Hochbahn
Flugzeuge
Eisenbahn
Pressearchiv
Automobile
Zurück | Drucken

Artikel

28.09.1948 | Die Neue Zeitung

Magistrat will an UN schreiben

Reuter für weiteren Ausbau der Luftbrücke

Berlin (NZ). - Der Berliner Magistrat hat sich in einer Sondersitzung am 27. September zu dem Versuch entschlossen, die Stellungnahme der Berliner Stadtverordnetenversammlung zu dem Berliner Streitfall dem Sicherheitsrat zu unterbreiten.

Berlins gewählter, aber von den Sowjets nicht bestätigter Oberbürgermeister, Professor Ernst Reuter, erklärte am 27. September, das Scheitern der Moskauer Verhandlungen verdeutliche, daß die Westmächte nicht bereit seien, "Berlin zu verkaufen". Die Haltung der Berliner werde auch die letzte Spekulation der Sowjets, die Berliner Bevölkerung durch einen Blockadewinter in die Knie zu zwingen, zunichte machen. Wesentlich sei allerdings auch, ob die Westmächte aus den gescheiterten Verhandlungen die Konsequenz zögen und ihre Lufttransporte verstärkten.

Ausgangspunkte zur Lösung der Berliner Krise glaubt der derzeitige geschäftsführende Berliner Oberbürgermeister, Dr. Ferdinand Friedensburg, in der sowjetischen, von Tass verbreiteten Erklärung erkennen zu können. Die Stellungnahme Friedensburgs deckt sich damit sinngemäß mit dem Kommentar des SED-Vorsitzenden Wilhelm Pieck, der behauptete, daß die Sowjetunion, wie die Tass-Erklärung beweise, weitgehend zu einem Kompromiß bereit sei.

Demgegenüber erklärte Stadtverordnetenvorsteher Dr. Otto Suhr (SPD), daß es verständlich sei, wenn die sowjetische Antwortnote von den drei westlichen Außenministern als "unbefriedigend" bezeichnet werde. Er hofft, daß die Alliierten in der letzten Instanz, dem Sicherheitsrat, zu einer Zusammenarbeit gelangen werden.

Jakob Kaiser (CDU) äußerte einer Dena-Meldung zufolge, die Tass-Erklärung bedeute für die Berliner eine neue schwere Enttäuschung. Bisher stelle sich als Hauptstreitpunkt die Frage heraus, ob Berlin nach den Vereinbarungen von Jalta und Potsdam weiterhin unter Vier-Mächte-Kontrolle stehen oder durch den Willen einer einzelnen Macht zu einer einseitig beherrschten und einseitig kontrollierten Stadt werden solle.

Carl Hubert Schwennicke, der Vorsitzende der Berliner LDP, ist der Ansicht, daß der Beschluß der Westmächte nicht nur eine Bestätigung für das endgültige Scheitern der Moskauer Besprechungen, sondern zugleich auch ein letzter Versuch ist, die UdSSR auf diplomatischem Wege zu einer Aufgabe ihrer Eroberungspolitik zu veranlassen.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, UN, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
Zurück | Drucken