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Artikel

14.08.1948 | Die Neue Zeitung

Noch keine Einigung in Moskau erzielt

US-Botschafter glaubt an weitere Verhandlungen

Moskau (UP). - Die Besprechungen im Kreml zwischen den Beauftragten der drei Westmächte und den Leitern der Sowjetregierung haben einen entscheidenden Punkt erreicht. Obwohl die offiziellen Stellen der vier Großmächte über die bisher geführten Verhandlungen nach wie vor strenges Stillschweigen bewahren, sind diplomatische Beobachter und Pressekorrespondenten der Anschauung, daß die Westmächte in der neuen Besprechung, die am späten Nachmittag des 12. August stattfand, die Vorschläge der Sowjetunion, die der Unterredung vom 9. August unterbreitet worden seien abgelehnt und Gegenvorschläge gemacht hätten, die UdSSR nicht habe gutheißen können.

Die Besprechung vom 12. August begann um 17 Uhr Moskauer Zeit und dauerte drei Stunden. Nach der Unterredung begaben sich die drei Westbotschafter in das Gebäude der amerikanischen Botschaft, wo sie die neue Lage berieten und Berichte an ihre Regierungen ausarbeiteten. Pressekorrespondenten berichten, die drei Vertreter hätten einen aufgeräumten Eindruck gemacht. Walter Bedell Smith, der US-Botschafter, erklärte auf die Frage, ob die eben beendete Konferenz bei Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow die letzte gewesen sei: "Das kann man nie wisse, ich glaube es aber nicht."

In den bisherigen Verhandlungen, so vermuten diplomatische Beobachter, habe keiner der Partner Konzessionen gemacht. Die Bedingungen, die Molotow an seine Vorschläge geknüpft habe, seien für die Westmächte unannehmbar gewesen. Der sowjetische Außenminister habe, so berichtet der Kosmos-Pressedienst, als eine Vorbedingung für die Aufhebung der Blockade Berlins darauf bestanden, daß die Ostmark in Berlin als einzige Währung gelten solle und daß die westlichen Alliierten darauf keine Kontrolle ausüben dürften.

Washington ohne Pessimismus

Washington (Südena/AFP). - In den politischen und diplomatischen Kreisen der amerikanischen Hauptstadt lehnt man es ab, sich zum Echo der pessimistischen Stimmung zu machen, die immer mehr die Pressenotizen aus Moskau, Paris und London über die Besprechungen zwischen der UdSSR und den Westmächten zu färben scheint. Weder die Informationen, wonach die sowjetischen Vorschläge für die Westmächte unannehmbar seien, noch die Gerüchte, daß das Problem immer heikler werde, weil die Blockade Berlins unentwirrbar mit den Vorbereitungen zur Schaffung einer westdeutschen Regierung verknüpft sein soll, veranlassen die offiziösen Kreise zu irgendeiner Stellungnahme. Im Augenblick hat man lediglich den Eindruck, man dürfe an möglichen Ergebnissen nicht verzweifeln, nachdem die Besprechungen doch immerhin weitergehen.

Deutsche Frage vor UN?

Lake Success (UP). - Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, erklärte am 12. August in einer Pressekonferenz, es bestehe die Möglichkeit, daß die UN in ihrer kommenden Vollversammlung in Paris sich mit der deutschen Frage befassen, falls die gegenwärtigen Verhandlungen in Moskau scheitern sollten. Er bezeichnete die fehlende Verständigung zwischen Ost und West über die Bedingungen der Atomkontrolle und über eine endgültige Lösung des deutschen Problems als die Hauptursachen der internationalen Unruhe.

Laut Dena/INS hat sich auch in der britischen Hauptstadt der Eindruck verstärkt, daß die Berliner Krise und das gesamte Deutschlandproblem den Vereinten Nationen vorgelegt werden müßten.

London entwirft Ruhr-Statut

London (AP). - Rechtssachverständige des britischen Außenministeriums entwerfen gegenwärtig ein vorläufiges Statut für die Kontrolle des Ruhrgebietes, die von den Mächten der Westeuropäischen Union und den Vereinigten Staaten ausgeübt werden soll, wie ein Sprecher des Außenministeriums am 12. August bekanntgab.

Im Hinblick darauf, daß der Plan für eine westdeutsche Regierung, der auch die Ruhrkontrolle umfasse, eine Notmaßnahme sei, die nur bis zur Schaffung der endgültigen deutschen Einheit Wirkung haben solle, unterstrich der britische Sprecher den vorläufigen Charakter des Statuts. Die Ruhrkontrolle werde voraussichtlich so lange ausgeübt werden, wie die Westmächte es auf Grund ihrer in Potsdam festgelegten Rechte für angebracht hielten, um das Wiederaufleben des deutschen Militarismus zu verhindern. Der Sowjetunion stehe es frei, sich den Abmachungen auf dem Weg über den Londoner Pakt anzuschließen. Voraussichtlich würden ähnliche Entwürfe gleichzeitig in Washington und Paris ausgearbeitet, um nach britischem Vorschlag Ende August oder Anfang September in London oder Paris auf einer Konferenz zur Debatte gestellt zu werden.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Statistik, Alltag, Mensch, Flüchtlinge, Rentner, D-Mark
Aktualisiert am: 06.02.2006
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