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28.07.1948 | Die Neue Zeitung

West-Güter für Ostzone gesperrt

Sowjet-Aktion machte Gegenmaßnahmen erforderlich

Berlin (NZ). - Der gesamte Eisenbahnverkehr zwischen Westeuropa und der sowjetischbesetzten Zone Deutschlands ist seit dem 26. Juli gesperrt. Ausgenommen von dieser Maßnahme sind der Postverkehr, der internationale Transitverkehr durch Deutschland und alle Waggons, die vor dem 26. Juli nach einer der beiden Richtungen abgefertigt worden sind. Auch sowjetische Züge, die deutsche Kriegsgefangene zurückbringen, werden in die Westzonen hereingelassen. Diese amerikanisch-britischen Anordnungen werden in alliierten Kreisen, wie UP erfährt, als Gegenschlag gegen die sowjetische Blockade Berlins aufgefaßt. Als offizielle Begründung werden demgegenüber "technische Schwierigkeiten" angegeben.

Ein Sprecher der britischen Militärregierung wies außerdem darauf hin, daß die Sowjets mit ihrem Auszug aus dem Kontrollrat auch die Arbeit des Verkehrsausschusses stillgelegt hätten. Der gesamte Eisenbahnverkehr in Deutschland sei von diesem Ausschuß auf einen Monat im voraus festgelegt worden. Die Planung, die nun nicht mehr durchgeführt werden könne, sei für die rechtzeitige Bereitstellung des rollenden Materials und zur Beseitigung von Verkehrsengpässen unbedingt notwendig. Des weiteren müsse in diesem Zusammenhang hervorgehoben werden, daß die Sowjetzone der Eisenbahnhauptverwaltung in Frankfurt eine unverändert hohe Zahl von Güterwaggons schulde. Gegenwärtig stände noch die Rückgabe von 15 499 offenen Loren aus. Der dadurch entstandene Mangel am offenen Wagen mache sich besonders beim Transport von Kohle und Stahl aus dem Ruhrgebiet nachteilig bemerkbar.

Besonders betroffen von diesem Einschränkungen werden der Ostzonenexporte in die Schweiz und die Einfuhr aus Italien. Die Sowjetzone exportierte monatlich etwa 15 000 Tonnen Braunkohle und Holz in die Schweiz und bezog monatlich ungefähr 25 000 Tonnen Schwefel, Magnesium - Silikat und Mischgüter aus Italien. Die Lieferungen aus Westdeutschland nach der Sowjetzone wurden bereits vor etwa einem Monat eingestellt.

Berlin (DENA). - General Clay erklärte nach seiner Rückkehr aus Washington, die Vereinigten Staaten seien bereit, in Vier-Mächte-Verhandlungen einzutreten, "aber nicht unter Zwang". Bevor irgendwelche anderen Schritte unternommen würden, müßten alle diplomatischen Möglichkeiten voll ausgenützt werden. Amerika wünsche keinen Krieg, aber es beabsichtige, wie bereits wiederholt zum Ausdruck gebracht worden sei, in Berlin zu bleiben. Die USA hofften, dies durch friedliche mittel erreichen zu können.

Während der nächsten Tage würde die Zahl der Skymaster-Maschinen für die Luftbrücke beträchtlich erhöht werden. Die Vereinigten Staaten könnten dann die Blockade für viele weitere Monate durchstehen. General Clay gab weiter bekannt, daß noch am 26. Juli mit dem Bau eines neuen Flugplatzes im französischen Sektor Berlins begonnen werde.

Unterdessen konnte von den amerikanischen Flugzeugen die 30 000-Tonnen-Grenze für die über den Luftkorridor nach Berlin transportierten Güter überschritten werden. 67 v. H. aller Transporte wurden im Blindflug durchgeführt. In der Nacht vom 24. zum 25. Juli war ein weiteres amerikanisches Flugzeug über Berlin abgestürzt. Die beiden Piloten kamen ums Leben. Ein Wohnhaus geriet in Brand.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Schlagwörter: Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Technik, Unfall, Unglück, Eisenbahn
Aktualisiert am: 06.02.2006
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