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18.08.1948 | Die Neue Zeitung

Clay: Westkurs unverändert

Größtmöglicher Teil Deutschlands muß vereinigt werden

Frankfurt (NZ). - Bisher lägen keine Anzeichen dafür vor, daß eine Änderung der alliierten Pläne zur politischen Organisation Westdeutschlands beabsichtigt sei, erklärte der amerikanische Militärgouverneur, General Lucius D. Clay, am 16. August auf seiner Pressekonferenz im Anschluß an die Besprechungen mit den Vertretern der Zwei-Zonen-Verwaltung zu den Moskauer Besprechungen. Es entziehe sich seiner Kenntnis, was die Russen als Bedingungen zur Vier-Mächte-Verhandlung über Deutschland forderten. Er erinnere aber daran, daß die Blockade Berlins offiziell immer noch mit "technischen Schwierigkeiten" begründet werde.

Die vorläufige Verfassung stelle eine Interimsregelung dar bis zu einer endgültigen Lösung. Man verlange nicht von den Deutschen, daß sie auf jede Möglichkeit eines Anschlusses der Ostzone verzichteten. Andererseits wolle man unter den gegebenen Umständen den größtmöglichsten Teil Deutschlands wirtschaftlich vereinigen. Es sei gewiß, daß eines Tages auch die wirtschaftliche Einheit ganz Deutschlands zustande kommen werde, aber es sei unmöglich, diesen Zeitpunkt vorauszusagen. Ob der zu bildende Staat sich als Gesamtdeutschland betrachte, hänge von dem Entscheid seiner Bevölkerung ab. Arbeitsausschüsse der drei Militärregierungen werden nach Mitteilung General Clays die in den Londoner Beschlüssen vorgesehene Errichtung einer koordinierten Verwaltung für die Westzonen vorbereiten

Zum Vorschlag der Berliner Parteien, als einzige Währung die D-Mark in Berlin anzuerkennen, sagte General Clay, daß dieser Vorschlag nicht berücksichtigt werden könne, da Berlin immer noch als eine Vier-Mächte-Stadt betrachtet werden müsse und daß die amerikanische Maßnahme wenden werde, von welcher Seite sie auch kommen möge.

Von Vorbereitungen zu einem separaten Friedensvertrag mit Westdeutschland sei nichts bekannt, sagte General Clay weiter. Auf die in Koblenz geäußerte Bitte der Ministerpräsidenten um Aufhebung des Kriegszustandes, hätten die Militärregierungen vorläufig mit der Ankündigung eines Besatzungsstatutes geantwortet.

"Solange meine Regierung es wünscht, werde ich in Deutschland bleiben", erklärte General Clay dann zu einem von der amerikanischen Nachrichtenagentur INS verbreiteten Interview, nach dem General Clay bei einer Aufgabe der alliierten Pläne in Westdeutschland, auf Grund einer etwaigen Moskauer Entscheidung, die Absicht habe, zurückzutreten. Als der General direkt gefragt wurde, ob er bei einer Änderung der alliierten Pläne zurücktreten werde, wies er darauf hin, daß er nach einem Abschiedsgesuch vor einigen Monaten von seiner Regierung gebeten worden sei, im Amt zu bleiben: "Ich werde auch in Zukunft jeden Befehl meiner Regierung ausführen."

Über seinen Eindruck von den deutschen Politikern der Westzonen befragt, erklärte General Clay, daß diese im großen ganzen mit außerordentlichem Mut fast unüberwindliche Probleme angefaßt hätten. "Die deutschen Politiker haben keinen Grund, sich darüber, was sie bisher geleistet haben, zu schämen."

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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