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16.10.1948 | Die Neue Zeitung

Disziplin oder Rationssenkung

Verwaltungsrat ermahnt Bevölkerung

Frankfurt (NZ). - "Die Versorgung unseres Volkes mit den Grundnahrungsmitteln im kommenden Winter und Frühjahr ist nur dann gewährleistet, wenn ein Ausbrechen dieser Waren aus der Lenkung mit allen Kräften verhindert wird; andernfalls müssen die Rationen gesenkt werden", heißt es in einer von den Direktoren der bizonalen Verwaltungen unterzeichneten Proklamation an die Bevölkerung der vereinigten Westzonen.

Die nach wie vor gültigen Bewirtschaftungsbestimmungen seien unbedingt zu befolgen, da sonst der Bedarf des deutschen Volkes trotz der gesteigerten Einfuhren und der guten Ernte nicht gedeckt werden können. Auch weiterhin müßten Fett, Fleisch, Getreide, Brot, Nährmittel, Mehl, Milch, Nutz- und Zuchtvieh, Fische und Zucker voll bewirtschaftet bleiben. "Nur bei völliger Selbstdisziplin aller Beteiligten kann eine Rückkehr zu den Zwangsmethoden vermieden werden." Nach dem laut Dena von der Verwaltung für Wirtschaft (VfW) veröffentlichten neunten Bericht zur Situation nach der Währungsreform sind verstärkte Anzeichen für eine zunehmende Normalisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Bizone zu bemerken. Die Preissituation sei jedoch weiterhin unsicher. Während die Erwerbslosenziffern zurückgingen, habe die Zahl der offenen Stellen zugenommen. Dem im allgemeinen zurückhaltenden Angebot stünde ein auf vielen Gebieten noch immer sehr starker Nachfragedruck gegenüber, wenn auch das breite Publikum, vermutlich durch den Einkauf von Wintervorräten, gegenwärtig weniger kaufkräftig sei. Der Schwerpunkt der Nachfrage liege besonders bei Textilien und Schuhen. Das Gleichgewicht zwischen Gütervolumen und Geldkaufkraft habe sich noch nicht wieder einspielen können, wobei die ungewöhnlich hohe Umschlagsgeschwindigkeit des Geldes eine schwer kontrollierbare Rolle spiele. Die Rohstoffsorgen hätten sich infolge der stark ansteigenden Produktion erhöht, wenn auch bei den von Importen abhängigen Industrien durch die zugesagten Rohstoffeinfuhren die Gewähr gegeben zu sein scheine, daß keine Versorgungslücke entstehe. Auf einigen Gebieten spielten offensichtlich Kompensationsgeschäfte wieder eine Rolle. Dies gelte zuerst für den Textilsektor.

Der Direktor der VfW, Professor Dr. Ludwig Erhard, erklärte am 14. Oktober auf einer Wahlversammlung der CDU in Düsseldorf, die Nachfrage könne im allgemeinen nicht mehr das Angebot überschreiten. Er erwarte auf dem Preisgebiet keine weiteren Steigerungen. Die Produktionsentwicklung könne man optimistisch beurteilen. Die Rohstoffzufuhr für die deutsche Industrie sei völlig gesichert. Es sei beabsichtigt, den mit den günstigsten Preisangeboten für das "Jedermann-Programm" arbeitenden Betrieben Devisen zum Rohstoffeinkauf zur Verfügung zu stellen.

Für die französische Zone werde, ebenso wie in der Bizone, ein "Jedermann-Programm" geplant, teilte ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums von Rheinland-Pfalz mit. Allerdings werde, so betont man in zuständigen Kreisen, dieses Programm infolge der geringen Rohstoffzufuhr auf große Schwierigkeiten stoßen.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Alltag, Mensch, Versorgung, Logistik, Güter, Transport
Aktualisiert am: 06.02.2006
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