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Artikel

21.08.1948 | Die Neue Zeitung

Sowjets versprechen jetzt Kohle

Eine neue Propaganda-Aktion für die Berliner Bevölkerung

Berlin (NZ). - Der Berliner Magistrat arbeitet gegenwärtig zusammen mit den demokratischen Parteien Pläne aus, um die Hausbrandversorgung der Bevölkerung im Winter zu sichern. Falls die Kohlenmengen, die über die Luftbrücke transportiert werden, nicht ausreichen sollten, ist ein verstärkter Holzeinschlag in den Waldgebieten der westlichen Sektoren vorgesehen. Vertreter der Stadtverwaltung, Politiker, Rundfunk und Presse weisen die Bevölkerung auf die Schwierigkeiten hin, die ein strenger Winter der blockierten Stadt bringen könnte. Es wird betont, daß "die Schwierigkeiten bewältigt werden müssen, wenn Berlin eine freie und demokratische Stadt bleiben will".

Nach Ansicht des Inspektors der amerikanischen Militärregierung für Berlin, Oberst Frank L. Howley, ist der sowjetische Versuch, die demokratische Bevölkerung Berlins durch die Blockademaßnahmen zu unterwerfen, völlig mißglückt. Oberst Howley stellt fest, jeder Einwohner der westlichen drei Sektoren erhalte weiter die gleiche Menge Lebensmittel, die er vor Beginn der sowjetischen Blockade habe beziehen können.

Nach den bisherigen Versprechen, ganz Berlin mit Lebensmitteln versorgen zu wollen, haben die Sowjets eine neue Propaganda-Kampagne gestartet. Die SMA hat erklärt, allen Bewohnern des Ostsektors und denjenigen aus den Westsektoren, die im Ostsektor ihre Lebensmitteln beziehen wollen, eine Sonderzuteilung von 1 Kilogram Mehl und 1 Zentner Hausbrandkohle zu gewähren. Für diesen Zweck haben die Sowjets 60 000 Tonnen Hausbrandkohle freigegeben. Oberst Frank L. Howley erklärte hierzu, daß diese Maßnahme nur eine neue Propaganda-Aktion sei. Allein der sowjetische Sektor benötigte 57 100 Tonnen Kohle, die Westsektoren brauchten aber nicht nur den Rest von 2900, sondern mehr als 96 000 Tonnen Kohle. Howley fügte hinzu: "Entweder sind die sowjetischen Mathematiker oder die sowjetischen Absichten schlecht, oder aber beide."

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Versorgung, Logistik, Güter, Transport
Aktualisiert am: 06.02.2006
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