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Artikel

25.08.1948 | Die Neue Zeitung

Ein Zaun trennt die Sektoren

Maßnahmen gegen Entführungen - Westpolizei soll Waffe benützen

Berlin (NZ). - Auf Grund der mehrfachen Zwischenfälle am Potsdamer Platz, wurden auf Veranlassung des britischen Stadtkommandanten von Berlin, General E. O. Herberts, an der britisch-sowjetischen Sektorengrenze ein Zaun errichtet, Hinweisschilder angebracht und eine 30 Zentimeter breite Markierungslinie mit Leuchtfarbe gezogen. Die amerikanischen und britischen Militärpolizeipatrouillen wurden erheblich verstärkt. Außerdem werden Funkwagen eingesetzt.

Laut BBC sind in den letzen 14 Tagen elf Deutsche und ein Amerikaner von den Sowjets oder von der sowjetisch kontrollierten deutschen Polizei verhaftet worden.

Von den elf Deutschen waren zehn Polizisten. Vier der Verhafteten konnten entkommen. Der Amerikaner wurde inzwischen entlassen. Die sowjetischen Behörden betrachten die deutsche Polizei in den Westsektoren als "illegal". Sie haben ihre Befugnisse damit überschritten, daß sie außerhalb ihres Sektors Verhaftungen vornahmen. Dieses Vorgehen sei aber, so fährt der BBC-Berichterstatter fort, nichts Neues, da seit 1945 mindestens 5000 Deutsche aus den westlichen Sektoren verschwunden seien.

In einem Dena-Bericht über die Lage an der Sektorengrenze heißt es: "Weißbemalte Jeeps fahren auf und ab. In einem Hause dicht an der Sektorengrenze ist ein großes Kommando britischer Militärpolizei untergebracht. Die Posten werden des öfteren von Offizieren inspiziert. Straßenpassanten werden sorgfältig in Augenschein genommen, verdächtige Kraftwagen angehalten und überprüft. An der amerikanischen Sektorengrenze in der Stresemannstraße stehen US-Militärpolizisten. Unmittelbar an der Sektorenmarkierung stehen vier Posten mit Maschinenpistolen. Einen größeren Stützpunkt hat die amerikanische Militärpolizei unweit des Potsdamer Platzes im Postzeitungsamt des Magistrats in der Dessauer Straße eingerichtet. Laufend fahren Militärwagen davon, um die Straßenzüge zu kontrollieren. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Selbst tiefer im amerikanischen Sektor trifft man noch bewaffnete Militärpolizei und die überall umherfahrenden Jeeps. An der Sektorengrenze am Engeldamm ist die Kontrolle besonders scharf."

Dank dieser Schutzmaßnahmen kam es in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag, vom Sonntag zum Montag und vom Montag zum Dienstag zu keinen neuen Zwischenfällen. Die letzte Entführung wurde am 23.August gemeldet, als zehn sowjetische Soldaten in einem blitzschnellen Einbruch in den amerikanischen Sektor einen deutschen Photographen festnahmen und in den Sowjetsektor brachten. Zwei deutsche Polizeibeamte, die sich den Russen in den Weg stellten und sie darauf aufmerksam machten, daß sie sich im amerikanischen Sektor befänden, wurden, wie UP meldet, von den Russen niedergeschlagen.

Zwei Tage zuvor sollen bereits sowjetische Soldaten einige Beamte der Westsektorenpolizei angegriffen haben. Dabei sollen die Wachtmeister Josef Völkel und Gottlob Dahler von Sowjetsoldaten mit dem Messer niedergestochen worden sein. Ein anderer Beamter, Günther Richter, soll Augenzeugenberichten zufolge, durch Kolbenhiebe zu Boden geschlagen worden sein. Der suspendierte Berliner Polizeipräsident, Paul Markgraf, und die sowjetischen Behörden bestritten diese Meldung.

Der stellvertretende Oberbürgermeister von Berlin, Ferdinand Friedensburg, erklärte hierzu am 23. August in einer Pressekonferenz, er werde die Besatzungsmächte bitten, den Berliner Polizeibeamten die Benutzung von Schußwaffen zu gestatten, um sich gegen Entführung nach dem sowjetischen Sektor zu schützen. Paul Markgraf hat laut Dena mit Wirkung vom 24. August den SED-Funktionär Arthur Lehmann zum "Vizepolizeipräsidenten von Berlin" ernannt, obwohl er selbst nicht mehr "Polizeipräsident" ist. Lehmann stand bisher nicht im Dienste der Polizei, ist aber nach Mitteilung des Leiters der Präsidialabteilung der Markgraf-Polizei ein "bewährter Sozialpolitiker". Sein erlernter Beruf ist Gärtner. Markgraf selbst lebt in dem gefährlichen Berlin sehr vorsichtig. Als Margaret Higgins, die Berliner Korrespondentin der "New York Herald Tribune", Markgraf bei einer Inspektion auf dem Potsdamer Platz interviewen wollte, wurde sie von einem sowjetischen Jeep verfolgt und, noch bevor sie Markgraf erreichen konnte, gezwungen, in den amerikanischen Sektor zurückzugehen.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Recht, Grenze, Zaun, Polizei
Aktualisiert am: 06.02.2006
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