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Artikel

16.12.1948 | Die Neue Zeitung

Washington erörtert Berlin-Lösung

Friedenshoffnung trotz unveränderter Politik

Washington. - Gewisse Kreise in der amerikanischen Bundeshauptstadt vertreten die Meinung, daß es im Berliner Abschnitt des "Kalten Krieges" schließlich zu einer Lösung kommen werde, die jedermann gestatte, sein Gesicht zu wahren. Jedoch wird die Ankündigung Präsident Harry S. Trumans, daß er Außenminister George C. Marshall, Unterstaatssekretär Robert A. Lovett, Verteidigungsminister James V. Forrestal und andere Architekten der gegenwärtigen amerikanischen Politik gegenüber der Sowjetunion im Kabinett behalten wolle, allgemein als Beweis dafür gewertet, daß der Präsident nicht zu der Überzeugung gelangt sei, die Haltung der USA in der Weltpolitik müsse geändert werden.

Man glaubt hier, daß die Position der Demokratien im Berliner Konflikt heute nach Gesichtspunkten der Vernunft und des Rechts gesund sei und daß die Vereinigten Staaten und Großbritannien in der Kontroverse "Währung kontra Blockade" rasch die Oberhand gewönnen. Einige Beamte halten es für möglich, daß die Sowjets wünschen werden, die Krise beizulegen, bevor sich ihre Position weiter verschlechtere. In den letzten Wochen sind verschiedene für die Sowjets ungünstige Entwicklungen deutlich geworden:

Ungünstig für die Sowjets

1. Es wird klar, daß die Luftbrücke den Winter hindurch mit beträchtlichem Erfolg funktionieren wird. Die Eröffnung des neuen Berliner Flugplatzes, Verbesserungen der Allwetter-Flugtechnik und Fortschritte in der Konzentrierung und Verpackung von Nahrungsmitteln tragen zu dem Optimismus in dieser Hinsicht bei.

2. Während der Pariser UN-Tagung haben die Sowjets in den Augen der anderen Nationen durch ihr Veto gegen einen "neutralen" Vorschlag zur Beendigung der Kontroverse verloren.

3. Die Errichtung der Berliner "Rumpf-Regierung" durch die Sowjets gab den Westmächten wieder eine Gelegenheit, den Sowjets vorzuwerfen, daß sie die Verwaltung der Stadt unwiderruflich zu spalten suchten. Dazu hat das antikommunistische Ergebnis der Wahlen in den Westsektoren den öffentlichen Widerstand gegen das Vorgehen der Sowjets dramatisch vor Augen geführt. Das gab dem Westen Anlaß zur Versteifung seiner Haltung in den Verhandlungen über die Blockade. Unterstaatssekretär Lovett verlor keine Zeit, hier mit der Erklärung einzuhaken, daß der letzte Schritt der Sowjets die Berliner Krise "schwierige, wenn nicht unlösbar" gemacht haben könnte. Dies war ein etwas pessimistischer, aber diplomatisch geschickter Kommentar.

"Neutrale" optimistisch

Wie erinnerlich, hat der argentinische Außenminister Dr. Juan Bramuglia, der ehemalige Vorsitzende des Sicherheitsrates, kürzlich während seines Besuchs in Washington auf der Reise von Paris nach Argentinien gesagt, einige Schwierigkeiten für die Lösung des Berliner Konflikts beträfen "eher die Methode als das Wesen". Manche "neutrale" Politiker bekunden die gleiche Ansicht und glauben fest an eine "Regelung an der Oberfläche", die beiden Seiten das nationale Prestige retten und den streitenden Parteien eine Umgruppierung ihrer politischen und diplomatischen Kräfte gestatten würde, um dann vielleicht in eine Auseinandersetzung über das größere Problem der Zukunft ganz Deutschlands einzutreten.

Auch auf amerikanischer Seite gibt es verschiedene Andeutungen für den wachsenden Wunsch gewisser Kreise, den "Kalten Krieg zu dämpfen" - an der Berliner Front im besonderen, jedoch zugleich, wenn möglich, an anderen. In der Presse und anderwärts laufen ständig Gerüchte um, daß in der US-Regierung "Friedenstruppen" existierten, die eifrig Präsident Truman in ihrem Sinne zu beeinflussen suchten. Sie treten dafür, ein als Grundhaltung gegenüber den Sowjets mehr Verhandlungsbereitschaft und weniger Distanz als bisher zu zeigen. Einige Beobachter denken, Bundesrichter Fred M. Vinson könnte ein Vertreter dieser Richtung sein, da Truman ihn sonst kaum für die "Moskau-Mission" vor der Wahl ins Auge gefaßt hätte, die dann auf Betreiben Außenminister Marshalls unterblieben ist. Trumans öffentliche Erklärungen seit seiner Rückkehr vom Urlaub in Florida haben jedoch im allgemeinen die Aufrechterhaltung des Status quo in der Politik gegenüber der Sowjetunion befürwortet, und es gibt keine Hinweise darauf, daß die Festigkeit der Vereinigten Staaten dem Kreml gegenüber gelockert werden soll.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung, Autor: Vincent P. Wilber
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, UN, Verhandlung, Berliner Krise, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
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