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Artikel

25.09.1948 | Die Neue Zeitung

Drei Forderungen an den Kreml

Westmächte sind pessimistisch - Luftbrücke bleibt

Paris (DENA/Reuter). - Über den Inhalt der Note zur Berliner Frage, die am 22. September der Sowjetregierung zugeleitet wurde, verlautet in der französischen Hauptstadt, die Westmächte hätten darin noch einmal ihre Haltung zu drei Streitpunkten klargelegt: 1. beanspruchten sie das Recht einer Beteiligung an der Kontrolle der Ostmark in den drei westlichen Sektoren Berlins; 2. forderten sie die Freiheit des Handelns zwischen Berlin und allen Zonen Deutschlands wie auch dem Ausland; 3. beständen sie auf dem Recht des uneingeschränkten Lufttransports zwischen Berlin und den Westzonen. Generalissimus Joseph W. Stalin habe bei seinen Unterredungen mit den Beauftragten der Westmächte im Kreml in diesen drei Punkten zugestimmt. Dagegen habe Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow später ausweichende Antworten gegeben.

Ein Reuter-Kommentator schreibt hierzu, offensichtlich wolle die Sowjetunion in der Weltöffentlichkeit den Eindruck hinterlassen, daß sie zur Fortsetzung der Verhandlungen bereit sei. Die neue Note der Westmächte solle zum Ausdruck bringen, daß diese ebenfalls gewillt seien, alle Anstrengungen für eine Verständigung zu unternehmen.

Der US-Militärgouverneur in Deutschland, General Lucius D. Clay, erklärte am 23. September in Berlin nach seiner Rückkehr aus Paris, wie AP berichtet, es liege nunmehr an Moskau, ob die Vier-Mächte-Verhandlungen wieder aufgenommen würden.

Die Erwartungen in politischen Kreisen der Westmächte sind in dieser Hinsicht pessimistisch. Wie es heißt, faßten französische Vertreter sogar die Möglichkeit ins Auge, daß die Berliner Frage die Sowjets veranlassen könnte, die Vollversammlung der Vereinten Nationen zu verlassen. Falls die Berliner Frage vor den UN diskutiert werden müsse, würden die Staaten der Westeuropäischen Union die USA unverzüglich um militärische Garantien bitten.

Der britische Außenminister Ernest L. Bevin konferierte nach seiner Rückkehr aus Paris am 23. September mit Frank Roberts, seinem Sonderbeauftragten in Moskau, Militärgouverneur Sir Brian Robertson und Unterstaatssekretär Sir William Strang, dem Beauftragten des britischen Außenministeriums für deutsche Fragen. DPD zufolge sei es unwahrscheinlich, daß Roberts nach Moskau zurückkehrt. Auch US-Botschafter Walter Bedell Smith wird sich zunächst nach Washington begeben.

Der Pariser Korrespondent der Londoner "Times" ist der Ansicht, im Falle einer negativen Antwort des Kremls würden die Westmächte ihre Lufttransporte für Berlin noch verstärken. Laut BBC erklärte ein Sprecher der kanadischen Regierung, Kanada werde für die Versorgung Berlins im Winter Flugzeuge zur Verfügung stellen. AP zufolge geht aus einem Bericht des Hauptquartiers der US-Besatzungsarmee hervor, daß trotz allen Spannungen der Zuzug amerikanischer Familien nach Berlin anhält.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
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