Fahrrad
Flugzeuge
Pferdefuhrwerke
Eisenbahn
Lastwagen
Zurück | Drucken

Artikel

04.09.1948 | Die Neue Zeitung

Berliner Konferenz ohne Deutsche

Oberst Babcock: "Wir müssen Vertrauen haben"

Berliner (NZ). - Die Besprechungen der vier Militärgouverneure über die Aufhebung der Blockade und die Finanzfrage wurden am 2. und 3. September in Berlin unter strenger Geheimhaltung fortgesetzt. Die Handels- und Finanzausschüsse traten zu erneuter Sitzung zusammen; dagegen tagte das Transportkomitee nicht. Informierte Beobachter schließen daraus, daß die Verkehrsfragen jetzt unmittelbar von den Militärgouverneuren besprochen werden. Zu dem Ersuchen des Berliner Magistrats, bei den gegenwärtigen Beratungen der Militärgouverneure gehört zu werden, verlautet aus Kreisen der britischen Kontrollkommission, es sei nicht damit zu rechnen, daß der Bitte des Magistrats entsprochen werde. Die Berliner Besprechungen seien von den Regierungen der vier Besatzungsmächte angeordnet worden, und deutsche Vertreter seien auch zu den Moskauer Besprechungen nicht hinzugezogen worden. Ein hoher amerikanischer Beamter erklärte dagegen, die Deutschen hätten ein moralisches Recht, um Zulassung ihrer Berater zu den Vier-Mächte-Besprechungen zu ersuchen. Die Entscheidung über die Zulassung deutscher Berater müsse jedoch von höheren Stellen getroffen werden. Der stellvertretende amerikanische Kommandant von Berlin, Oberst William T. Babcock, sagte: "Wenn wir auch nicht über den Gegenstand der Vier-Mächte-Besprechungen in Berlin unterrichtet sind, glaube ich doch, daß wir in Situationen wie der gegenwärtigen Vertrauen zu den Männern haben müssen, die jetzt verhandeln. Sie werden die Interessen des deutschen Volkes nicht vergessen, auch wenn sie nicht in der Lage sein sollten, der Bitte des Magistrats zu entsprechen."

Der zur Zeit amtierende Bürgermeister von Berlin, Dr. Ferdinand Friedensburg, hat ungeachtet dieser alliierten Stellungnahmen laut Reuter in einer Radioansprache die Beteiligung der Deutschen an der Berliner Konferenz gefordert, um "sicherzustellen, daß keine faulen Versprechungen gemacht werden". Er fügte hinzu: "Die technischen Schwierigkeiten bei der Lösung des Währungsproblems in Berlin sind enorm und können natürlich weitgehend erleichtert werden, wenn wir auch etwas zu sagen haben."

In einem für die Berliner Ausgabe der "Neuen Zeitung" geschriebenen Kommentar zur Berliner Währungsfrage stellt der Stadtrat für Wirtschaft, Gustav Klingelhöfer (SPD), fest: "Natürlich gibt es einen Weg aus dem Dilemma: Man muß praktisch die Frage des deutschen Friedens für Berlin allein lösen, und das ist möglicherweise auch die Aufgabe, die dem Kontrollrat und seinen Beratern jetzt gestellt ist. Der Kontrollrat braucht nur den Vorschlag zu machen, den Sowjetsektor von Berlin völlig von Gratisexporten und Reparationen aus laufender Produktion zu entlasten und aus der Verbindung mit der Sowjetzone herauszulösen. Damit werde Berlin ein einheitliches Wirtschaftsgebiet, womit allein auch eine effektive Vier-Mächte-Kontrolle der Währung möglich ist."

Unter der Bevölkerung hat die Zusammenkunft der vier Militärgouverneure die Hoffnung auf baldige Aufhebung der Blockade verstärkt. Es gibt aber auch andere Stimmen, die die Entwicklung bedauern. In diesen Kreisen wird die Meinung geäußert, daß der Weltkommunismus mit Nachgeben und diplomatischen Finessen nicht aufgehalten werde. An die Westmächte, besonders an die Amerikaner, wird die Forderung gestellt, "die Brüder aus dem Osten zu zwingen". Während in den Westsektoren lebhafte Diskussionen stattfinden, sind die Einwohner des Ostsektors und der Berliner Randgebiete gleichgültiger, zum Teil auch fatalistisch. "Ist ja egal, was kommt. Besser wird's uns doch nicht gehen."

Das Hauptgesprächsthema in allen Sektoren bleibt die Währung. Vor den Wechselstuben stehen lange Schlangen, und die Polizei muß den Verkehr regeln. Westmark wird jetzt bedeutend mehr angeboten als Ostmark, aber nirgends pari. Am Donnerstag und Freitag wurde eine Westmark für 2,20 bis 2,40 Ostmark gehandelt. "Wilde" Umwechsler boten bis zu 3,00 Ostmark für eine D-Mark.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung, Autor: Enno R. Hobbing
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Ökonomie, Währung, Währungsreform, Verhandlung, Konferenz
Aktualisiert am: 06.02.2006
Zurück | Drucken