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Artikel

02.10.1948 | Die Neue Zeitung

Pressespiegel

(Die vorbereitenden Verteidigungsmaßnahmen der Westmächte angesichts der Berliner Krise finden in der Weltpresse starke Beachtung:)

The New York Times

"Die drei Westmächte haben sich in ihren Noten zum Berliner Problem ausdrücklich vorbehalten, gegebenenfalls Defensivmaßnahmen zu treffen. In diesem Sinne ist die Bildung eines gemeinsamen Verteidigungsorgans eine außerordentlich bedeutsame Maßnahme. Die europäischen Streitkräfte könnten jetzt von Amerika ausgerüstet werden. Dieses Problem wird dem Kongreß in der kommenden Sitzungsperiode vorgelegt werden. Es bleibt zu hoffen, daß Rußland diese Tatsache zur Kenntnis nimmt und nicht in den Irrtum verfällt, dem die Nazis erlegen sind, als sie sich von ihrer Propaganda und deren Behauptungen über die Schwäche und Dekadenz des Westens täuschen ließen."

Hartford Courant

"Unsere Stellung in Berlin ist im Augenblick gar nicht schlecht, denn es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß unsere geduldige Standfestigkeit Früchte zu tragen beginnt."

Omaha World Herald

"Es ist Rußland offensichtlich nicht gelungen, das Ansehen der Westmächte in den Berliner Westsektoren zu erschüttern. Bringt es Rußland nicht fertig, den Westen aus der Stadt zu drängen oder das deutsche Volk zu gewinnen, so hat es damit in Deutschland keinen wirklichen Sieg errungen."

The Manchester Guardian

"Ein britischer Oberkommandierender ist angesichts der Tatsache, daß die britischen Kräfte zumindest anfangs noch verhältnismäßig klein sein werden, nicht gut zu rechtfertigen, und der wirkliche Oberkommandierende wird ohnehin ein Amerikaner sein. Außerdem ist Montgomery in den USA nicht gerade populär, und auf die USA muß sich Westeuropa in allem verlassen. Man muß offen darüber reden. Es gibt strategische Denker, die eine schnelle Eroberung Europas durch die Russen durchaus für möglich halten - und zwar gegen jeden beliebigen britischen Widerstand. Dann wäre aber Großbritanniens bester Beitrag zum Siege der Demokratie, seine Flugplätze so lange intakt zu halten, bis die USA-Streitkräfte wiederum nach Westeuropa vordringen können. In einem Feldzug in Belgien kann auch ein Punkt erreicht werden, wo es offenbar unsere Pflicht und in unserem Interesse sein würde, die Streitkräfte einer wankenden Westunion nicht mehr zu unterstützen und unser eigenes Kontingent zurückzuziehen."

Gazette de Lausanne et Journal Suisse

"Die Veröffentlichung eines Kommuniqués der fünf Staaten der Westunion, in dem die Errichtung eines ständigen gemeinsamen Verteidigungsausschusses bekanntgegeben wurde, ist die bedeutsamste Nachricht vom Mittwoch."

Minneapolis Tribune

"Die Methoden, die Rußland und seine deutschen kommunistischen Helfershelfer anwenden, um die demokratische Verwaltung Berlins zu beseitigen, sind dieselben, die Hitler und Goebbels 20 Jahre zuvor mit der gleichen Absicht anwandten. Durch Nachgiebigkeit gegen die Sowjets und durch die Aufgabe Berlins werden wir weitere und größere Schwierigkeiten mit Rußland nicht vermeiden können."

New York Herald Tribune

"Wenn der erste Blockadeversuch gegen Berlin mit der Entsendung von Panzerzügen und Panzerwaffen erwidert worden wäre und man die sowjetischen Drohungen übergangen hätte, dann würde es nicht zu der augenblicklichen Krise gekommen sein. Sehr wahrscheinlich würde es keine Übergriffe auf die Luftbrücke geben, wenn man Rußland deutlich zu verstehen gäbe, daß Maschinengewehre die Einmischung in die Durchführung der Luftverbindung beantworten würden. Ein derartiger Standpunkt birgt natürlich Gefahren. Aber aus der Geschichte der letzten zehn Jahre können wir lernen, daß diese Gefahren unendlich viel geringer sind als solche, die aus Furcht und Schwäche entstehen."

Daily Graphic

"Die Ernennung Feldmarschall Montgomerys zum Oberbefehlshaber der Staaten Westeuropas ist ein bedeutsamer und vernünftiger Schritt, der den Ernst der Stunde unterstreicht."

Iswestija

"Die Benelux-Staaten sind der erfolglosen Verhandlungen mit den Engländern, Amerikanern oder Vertretern der Export-Import-Agentur der Bizone bald überdrüssig; die Ruhrexporte gehen nach wie vor zum größten Teil per Eisenbahn nach Norddeutschland und werden dort verschifft. Der Hafen von Antwerpen ist dem wirtschaftlichen Verfall preisgegeben und hat bereits 7000 Arbeitslose. Alles, was die Benelux-Staaten von der Londoner Konferenz erhofften - Teilnahme an der Ruhrkontrolle, Kohlenlieferungen und Beteiligung ihrer Häfen an der deutschen Ausfuhr -, ist nicht in Erfüllung gegangen. Auch die Öffnung der deutschen Märkte für einen Absatz aus den Benelux-Staaten ist nur in ganz bescheidenem Umfang erfolgt, da die Amerikaner weder Dollars zum Erwerb der Benelux-Waren zur Verfügung stellten, noch einen größeren Warenaustausch gestatten. Diese Tatsachen veranlassen die Wirtschaftskreise der Benelux-Länder zu pessimistischen Betrachtungen über den Marshall-Plan und den Wiederaufbau der westeuropäischen Wirtschaft."

Washington Star

"So unbeliebt die englisch-französisch-amerikanischen Eroberer auch bei den Deutschen sein mögen, so sind die Russen doch noch bedeutend unbeliebter. In Berlin hat besonders die Zwangs- und Terrorpolitik der Sowjets - mit der Blockade als Höhepunkt - schon lange deutlich gezeigt, daß es das Hauptziel des Kreml ist, das Elend und die Verwirrung in Hitlers zerschlagenem Reich zu verlängern, um es dann um so leichter einstecken zu können."

Nieuwe Rotterdamsche Courant

"Was die amerikanische Unterstützung dieser Verteidigung betrifft, so kann man aus den letzten Nachrichten aus Washington auf eine zunehmende Bereitwilligkeit der USA zur Hilfeleistung schließen. Eine solche Hilfeleistung wird aber zweifellos an die Bedingung geknüpft sein, daß die fünf Staaten der Westunion zuerst mit ihren eigenen Plänen hervortreten, aus denen die bisher erzielten Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit ersichtlich sind. Amerika wird dann die noch vorhandenen Löcher stopfen. Der Anwesenheit der amerikanischen und kanadischen Beobachter auf der Konferenz der Verteidigungsminister in Paris ist besondere Bedeutung beizumessen."

(Die britische Presse schreibt zu den Verteidigungsplänen der Westunion:)

News Chronicle

"Der erfreulichste Faktor für den Fortschritt der Abwehrmaßnahmen ist die Tatsache, daß Feldmarschall Montgomery und seine Mitarbeiter in der Lage sein würden, den Kern einer internationalen Streitmacht für die Aufrechterhaltung des Friedens zu bilden. Da die UN genau so kraftlos wie der alte Völkerbund ist, bleibt nichts anderes übrig, als mit Vorbereitungen für eine Verteidigung auf regionaler Basis zu beginnen. Der Brüsseler Verteidigungsrat kann als westeuropäische Abteilung einer später zu bildenden internationalen Verteidigungsbehörde gelten."

Daily Mail

"Man hat die Verteidigung sämtlicher Westmächte auf einen gefährlichen Tiefstand absinken lassen. Die beste Streitmacht der Westunion wäre eine, deren Waffen, Ausrüstung und Ausbildung genormt wären. Dies läßt sich nicht in fünf Minuten bewerkstelligen, aber man sollte wenigstens den Anfang machen."

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Berliner Krise, Presse
Aktualisiert am: 06.02.2006
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