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Artikel

16.09.1948 | Die Neue Zeitung

Westvertreter erneut bei Molotow

"Sowjets lehnen Verantwortung für Berlin ab"

Moskau (AP). - "Kein Kommentar!" erklärten die Beauftragten der drei Westmächte von neuem, als sie am Abend des 14. September nach Wiederaufnahme der Besprechungen mit dem sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow den Kreml verließen. Die Konferenz, mit einer Dauer von anderthalb Stunden die bisher kürzeste, war die erste seit dem 30. August. Wie UP aus der sowjetischen Hauptstadt meldet, betonten britische und amerikanische Sprecher, daß die Moskauer Besprechungen durch die Zwischenfälle in Berlin nicht berührt würden. Die Westbeauftragten schienen entschlossen, in der ruhigeren Atmosphäre Moskaus eine Einigung über Berlin herbeizuführen. Auch Reuter berichtete über optimistische Kommentare.

Radio Moskau gab am 14. September in einem Kommentar zur Lage in Berlin zu verstehen, daß die Sowjetunion sich für die kürzlichen Unruhen nicht verantwortlich fühle und daß nach sowjetischer Ansicht die Berliner Bevölkerung die sowjetische Politik unterstütze.

Washington (SDP). - Die feste Überzeugung, daß man durch entschlossenes Auftreten und die Stärkung der amerikanischen Macht am besten den Frieden bewahren könne, wurde in den letzten Tagen abermals durch Äußerungen führender Persönlichkeiten der Vereinigten Staaten unterstrichen.

Dena/AFP meldet aus Washington, gut unterrichteten Kreisen zufolge werde Außenminister George C. Marshall bei einer weiteren Verschlechterung der internationalen Lage auf der kommenden UN-Vollversammlung einen internationalen Verteidigungspakt zur Ergänzung der Westeuropäischen Union vorschlagen. Präsident Truman und maßgebende republikanische Politiker prüften diesen Plan gegenwärtig.

ERP-Administrator Paul G. Hoffman wies, wie AP aus Springlake (New Jersey) meldet, in einer Rede vor der Vereinigung amerikanischer Zeitschriftenverleger am 14. September auf die Bedeutung des ERP für die Bewahrung Westeuropas vor dem Kommunismus hin. Wenn Europa kommunistisch würde, dann könnte Amerika seine Freiheit nur dadurch aufrechterhalten, daß es sich in einen Militärstaat verwandle. Dies würde so große militärische Ausgaben nach sich ziehen, daß einschränkende Maßnahmen im Geschäftsleben, in Handel und Industrie und sogar in der Presse unvermeidlich wären.

Präsident Harry S. Truman forderte am 13. September die Amerikanische Akademie zur Förderung der Wissenschaft auf, ihre Forschungsarbeit zu verstärken. Er sagte unter anderem: "Wir leben noch in einer gefährlichen Zeit und müssen wie nie zuvor bemüht sein, unsere militärische Stärke zu erhalten." Die Staatssekretäre für die Armee und die Marine, Kenneth C. Royall und John L. Sullivan, äußerten ihrerseits auf öffentlichen Versammlungen, das beste Mittel zur Sicherstellung des Friedens seien starke bewaffnete Streitkräfte.

Nach einem AP-Bericht aus Albany (New York) stellte der Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei, Thomas E. Dewey, anläßlich von Flugvorführungen fest, die Vereinigten Staaten müßten militärisch so stark sein, daß keine andere Macht sich jemals verleiten lasse, Amerika anzugreifen. US-Verteidigungsminister James V. Forrestal hat die Zuteilung von 103,6 Millionen Dollar an die Luftstreitkräfte zur Beschaffung neuer Bomber und Düsenjäger genehmigt. Das Hauptquartier der US-Luftstreitkräfte versicherte am 14. September, daß es allen Anforderungen des US-Militärgouverneurs in Deutschland, General Lucius D. Clay, zur Verstärkung der Luftbrücke zwischen Berlin und den Westzonen gerecht werde. Ein Sprecher des Hauptquartiers teilte mit, die geforderte Vermehrung der Lufttransporte um 40 v. H. werde durch die Bereitstellung von weiteren 50 Skymaster-Maschinen erfüllt.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Verhandlung, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
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