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Artikel

23.09.1948 | Berliner Zeitung

Mehr Facharbeitsnachweise für Berlin!

Bezirksarbeitsämter und Nebenstellen für die Vermittlung überflüssig

Berlin (MN. Eig. Ber.). Infolge der Blockadepolitik der westlichen Sektorenkommandanten ist die Arbeitsmarktlage in den Berliner Westsektoren weitaus schlechter als in den Ostsektoren. Dadurch, daß der Ostsektor noch viele Kräfte aufnehmen kann, ist jedoch eine Ausgleichsmöglichkeit gegeben.

In diesem Sinne befürwortet Stadtrat Schmidt als Leiter der Abteilung für Arbeit des Magistrats die Schaffung einer größeren Zahl von Facharbeitsnachweisen. Vier sind bereits vorhanden, nämlich für Film, Bühne und Musik, Binnenschiffahrt, wissenschaftliche, soziale und künstlerische Berufe sowie für Rohrleger und Klempner. Das heutige Berlin braucht nach Ansicht der zuständigen Fachleute etwa 20 solcher Fachvermittlungsstellen. Weil aber die Einrichtung solcher Vermittlungsstellen den Spaltungsbestrebungen der UGO hinderlich sind, scheiterte bisher die Durchführung dieser für die arbeitende Bevölkerung Berlins lebensnotwendigen Maßnahme an dem Widerstand dieser Organisation.

In einer Großstadt wie Berlin muß es möglich sein und bleiben, daß man in einem Bezirk wohnt und in einem anderen seine Arbeitsstelle hat. Es wäre an der Zeit, so erklärte Hauptreferent Dietze von der Abteilung für Arbeit unserem Mitarbeiter, die gesamte Arbeitsamtsorganisation modernen Gesichtspunkten anzupassen und die Teilung in 20 Bezirksarbeitsämter und 24 Nebenstellen zu beseitigen, gleichzeitig aber mehr Fachnachweise für die ganze Stadt einzurichten. Der heutige Zustand ist ähnlich wie nach dem ersten Weltkrieg, bevor im Jahre 1920 die Einheitsgemeinde Groß-Berlin entstand. Auch damals gab es in einzelnen Gemeinden offene Stellen, die nur deshalb nicht besetzt werden konnten, weil andere Berliner Gemeinden ihre Kräfte horteten und nicht dahin gehen lassen wollten, wo man sie dringend gebraucht hätte.

Das Prinzip der Freizügigkeit ist zwar im Zusammenhang mit den Sektorengrenzen und den entsprechenden Bestimmungen und Praktiken gegenwärtig noch eingeschränkt. Trotzdem wurde die Freiwilligkeit, d. h. die Abkehr von der Zwangseinweisung, schon weitgehend durchgesetzt. Zwar gelten die Anordnungen der Besatzungsmächte noch, wonach Zwangseinweisung in gewissen Fällen vorgenommen werden können, doch sank deren Zahl im Vergleich zu den Vermittlungen insgesamt immer mehr. Im Juli dieses Jahres betrug sie nur 1,6 %; 13 699 Männer und 7182 Frauen wurden vermittelt, doch nur 337 in ihre neue Arbeit eingewiesen. Die Zahl der Zwangseinweisungen wäre noch geringer, wenn nicht manche Vermittler einzelner Bezirksarbeitsämter den Weg der Einweisung aus Bequemlichkeit gewählt hätten, statt sich zu bemühen, geeignete freiwillige Kräfte für die betreffende lebenswichtige Arbeit zu gewinnen.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
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Aktualisiert am: 06.02.2006
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