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14.09.1948 | Die Neue Zeitung

Kommt Berlin vor die UN?

Beratungen in Washington und London

Washington (SPD). - In den westlichen Hauptstädten fanden über das Wochenende wichtige Konferenzen über die Entwicklung in Berlin statt. Außenminister George C. Marshall führte mehrere Besprechungen mit hohen amerikanischen Beamten und dem britischen Botschafter, Sir Oliver Franks. Außerdem beriet sich Marshall zwei Stunden lang mit Senator Arthur H: Vandenberg, einem der außenpolitischen Experten der Republikanischen Partei.

Laut Dena/Reuter wird in diplomatischen Kreisen der amerikanischen Hauptstadt die Möglichkeit erörtert, die Vereinigten Staaten könnten einen Abbruch der Verhandlungen mit der Sowjetunion in Erwägung ziehen, um die Deutschlandfrage vor die Vereinten Nationen zu bringen. Angeblich widersetze sich jedoch Frankreich einem solchen Verfahren.

Wie AP meldet, lehnte das US-Außenministerium die Bestätigungen der Meldungen ab, wonach die Westbeauftragten in Moskau angewiesen worden seien, um eine erneute Unterredung mit Marschall Joseph W. Stalin nachzusuchen. Der Oberkommandierende der amerikanischen Luftstreitkräfte in Europa, General Curtis Lemay, hat, einem Dena/AFP-Bericht zufolge, von der US-Regierung unbeschränkte Vollmacht erhalten, angesichts der letzten sowjetischen Forderungen in Bezug auf den Luftverkehr zwischen Berlin und den Westzonen alle Maßnahmen zu ergreifen, die er für notwendig halte.

Laut UP ist Admiral Richard Conolly, der Oberbefehlshaber der amerikanischen Flotte im Ostatlantik und im Mittelmeer, zu Besprechungen nach den Vereinigten Staaten berufen worden.

Erklärung Bevins erwartet

London (AP). - Außenminister Ernest L. Bevin rief am 12. September die Mitglieder des Berliner Ausschusses der drei Westmächte zu sich. Wie es heißt, sei auf der Konferenz über neue Instruktionen für die Beauftragten in Moskau beraten worden. Am 14. September befaßt sich das Unterhaus auf seiner Sondertagung mit der Entwicklung in Berlin. Man erwartet, daß sowohl von konservativer als auch von Labour-Seite verlangt wird, den Schleier zu lüften, der über den Moskauer und Berliner Besprechungen liegt. Vermutlich wird Außenminister Bevin am 15. September eine Erklärung abgeben.

Verschiedene Beobachter melden, man rechne damit, daß die Westmächte das Berliner Problem vor die Vereinten Nationen bringen würden, falls ein erneuter Appell an Moskau zu keinem Ergebnis führen sollte. Bei etwaigen neuen Verhandlungen mit der Sowjetregierung werde angeblich von vornherein ein Schlußtermin gesetzt werden. Außerdem soll die sofortige Aufhebung der Blockade Berlins gefordert werden.

Die Wochenschrift "Observer" schlug am 12. September vor, das Besatzungsregime in Berlin durch ein internationales Mandat unter Aufsicht der Vereinten Nationen zu ersetzen.

In Moskau ist, wie Dena/Reuter berichtet, am 12. September François Seydoux eingetroffen, der politische Berater General Pierre Koenigs, des französischen Militärgouverneurs in Deutschland. Seydoux hatte den französischen Botschafter Yves Chataigneau bei den Vier-Mächte-Besprechungen über Deutschland unterstützt und war am 31. August zum Beginn der Verhandlungen der Militärgouverneure nach Berlin gereist.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Protest
Aktualisiert am: 06.02.2006
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