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29.07.1948 | Berliner Zeitung

Westen verzichtet auf Bedingungen

Bevin in schwieriger Lage / London rechnet mit Deutschlandgespräch

Washington (AP/DPD/Eig. Ber.). Als Ergebnis der bisherigen Beratungen der Westmächte über die Reaktion auf die Sowjetnote in der Berliner Frage in das endlich bewirkte Einverständnis zu verzeichnen, die Aufgabe der sogenannten Blockade Westberlins nicht mehr zur Vorbedingung für Verhandlungen mit der Sowjetunion zu machen.

Die sensationell aufgebauschten Spekulationen der Nachrichtenagenturen konnten nicht verbergen, daß die unaufhörlichen Sitzungen und Beratungen, die der "mißglückten" Haager Konferenz folgten, ihre Zeit mit dem unlösbaren Versuch verloren, einen "Rückzug ohne Rückzug" zu organisieren. Durch die Ungeschicklichkeit Bevins, der sich vor dem Unterhaus aus innenpolitischen Dingen noch einmal darauf festgelegt hatte, daß die Sowjetunion vor Beginn jeder Verhandlungen ihre Berliner Maßnahmen rückgängig machen müsse, wurde erneut der erstrebende Ausweg verbaut.

Die "persönliche Annäherung" an Molotow, die den vorgesehenen "offiziellen" Deutschland-Verhandlungen vorangehen und ohne Vorbedingungen erfolgen soll, berücksichtigt nunmehr die festgefahrene Lage Bevins ebenso wie die Ablehnung jeder ultimativen Politik durch die anderen Staaten der Westunion.

Falls diese "Annäherung an Molotow" zu einer Vereinbarung über Außenministerbesprechungen führen sollte, so ist man sich in London darüber im klaren, wie dort in maßgeschneiderten Kreisen erklärt wird, daß Molotow seinerseits die Einstellung aller westdeutschen Separatmaßnahmen zur Vorbedingung jeder "privaten" und "offiziellen" Aussprache machen wird.

Die Dreimächtenote, die als Grundlage für die Fühlungnahme mit Molotow dienen soll, ist inzwischen dem neuen französischen Kabinett zugegangen, dessen Stellungnahme jedoch noch nicht bekannt ist.

An Stelle des "erkrankten" britischen Botschafters wird der russische Sachbearbeiter im Foreign Office Frank Roberts an dem gemeinsamen diplomatischen Schritt in Moskau teilnehmen. Diese Anordnung erfolgte auf Wusch Bevins, der damit anscheinend der Tatsache Rechnung trägt, daß Roberts dem sowjetischen Außenminister ein angenehmerer Gesprächspartner sein wird als Sir Maurice Petersen, der früher Botschafter im Hauptquartier Francos war.

Außenminister Marshall sagte Mittwoch auf einer Pressekonferenz, die USA hätte sich mit Großbritannien und Frankreich über den nächsten Schritt geeinigt, der zur Beilegung der Berliner Krise von ihnen unternommen werden soll. Marshall lehnte jede Auskunft über die Art dieses Schrittes ab. Er erklärte jedoch, daß die Westmächte beabsichtigen, ihren Plan für die Errichtung einer westdeutschen Regierung fristgemäß durchzuführen.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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