight D. Eisenhower und am folgenden Tage mit Senator Arthur H. Vandenberg und John Foster Dulles, den außenpolitischen Fachleuten seiner Partei, zusammengetroffen war, bekannte sich am 26. Juli zur Politik der USA-Regierung in der Berliner Frage; innerpolitische Streitigkeiten dürften in diesem Fall die unentbehrliche Einigkeit nicht stören.

Diplomatische Kreise der amerikanischen Hauptstadt erwarten, wie UP meldet, daß aus dem Entwurf der Note an die Sowjetunion die Forderung nach Aufhebung der Blockade Berlins als Vorbedingung für eine Deutschlandkonferenz gestrichen wird. Man werde Moskau eine Möglichkeit geben, das Gesicht zu wahren, um alles nur Mögliche zur Milderung der Spannung beizutragen. Kongreßmitglieder neigen auf Grund der Äußerungen General Lucius D. Clays zu der Ansicht, daß die Sowjets in Berlin nur blufften und daß keine Kriegsgefahr bestehe.

"Westmächte festgefahren"

Moskau (UP). - Der sowjetische Rundfunk erklärte in einer englischen Sendung, unverantwortliche Journalisten und Politiker in den westlichen Staaten benutzten mit Unterstützung hoher Beamter die Lage in Berlin als Vorwand, um eine Kriegshysterie zu entfachen. Ihr Geschrei über Berlin solle vor allen Dingen die Tatsache vertuschen, daß die Politik der Westmächte in der deutschen Frage sich völlig festgefahren habe.

In Warschau bestätigte ein Sprecher der polnischen Regierung am 26. Juli, daß zur Zeit Verhandlungen mit der Sowjetunion über Lieferungen polnischer Lebensmittel nach Berlin stattfänden.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Ökonomie, Währung, Währungsreform
Aktualisiert am: 06.02.2006
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