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20.08.1948 | Südkurier

Berlin vertraut der Luftbrücke

Berlin. "500 Globemaster-Maschinen täglich nach Berlin und die unangenehmen Folgen der sowjetischen Blockade Berlins wären beseitigt", so sagen die Berliner zueinander. Denn bei einem Einsatz von etwa 500 dieser Maschinen könnten täglich 10 000 Tonnen Güter nach Berlin befördert werden. Aber es wird nur ein Wunsch der Berliner bleiben, denn das eine amerikanische Riesenflugzeug, das mehrere Male Maschinenteile und andere Güter nach Berlin beförderte, wird voraussichtlich nicht in Europa bleiben, da seine Verwendung für die Luftversorgung Berlins die Bereitstellung von speziellen Ersatzteilen und besonders ausgebildetem Bodenpersonal erforderlich machen würde. Aber der Berliner vertraut auch so auf die Luftbrücke, da eine amerikanische Ankündigung besagt, daß innerhalb eines Monats amerikanische und britische Flugzeuge voraussichtlich 6600 t täglich nach Berlin befördern werden.

Der Berliner hat im Laufe der letzten drei Jahre und vor allem der letzten acht Wochen gelernt, die Zahlen der zur Verfügung stehenden Versorgungsgüter genauestens auf die 21/4 Millionen Westberliner umzurechnen. Er weiß, daß die rund 4000 Tonnen, die zur Zeit täglich durch die Luft nach Berlin gelangen, in den Wintermonaten wohl die Lebensmittel sicherstellen, nicht aber auch die Versorgung der Bevölkerung mit Hausbrand garantieren könnten. Zwar leistet die Luftbrücke schon jetzt bei Kohletransporten 25 % mehr als der gegenwärtig eingeschränkte Bedarf es erfordert. Aber selbst Berlins Stadtrat für Wirtschaftsfragen, Klingelhöfer, ist der Meinung, daß eine Verdoppelung der in den letzten Wochen geflogenen Kohlemengen notwendig ist, wenn die Hausbrandversorgung der Westberliner für den kommenden Winter über die Luftbrücke nach Berlin kommen soll.

Von sowjetischer Seite wurde am Mittwoch verkündet, daß 60 000 Tonnen Kohle als erste Verteilung für den kommenden Winter zur Verfügung gestellt würden. Es wurde in der russisch lizenzierten Berliner Presse dazu bemerkt, daß diese Kohlen nicht für die Bewohner des russischen Sektors bestimmt seien, sondern auch an diejenigen Westberliner ausgegeben werden müssen, die ihre Lebensmittelkarten im sowjetischen Sektor Berlins beziehen. Auch hier rechnet der Berliner die 60 000 Tonnen auf die Bewohner des Ostsektors um und er kam zu dem Ergebnis, daß die 60 000 Tonnen gerade ausreichen würden, um die Bewohner des Ostsektors, nicht aber - wie verkündet wurde - auch noch die Westberliner mit Winterkohlen zu versorgen.

Quellenangaben

Quelle: Südkurier
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Statistik
Aktualisiert am: 06.02.2006
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