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Artikel

31.08.1948 | Berliner Zeitung

Bereitschaftsläden stark besucht

Einwohner der Westsektoren kauften am Sonntag ein

Die Lebensmittelläden im sowjetischen Sektor, die am vergangenen Sonntag erstmalig als Bereitschaftsgeschäfte nur für die Käufer aus den Westsektoren geöffnet waren, hatten überall einen regen Besuch aufzuweisen. In der Hauptsache waren es die Gemüsehändler, die die Käufer mit den begehrten Frischkartoffeln versorgten und vom frühen Morgen bis abends 19 Uhr im Laden standen.

Eine Reihe von Verkäufsläden in der Gegend der Warschauer Straße, in der Nähe des Bezirks Kreuzberg, hatte auch am Montag trotz der Markenabrechnung geöffnet. In der Gemüse- und Kartoffel-Handlung Sch. war es schwierig, die vielbeschäftigte Eigentümerin zu sprechen. "Am Sonntag war den ganzen Tag geöffnet, es herrschte großer Andrang", sagte sie, "meine ganzen Bestände an Kartoffeln, Kohlrabi, Mohrrüben und Weißkohl habe ich nahezu verkauft." Inzwischen ist eine neue Ladung gekommen. Ein großer Berg frischer Mohrrüben liegt im Verkaufsraum. Im Fleischerladen St. grüßen von blitzsauberen Marmorregalen Berge von Jagdwurst, deutschem Corned Beef und frischer, appetitlich aussehender Blutwurst. Bis zum Sonntag hatten sich hier rund 50 Kunden aus den Westbezirken angemeldet, eine gute Zahl, wenn man berücksichtigt, daß in dieser dichtbesiedelten Gegend mehrere Schlächter nahe beieinander etabliert sind. Schräg gegenüber, beim Fleischermeister L., waren es rund 100 Kunden aus dem Westen, die sich bis Sonntag eintragen ließen, und bei den anderen liegen die Zahlen ähnlich. Alle rechnen sich aus, daß sich die Kundenzahl bis Anfang September verdoppeln wird, da der Andrang auf den Kartenstellen immer noch anhält.

In der Kopernikusstraße liegt ein umfangreicher Berg Preßkohlen auf Fahrdamm und Bürgersteig. Man sagt uns, daß der Transport dieses für den Winter so begehrten Brennmaterials für die westlichen Käufer einige Schwierigkeiten bereite. Wie wir hören, wollen sich jetzt in verschiedenen Bezirken des Westens Familien, die ihre Lebensmittel im Ostsektor beziehen, zu Transportgemeinschaften zusammenschließen und die Anfuhr von Kartoffeln und Preßkohlen einem Fuhrhalter ihres Bezirkes übergeben, der ihnen dann die schweren Säcke bis vor die Wohnung fährt. In Wilmersdorf ist der Anfang damit bereits gemacht worden. Diese Selbsthilfeaktion hat den Vorzug, den Transport zu verbilligen; sie sollte eine Anregung für alle Käufer aus den Westsektoren sein.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Alltag, Mensch
Aktualisiert am: 06.02.2006
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