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02.10.1948 | Die Neue Zeitung

Berlin dankt für Luftbrücke

"Wir wollen frei von Furcht sein"

Berlin (NZ). - Die demokratischen Parteien Berlins haben am 1. Oktober folgenden Aufruf erlassen: "Am heutigen 100. Tage der Blockade erneuert Berlin das Bekenntnis, das es am 20. Oktober 1946 in freien Wahlen zu den Prinzipien der Demokratie abgelegt hat. Seit zwei Jahren wichtigster Rechte seiner Selbstverwaltung beraubt, seit über drei Monaten zu Wasser und zu Lande von seinen natürlichen Verbindungswegen abgeschnitten, fordert die Stadt die Wiederherstellung ihrer Existenzgrundlage. Ihre Bewohner wollen frei von Furcht in allen vier Sektoren leben und frei von Grenzschranken mit allen vier Zonen die Früchte ihres Fleißes austauschen können. Der Weg zum friedlichen Aufbau, von dem sich Berlin durch keine Gewalt abbringen läßt, ist blockiert, so lange drei Millionen das Menschenrecht entbehren müssen."

Der geschäftsführende Oberbürgermeister von Berlin, Dr. Ferdinand Friedensburg, erklärte, die Berliner seien dankbar und glücklich, daß die Luftbrücke einstweilen die Existenz ihrer Stadt schütze. Im Namen der Bevölkerung übermittele er den anglo-amerikanischen Piloten Dank und Hochachtung der Berliner.

Der amerikanische Kommandant von Berlin, Oberst Frank L. Howley, sagte zum 100. Tage der Luftbrückentätigkeit, daß infolge der sich ständig steigenden Transportleistungen die laufenden Rationen nicht nur beliefert, sondern darüber hinaus für 39 Tage im voraus gesichert seien. Auch die Kohleversorgung genüge den dringendsten Ansprüchen. Während am 7. Juni nur 200 Tonnen Kohle nach Berlin gebracht werden konnten, seien es jetzt durchschnittlich 2300 Tonnen.

"Die Sowjets haben noch im Juli dieses Jahres in der Alliierten Kommandantur ein 14-Punkte-Programm vorgelegt, das eine umfassende Verbesserung des Lebensstandards der arbeitenden Bevölkerung vorsah. Wenige Wochen später haben sie durch eine brutale Blockade alles getan, um die Bevölkerung der Westsektoren auszuhungern, ihr die Arbeitsmöglichkeiten zu entziehen und sie von allen Verbindungen mit der Ostzone abzuschneiden ... Die Luftbrücke ist nicht die letzte Antwort für Berlins Schwierigkeiten", stellte Oberst Howley abschließend fest. "Eingleisige Eisenbahnlinien sind es ebensowenig und auch Kapitulation vor einem kommunistischen Einparteiensystem ist keine Lösung. Vor uns liegt ein Winter, der alle die Widerstandskräfte erfordern wird, die die Berliner in den letzten drei Jahren immer aufs neue bewiesen haben."

General Lucius D. Clay hatte schon tags zuvor in einer Pressekonferenz zu den neuen Störversuchen sowjetischer Jagdflugzeuge erklärt, daß man durch Belästigung der alliierten Maschinen der Luftbrücke kein Ende bereiten könne. Dazu gehöre mehr.

Der französische Kommandant von Berlin, General Jean Ganeval, meinte, falls es notwendig sein sollte, werde die französische Militärregierung, um den Flugverkehr ungestört abwickeln zu können, auch den Sendeturm des sowjetisch kontrollierten "Radio Berlin" abbauen lassen.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, 100 Tage Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
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