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Artikel

05.10.1948 | Die Neue Zeitung

Sokolowskijs zehntausend Worte

"Luftbrücke unnötig und rein propagandistisch"

Berlin (DENA). - Marschall Wassilij Sokolowskij kündigte vor Vertretern der sowjetisch lizenzierten Presse in Berlin die Bereitschaft der Sowjetregierung an, die Verhandlungen über Berlin auf der Basis der am 30. August in Moskau erreichten Vereinbarungen wieder aufzunehmen. Eine Lösung der Berliner Krise hänge ausschließlich von dem Wunsch der drei westlichen Regierungen ab, eine "Einigung unter Berücksichtigung gegenseitiger Interessen" zu erzielen.

Ein amerikanischer Sprecher erklärte hierzu, UP zufolge, daß eine Wiederaufnahme der Berliner Besprechungen von den Außenministern der vier Großmächte angeregt werden mußte. Die amerikanische Haltung sei in der Veröffentlichung des US-Außenministeriums zum Ausdruck gebracht worden, und er habe dem nichts hinzuzufügen. Ein anderer alliierter Sprecher meinte, die 10 000 Worte umfassende Erklärung des sowjetischen Militärgouverneurs sei eine "Vorschau" auf die Haltung der UdSSR vor dem Sicherheitsrat.

Im einzelnen hatte Sokolowskij erklärt, daß die westlichen Alliierten die "Alleinverantwortlichen" für die gegenwärtige Krise seien. Des weiteren könne man nicht von einem "blockierten Berlin" sprechen, da die Bevölkerung die Möglichkeit habe, sich voll und ganz aus dem Sowjetsektor versorgen zu lassen. Die Luftbrücke sei eine "unnötige und rein propagandistische Maßnahme, die Deutschland nur überflüssige Kosten" aufbürde.

Sokolowskij meinte, die Westmächte hätten die Berliner Krise durch die separate Währungsreform in den Westzonen und in Berlin überhaupt erst ausgelöst. Die Sowjets hätten sich gezwungen gesehen, "einschränkende Schutzmaßnahmen" an den Verbindungswegen mit Westdeutschland durchzuführen. Nichtsdestoweniger hätten die Berliner Vier-Mächte-Besprechungen längst zu "positiven Ergebnissen" führen können, wenn die drei Westmächte die Berliner Frage nicht als Tarnung für das "Zusammenhämmern eines aggressiven militärischen Westblocks gegen die Sowjetunion" benutzt hätten.

Nach den von Sokolowskij dann angeführten sowjetischen "Bedingungen" für die Wiederherstellung eines normalen Verkehrs zwischen Berlin und den Westzonen sollte unter anderem die Zahl der zwischen Berlin und Helmstedt verkehrenden Züge auf täglich 16, davon drei Militärzüge, beschränkt werden. Deutschen Zivilisten im Dienst der Besatzungsmächte sollte die Benutzung von Militärzügen verboten sein. Für Frachtgut der Besatzungsmächte müßte an den Kontrollstellen ein Frachtbrief vorgelegt werden. Der Flugverkehr von und nach Berlin sollte nur "für die Bedürfnisse der Besatzungsmächte" durchgeführt werden.

Wie amtliche britische Kreise zu den Äußerungen Sokolowskijs, Südena zufolge, feststellen, wurden die Berliner Verhandlungen entgegen den sowjetischen Behauptungen abgebrochen, weil "eine Vereinbarung nicht zustande kommen konnte, solange Marschall Sokolowskij auf Einschränkungen im Luftverkehr bestand". Außerdem seien die Oberkommandierenden von ihren Regierungen angewiesen worden, ihren Bericht am 7. September vorzulegen.

Die Briten stellen weiter richtig, daß die Westmark in Berlin erst eingeführt worden sei, nachdem die Sowjets ein "vernünftiges Übereinkommen abgelehnt und die Ostmark in Berlin in Umlauf gesetzt hätten.

"Jeder Deutsche, der nach Westdeutschland kommen und mithelfen will, es als Teil unserer demokratischen Westunion aufzubauen", solle mit dem Flugzeug aus Berlin nach dem Westen befördert werden, schlägt der Labour-Abgeordnete Richard Crossman in der britischen Zeitung "Sunday Pictorial" vor. "Wir hängen uns", so meint Crossman, "verzweifelt an ein paar Quadratkilometer Trümmer innerhalb der sowjetischen Zone." Für die in diesem Trümmerhaufen lebenden zweieinhalb Millionen Berliner sollte ein Zeitpunkt festgesetzt werden, bis zu dem sie den Entschluß fassen müßten, ob sie ihre Freiheit oder ihren Besitz (denn sie werden fast alles zurücklassen müssen) höher schätzten. Der Evakuierungsplan werde nach Crossmans Ansicht den Russen die Sprache verschlagen. Wenn die Sowjets die Blockade fortsetzen, dann würden sie schließlich auf dem toten Körper Berlins stehen. "Berlins Bevölkerung wird nach dem Westen in die Freiheit geflogen sein."

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Luftbrücke, Berliner Krise, Presse
Aktualisiert am: 06.02.2006
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