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21.09.1948 | Die Neue Zeitung

Fliegerfeiertag war Kohlentag

Wiesbaden (NZ). - Lächelnde Militärpolizisten verteilten am 18. September über 8000 Programme am Eingangstor zum Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim an die Tausende, die der Einladung der amerikanischen Luftwaffe zu einem Flugtag anläßlich des Tages der US-Luftstreitkräfte gefolgt waren.

Die amerikanische Luftwaffe blickte am vergangenen Sonnabend auf ihr 41jähriges Bestehen zurück. Gleichzeitig feierte sie den ersten Jahrestag ihrer Trennung von der Armee, durch die sie ein selbständiges Glied der amerikanischen Streitkräfte geworden war.

"Wir feiern unseren Geburtstag", so hatte ihr Oberkommandierender in Europa, General Curtis E. LeMay, tags zuvor gesagt, "indem wir alles daran setzen, eine neue Rekordtonnage über den Luftkorridor zu bringen." Oberst Frank L. Howley, der amerikanische Kommandant von Berlin, hatte erklärt: "Dies ist der schönste Ausdruck der amerikanischen Auffassung von Demokratie und der Bereitschaft, anderen in Not befindlichen Mitmenschen zu helfen, den ich je gekannt habe."

Schon am Morgen des Sonnabends waren in Wiesbaden vier mit 900 Stundenkilometer durch die Luft jagende F 80-Düsenflugzeuge eingetroffen. Sie flogen einige Ehrenrunden so tief, daß selbst die amerikanischen Flieger am Boden die Köpfe einzogen.

Inzwischen flogen Thunderbolt-Jäger ihre Kapriolen. Von einer Dakota wurden mit Puppen Fallschirmabsprünge vorgeführt. Am Boden drängten sich viele Hunderte um eine "Superfestung", und die Platzfeuerwehr zeigte nicht nur beim Löschen eines in Brand gesteckten Flugzeugrumpfes auf dem Rollfeld, sondern auch bei der Bekämpfung eines unprogrammäßigen Feuers am Flugplatzrand, wie schnell sie arbeiten kann.

Außerdem waren Spezialausrüstungen zu sehen, die die Piloten in Notfällen mit sich führen. Besonderes Aufsehen erregte dabei ein "Sunstill"-Apparat, den man auf der einen Seite mit Salzwasser füllt und dann in die Sonne hält. Nach einiger Zeit kommt aus der anderen Seite reines Trinkwasser heraus.

Nur mit Mühe konnten die Lautsprecherwagen am Nachmittag die weit über das Flugfeld sich ausbreitende Menge wieder zum Gehen bewegen. Beim Abschied erfuhren die Gäste, daß die amerikanischen Flieger die Ankündigung Lemays wahrgemacht hatten. In 24 Stunden hatten sie auf 651 Flügen 5555 Tonnen Kohle nach Berlin gebracht. Ein neuer Rekord.

Während die nächsten Maschinen wieder in Richtung Osten starteten, feierten alle diejenigen, die nicht unmittelbar mit dem Luftversorgungsunternehmen beschäftigt waren, ihren "Feiertag" zu Ende. Mit einem Schwert zerschnitt General Joseph Smith die riesige im Kurhaus aufgestellt Geburtstagstorte. Wie ein Offizier lächelnd bemerkte, bekam so jeder, der gerade im Kurhaus war, sein Stück Kohle zwischen die Zähne.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Jubiläum, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Statistik
Aktualisiert am: 06.02.2006
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