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Artikel

18.09.1948 | Die Neue Zeitung

Protest von Bonn erregt Aufsehen

Berlin: Parlamentarischer Rat spricht im Namen ganz Deutschlands

Berlin (NZ). - Der Protest des Parlamentarischen Rates gegen die Verurteilung der fünf Berliner zu 25 Jahren Zwangsarbeit hat nicht nur in politischen Kreisen, sondern auch in der gesamten Berliner Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt. Die Rundfunkübertragung, die in der Nacht wiederholt wurde, ist während der nächtlichen zwei Stunden Stromzeit von fast allen Berlinern in Ausschnitten gehört worden und gab am folgenden Tage den vorherrschenden Gesprächsstoff in den Verkehrsmitteln ab.

Man ist der Meinung, daß hier zum ersten Male eine übergeordnete deutsche Stelle aus eigenem Antrieb wirksam in den Kampf um Berlin eingegriffen habe. Sie habe damit bewiesen, daß sie ihre Funktion tatsächlich im Namen ganz Deutschlands und nicht nur im Namen des Westens ausübe. Typisch ist die Meinung, daß Lebensmittelsendungen zwar sehr schön seien, daß aber erst diese Protestresolution beweise, daß die föderalistischen Bestrebungen in Westdeutschland keinen Separatismus bedeuteten, sondern, daß in Bonn deutsche Interessen wahrgenommen werden.

Die sowjetisch lizenzierte Presse versucht, sich das Prestige des Parlamentarischen Rates auf ihre Art zunutze zu machen. So bringt die "Berliner Zeitung" eine Schlagzeile "Berliner Kriegshetzer schuldig" - "Erklärungen im Parlamentarischen Rat zu den Urteilen gegen die Provokateure". Daran schließt sich dann ein Bericht über die Rede des KP-Abgeordneten Hugo Paul an, der bekanntlich gegen die Sondersitzung des Rates Stellung genommen hatte. Gegen eine Stimme der KPD hatten alle Fraktionen, wie bereits in einem Teil der Auflage der "Neuen Zeitung" vom 16. September gemeldet, einer Erklärung des Präsidenten Dr. Konrad Adenauer (CDU) zugestimmt, in der es unter anderem hieß: "Der Parlamentarische Rat fühlt sich innerlich berechtigt und dazu berufen, auch schon bevor er sein eigentliches Werk hat vollziehen können, in den Lebensfragen des deutschen Volkes seine Stimme zu erheben, da er das einzige Organ ist, das Recht und Berufung hat, die Freiheit für das gesamte deutsche Volk zu fordern.

Zu einer Zeit, da wir im Westen die Grundlage einer neuen demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung schaffen, werden in Berlin und in der Ostzone die elementarsten Lebensrechte verweigert. Die Diktatur, die mit dem Siege der alliierten Mächte endgültig gestürzt, ersteht unter neuen Zeichen. Mit Bestürzung hat das deutsche Volk vernommen, daß ein russisches Militärgericht fünf Teilnehmer an der Freiheitsdemonstration der Berliner Bevölkerung zu je 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt hat. Weiteren droht dasselbe Schicksal ... Wir wissen, daß alle diese Maßnahmen gegenüber dem Freiheitswillen des deutschen Volkes im Osten und in Berlin zuschanden werden müssen ... Der Parlamentarische Rat bringt seine unlösbare und unerschütterliche Verbundenheit mit der Bevölkerung Berlins und dem gesamten deutschen Osten und ihrer beispielhaften tapferen Haltung zum Ausdruck. Dem deutschen Volke in Berlin und in der Ostzone rufen wir zu: Kämpft diesen Menschheitskampf für Freiheit und Recht so unerschrocken weiter, wie ihr ihn bisher geführt habt. Die Welt wird es euch danken.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Protest
Aktualisiert am: 06.02.2006
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