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Artikel

01.09.1948 | Neues Deutschland

Arbeiter beim General

Im Kampf um ein einheitliches Deutschland ist in Berlin eine besondere Lage entstanden. Die Mehrheit des Berliner Magistrats und der Berliner Stadtverordneten hat sich auf die Seite der westdeutschen und ausländischen Spalter geschlagen. Über ihre landesverräterischen Handlungen haben sie ihre verfassungsmäßigen Pflichten als Vertreter der Berliner Bevölkerung völlig in den Wind gehängt.

Ein großer Teil der Berliner Bevölkerung hat aber begriffen, welches die Ursachen sind, die zu ihrer heutigen Notlage geführt haben. Berlin braucht eine einheitliche Verwaltung, eine einheitliche Währung und eine einheitliche Versorgung. Berlin ist nach wie vor die Hauptstadt Deutschlands und daran interessiert, daß Deutschland ein einheitliches Ganzes ist. Da die Mehrheit des Stadtparlaments aber anderer Meinung ist, so versucht sie, sich von der Berliner Bevölkerung abzuschließen. Sie forderte vom sowjetischen Stadtkommandanten, daß er die Zustimmung für die Errichtung einer Bannmeile gibt, die ihr vor den unerwünschten Besuchen aus den Berliner Betrieben Schutz gewähren soll.

General Kotikow, der Kupferschmied aus Leningrad, hat auf dieses Ansinnen der Magistratsmehrheit die einzig richtige Antwort gegeben. Er hat die Vertreter der Berliner Werktätigen und der Berliner Großbetriebe empfangen und sie nach ihrer Meinung über die Magistratsmehrheit befragt. Dabei hat sich herausgestellt, daß gegen die Magistratsmehrheit nicht erst seit 14 Tagen oder seit zwei Monaten, sondern schon seit längerer Zeit die heftigsten Vorwürfe erhoben werden.

Auf Hunderte von Eingaben und Beschwerden aus den Berliner Großbetrieben, die im Laufe der letzen zwei Jahre im Berliner Stadthaus einliefen, ist noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung erfolgt. Die Magistratsmehrheit hat ihre verfassungsmäßig beschworenen Pflichten, dem Wohle des Volkes zu dienen, auf das gröblichste verletzt und durch ihre verbrecherische Spaltungspolitik in Berlin einen Volksnotstand geschaffen, der nur durch sofortige Berücksichtigung des Willens der Bevölkerung behoben werden kann.

Die Berliner Werktätigen haben General Kotikow offen und freimütig ihre Beschwerden und die Wünsche der Bevölkerung vorgetragen. Sie sind zu dem sowjetischen General gekommen in der tiefen Überzeugung, daß er sie nicht, wie Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr oder der stellvertretende Oberbürgermeister Dr. Friedensburg, als Eindringlinge und Störenfriede betrachtet. Der sowjetische General hat hundertmal bewiesen, daß er die Sorgen der Berliner kennt und ein Herz für ihre Wünsche und Nöte hat. General Kotikow hat den Berliner Arbeitern bestätigt, daß es ihr gutes demokratisches Recht ist, für ihre Forderungen mit allen gesetzlichen Mitteln einzutreten. Die Unterredung der Berliner Betriebsdelegationen mit General Kotikow hat eindeutig bewiesen, daß der sowjetische General dem Denken, Fühlen und Handeln der Berliner Werktätigen nähersteht als jene Herrschaften aus der Parochialstraße, die für die Forderungen der Werktätigen nur Fußtritte übrig haben, aber vor den Wünschen ihrer ausländischen Auftraggeber tiefe Bücklinge machen.

Quellenangaben

Quelle: Neues Deutschland
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Kommentar
Aktualisiert am: 06.02.2006
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