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14.08.1948 | Die Neue Zeitung

Flakfeuer im Luftkorridor

Sowjetübungen sollen Verkehr mit Berlin stören

Berlin (NZ). - Die Sowjets verletzten in den letzten Tagen wiederum durch Übungsschießen der Flak und durch den Einsatz größerer Jagdverbände im Luftkorridor die Flugsicherheitsregeln. Wie der Leiter der Abteilung für amerikanische Streitkräfte bei der US-Militärregierung, Generalmajor G. E. Hall, einem Dena - Vertreter erklärte, sei die strikte Einhaltung der Flugsicherheitsregeln für die Vermeidung schwerer Unglücksfälle unerläßlich. Nur diese Regeln garantierten eine volle Sicherheit der Luftfahrt, was zumindest die Ansicht von drei Nationen sei, die "etwas vom Fliegen verstehen". Die sowjetischen Antworten auf die Proteste der Westmächte seien bisher unbefriedigend gewesen. Sie hätten entweder in "unbegründeten Gegenanschuldigungen" bestanden oder die Überschreitung der Sicherheitsregeln einfach in Abrede gestellt.

Wie hierzu bekannt wird, geriet eine amerikanische Transportmaschine auf dem Fluge von Frankfurt nach Berlin, etwa zehn Kilometer westlich der Elbe, in das Feuer mehrerer sowjetischer Flakbatterien. Da die Granaten jedoch, wie der Pilot berichtet, in einer Höhe von etwa 3000 Meter explodierten, konnte sie der "Skymaster" nichts antun. Der Pilot nimmt an, daß es sich um eine Übungsschießen der im Luftkorridor stationierten Flakbatterien handelte.

Die britischen Behörden wollen, wie ein Sprecher der Royal Air Force mitteilte, beim sowjetischen Vertreter in der alliierten Luftsicherheitszentrale energisch gegen einen anderen sowjetischen Störungsversuch protestieren. Ein Verband von 21 sowjetischen Jagdflugzeugen vom Typ "Jak" hatte am 10. August den britischen und amerikanischen Sektor in zwei getrennten Gruppen in einer Höhe von etwa 2000 Meter überflogen, ohne daß das der alliierten Luftsicherheitszentrale gemeldet worden war, und obwohl Flüge in Geschwaderformation in Raume von Berlin verboten sind.

Ungeachtet dieser Störungsversuche der Sowjets wird die Versorgung Berlins mit konstanter Regelmäßigkeit fortgesetzt. Die anglo-amerikanischen Flugzeuge befördern jetzt mehr als doppelt so viel Versorgungsgüter wie zu Beginn der Blockade vor sechs Wochen. Mit 707 Versorgungsflügen innerhalb von 24 Stunden wurde am 12. August ein neuer Rekord aufgestellt. Bei Beginn der Luftversorgung hatten es Sachverständige für unmöglich gehalten, bei gutem Wetter mehr als 400 Flüge täglich durchzuführen. Heute sind die gleichen Kreise der Ansicht, daß täglich tausend Versorgungsflüge ausgeführt werden können, wenn der dritte Flugplatz im französischen Sektor und die neue Rollbahn auf dem Flughafen Tempelhof fertiggestellt sind. Seit Beginn der Blockade wurden über die Luftbrücke insgesamt über 90 000 Tonnen Güter transportiert.

Die Luftversorgung soll dadurch noch weiter verbessert werden, daß vom 20. August ab die amerikanischen Flugzeuge nicht mehr in Frankfurt am Main, sondern gemeinsam mit den britischen Maschinen von Faßberg aus starten sollen. Eine dreiviertel Stunde Flugzeit soll dadurch erspart und der Nachschubweg der Versorgungsgüter, die von Bremerhaven angeliefert werden, erheblich verkürzt werden.

Der amerikanische Luftfahrtminister, Stuart W. Symington, der am nachmittag des 11. August in Berlin eintraf, erklärte hierzu, daß neben den 100 viermotorigen Transportmaschinen, die gegenwärtig für die Versorgung Berlins zur Verfügung stünden, eine Anzahl weiterer Flugzeuge des gleichen Typs auf dem Wege nach Berlin sei. Schlechte Witterungsbedingungen verursachten am 13. August zwei Bruchlandungen auf dem Tempelhofer Flugplatz. Die Besatzungen beider Maschinen konnten ohne ernste Verletzungen gerettet werden. Seit Beginn der Luftversorgung Berlins sind damit fünf Flugzeuge verunglückt. Fünf Amerikaner kamen ums Leben.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Ökonomie, Währung, Währungsreform, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Statistik, Alltag, Mensch, Lebenshaltung, Ernährung, Lebensmittel, Kosten
Aktualisiert am: 06.02.2006
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