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Artikel

18.12.1948 | Die Neue Zeitung

SMA protestiert gegen Sprengung

Mit sowjetischen Repressalien wird gerechnet - SED-Sendetürme störten Luftbrücke

Berlin (NZ). - Als der Berliner Sender nach zwölfstündiger Unterbrechung infolge der Sprengung seiner Sendetürme durch die Franzosen seine Sendungen wieder aufnahm, richtete der Intendant Heinz Schmid schwere Vorwürfe gegen den Kommandanten des französischen Sektors von Berlin, General Jean Ganeval, und die Westmächte. Er wies zunächst darauf hin, daß es in der ganzen sowjetischen Zone nur zwei Sender mit einer Stärke von 100 kW gebe, nämlich in Berlin und Leipzig. Die Sprengung der Berliner Sendeanlage durch französische Pioniere sei nur möglich gewesen, weil der Sender Tegel nicht von sowjetischen Soldaten bewacht war. Die französische Militärregierung habe durch diese oder eine andere deutsche Stelle vorher von diesem französischen Schritt unterrichtet wurden. Übereinstimmend äußerten sowohl die Berliner Parteien als auch der Mann auf der Straße, daß sie diese Maßnahme begrüßten, weil man "gegenüber den Sowjets und der SED eine energische Haltung einnehmen muß". Nur dadurch könne man sie zur Einsicht bringen; man habe daher schon lange auf ein entschiedenes Vorgehen gegen Radio Berlin gewartet.

Seit Monaten war in der Berliner Öffentlichkeit die Räumung des im britischen Sektor gelegenen Funkhauses durch den Berliner Rundfunk gefordert worden. Er untersteht als sowjetische Enklave kommunistischen Zentralverwaltung für Volksbildung für die Ostzone; seine Leitung liegt in den Händen von SED-Angehörigen. Da seine Sendungen fast ausschließlich aus kommunistischer Propaganda bestanden, die oft in der unflätigsten Form die Berliner und die demokratischen Institutionen attackierte, stieg der Unwillen der Berliner von Tag zu Tag.

Als im Herbst im französischen Sektor der Flugplatz Tegel zur Versorgung Berlins über die Luftbrücke angelegt wurde, wurde daher in der Öffentlichkeit angeregt, die beiden Sendetürme des Berliner Rundfunks, die sich in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes befanden, zu sprengen, da sie zweifellos eine Gefahr für den Flugverkehr darstellten. Nachdem durch Radio Berlin die sowjetische Blockade in jeder Sendung verteidigt werde, könne erst recht keine Rücksicht genommen werden. Wie General Ganeval nach der Sprengung, die am 16. Dezember stattfand, erklärte, stellten die beiden großen Sendetürme mit einer Höhe von 80 und 100 Meter tatsächlich eine schwere Gefahr für die alliierten Piloten bei Flügen ohne Sicht dar. Es sei daher nicht länger möglich gewesen, die Verantwortung für den reibungslosen Start- und Landeverkehr zu tragen, so daß man gezwungen gewesen sei, die bereits seit einiger Zeit getroffene Entscheidung auszuführen und beide Türme niederzulegen. Der Berliner Rundfunk sei von dieser Maßnahme, die "spät getroffen wurde", am 20. November unterrichtet worden, damit er die Möglichkeit habe, das Material abzutransportieren und die Anlage an einer anderen Stelle wieder aufzubauen.

Debatte über mögliche Folgen

Im Verlauf der Tagung des Stadtparlaments wurde von den Abgeordneten im privatem Kreis die Frage diskutiert, ob es den sowjetischen Behörden möglich sei, Repressalien zu ergreifen. Es wurde darauf hingewiesen, daß die britische Militärregierung bisher den Wünschen der Berliner Öffentlichkeit, den Berliner Rundfunk zu exmittieren, nicht nachgekommen sei, weil sie eine Unterbrechung des Telephonverkehrs zwischen Berlin und den Westzonen als sowjetische Antwort erwartete. Wie der Stadtrat für das Post- und Fernmeldewesen, Holthöfer (LDP), jedoch daraufhin vor dem Plenum erklärte, sei eine derartige sowjetische Maßnahme nicht zu erwarten. Wenn die Sowjets die Telephonkabel zwischen Berlin und den Westzonen unterbrächen, würden sie gleichzeitig ihre Fernsprechverbindung mit der Ostzone zerstören, da diese durch die westlichen Sektoren laufe.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Rundfunk, Information
Aktualisiert am: 06.02.2006
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