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25.08.1948 | Die Neue Zeitung

Zwei Dakotas stießen zusammen

Tragischer Absturz bei einem Berlin-Versorgungsflug nahe Hanau

Hanau (NZ). - Zwei für die Versorgung Berlins eingesetzte zweimotorige amerikanische Flugzeuge stürzten am 24. August bei Ravolzhausen, etwa acht Kilometer nordostwärts Hanau, ab. Die Zahl der seit Beginn der sowjetischen Blockade abgestürzten amerikanischen Maschinen erhöht sich damit auf vier.

Insgesamt kamen neun Amerikaner ums Leben. Die beiden bei Ravolzhausen verunglückten Maschinen gerieten nach ihrem Absturz sofort in Brand. Sie hatten eine Besatzung von je zwei Mann an Bord. Fallschirmabsprünge wurden nicht beobachtet. Einem Augenzeugenbericht zufolge flogen beide Maschinen in Höhe der unteren Wolkendecke ihren Kurs von Berlin nach Wiesbaden, als plötzlich die eine Dakota auf die andere zuflog, deren Leitwerk abriß und die Tragflächen einknickte.

Wie AP meldet, befanden sich nach Aussagen des Bürgermeisters von Ravolzhausen die Flugzeuge etwa um 9.30 Uhr über der Ortschaft. Plötzlich habe sich das Motorengeräusch des einen Flugzeuges verändert. Anschließend seien beide in unmittelbarer Nähe des Ortes aufgeschlagen. Einzelne Teile der Flugzeuge seien auf die Dächer des Ortes geschleudert worden. Die erste amerikanische Hilfsmannschaft sei zehn Minuten nach dem Unfall eingetroffen.

Wie ein Sprecher der amerikanischen Luftwaffe sagt besteht kein Zweifel, daß die vier Besatzungsmitglieder der beiden Flugzeuge ums Leben gekommen sind. Es könne nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, ob sich noch Passagiere an Bord befunden hätten. Noch mehrere Stunden nach dem Absturz seien die Bergungsmannschaften wegen der Hitzeentwicklung nicht an die Trümmer herangekommen.

Das Hauptquartier der amerikanischen Luftstreitkräfte in Europa (USAFE) hat eine Kommission eingesetzt, die die Ursache des Unglücks erforschen soll.

US-Verzicht zugunsten der Luftbrücke

Washington (AP). - Der militärische Lufttransportdienst der Vereinigten Staaten hat seine Tätigkeit um 30 Prozent eingeschränkt, da seine Flugzeuge und Mannschaften für die Luftbrücke Berlins eingesetzt sind. Ausgenommen davon sind nur Transatlantikflüge. Die Einschränkungen betreffen Passagier- und Frachtflüge.

Der militärische Lufttransportdienst wurde vor kurzem durch die Zusammenlegung des Flugdienstes der Luftstreitkräfte und des Marineflugdienstes ins Leben gerufen. Diese Aktion hat sich bereits bewährt.

Sowjet - Versuch gescheitert

Berlin (NZ). - 65 Tage besteht die Luftbrücke. Seit dem 20. Juni bringen amerikanische und britische Flugzeuge den von den Sowjets blockierten Berlinern das tägliche Brot. Mehr als 114 000 Tonnen Güter aller Art wurden allein vom 28. Juni bis zum 23. August befördert. Die Lebensmittelvorräte in Westberlin sind - wie es in einer amtlichen britischen Bekanntmachung heißt - heute größer als zu Beginn der Blockade. Die eingeschränkte Gas- und Stromversorgung der Westsektoren konnte fortgesetzt werden, ohne daß es notwendig wäre, die Kohlenvorräte anzugreifen.

Tag und Nacht landet alle vier Minuten ein Flugzeug auf dem Gatower und alle fünf Minuten eines auf dem Tempelhofer Flugplatz. Sunderland-Flugboote und amerikanische Großtransporter werden eingesetzt. Im nächsten Monat sollen, wie ein Sprecher der amerikanischen Luftwaffe in Washington bekanntgab, täglich 6600 Tonnen von den anglo-amerikanischen Flugzeugen nach Berlin geflogen werden, das sind 2100 Tonnen mehr als bisher.

"Diese außergewöhnliche Zahlen beweisen", so heißt es in der britischen Verlautbarung weiter, "daß dieses größte Unternehmen der Luftversorgung trotz ungünstiger atmosphärischer Bedingungen ein Erfolg ist. Der Versuch der Sowjets, die Wirtschaft Westberlins durch die Blockade zu desorganisieren, ist als gescheitert anzusehen."

Der Export von Berlin in die Westzonen und nach dem Ausland ist größer als im gleichen Zeitraum vor der Blockade. Allein vom Flugplatz Gatow wurden Industrieprodukte im Werte von 12 300 000 DM in die Westzonen exportiert.

Lübeck (NZ). - Der Übungsflugplatz der Royal Air-Force Lübeck-Blankenese wird ab 27. August als Absprungbasis im Luftverkehr mit Berlin verwendet werden. 11 Transportmaschinen vom Typ "Dakota" werden zu diesem Zweck ständig in Lübeck stationiert. Die Flugdauer nach Berlin beträgt wie vom Flugplatz Faßberg zirka 35 Minuten. Die Einbeziehung des Flugplatzes Lübeck erfolgte, nachdem Faßberg durch die Verlegung amerikanischer Maschinen weitgehend ausgenutzt ist.

Auch Australien hilft

Canberra (AP). - Die australische Regierung hat am 23. August beschlossen, zehn Dakota-Besatzungen der australischen Luftwaffe zur Unterstützung der Luftversorgung Berlins nach Großbritannien zu schicken. Ursprünglich hatte Australien angeboten, auch Flugzeuge für die Luftbrücke zur Verfügung zu stellen. Großbritannien hat jedoch, wie der australische Ministerpräsident Joseph B. Chifley erklärte, hauptsächlich um die Entsendung von ausgebildeten Besatzungen gebeten. Die erste Gruppe der 40 australischen Flieger hat Sidney am 24. August verlassen.

DP's spenden Tagesration

Aschaffenburg (NZ). - Das "estnische Nationalkomitee" des DP-Lagers Aschaffenburg hat einstimmig beschlossen, eine Tagesration der Lagerbewohner für die Berliner Westsektoren-Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Spende wollen die Esten ihre Solidarität mit dem "Kampf der Berliner gegen die bolschewistische Machtherrschaft" bekunden. Auch die Insassen der DP-Lager Dillingen an der Donau, Ansbach und Geislingen haben für Berlin eine Tagesration gespendet.

Kranke nicht blockiert

Braunschweig (DPD). - 200 kranke Berliner, darunter etwa 120 tuberkulöse, denen die Aufnahme in Heilstätten des Sowjetsektors von Berlin oder der Sowjetzone verweigert wurde, können in Braunschweig aufgenommen werden. Die Kranken werden voraussichtlich im September in Braunschweig eintreffen und auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Braunschweiger Oberbürgermeister Boehme und dem Berliner Magistrat im Braunschweiger Tuberkulose-Krankenhaus behandelt werden.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Technik, Unfall, Unglück
Aktualisiert am: 06.02.2006
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